Obwohl es bereits November geworden ist, stecken wir noch mitten in der Chili-Ernte. Die frühen Sorten, wie Hot Banana oder Piment d’Espelette sind abgeerntet und teils konserviert oder für Chili-Pulver getrocknet. Spätere Sorten wie Lemon Drop wurden vor dem ersten Frost mit den Töpfen ins Haus geholt, damit noch viele Chili ausreifen und wir sie möglichst lange frisch genießen können.

Der scharfe Inhaltsstoff in Chili, das Capsaicin, kommt um diese Jahreszeit genau richtig. Schließlich soll Capsaicin antibakteriell und entzündungshemmend wirken, den Stoffwechsel anregen und die Blutzucker- und Blutfettwerte verbessern. Zusammen mit dem enthaltenen Vitamin C stärken frische Chili das Immunsystem.  

Chili und ihre Schärfegrade
Baut man Chili selbst an, steht eine riesige Auswahl an Chili-Sorten mit unterschiedlichen Schärfegraden zur Verfügung. Eingeteilt wird die Schärfe in einer Skala von 0 bis 10 in sogenannte Scoville-Einheiten, die ein gleichnamiger Apotheker entwickelt hat. 0 steht dabei für milde Gemüsepaprika und 10 für den höchsten Schärfegrad. Wobei es seit Scoville neue Chili-Züchtungen gibt, die inzwischen weit über den Schärfegrad 10 hinausgehen. Will man frische Chili verzehren, ist zu beachten, dass Chilis spätestens ab einem Schärfegrad von 7 nur noch als Gewürz verwendet werden sollten, da die Schärfe nicht mehr genießbar ist. Dies zumindest für die meisten Menschen in unseren Breiten.

Snack-Chili mit wenig Schärfe zum Rohverzehr
Wer es nicht so scharf mag, kann die Samenkerne und Mittelwände der Chili-Schoten entfernen, da hier die meiste Schärfe enthalten ist. Außerdem können weniger scharfe Sorten auswählt werden. Bei uns im Anbau haben wir den sehr milden Mulato-Ancho-Mix und ganz neu die weiße Lampion-Chili mit einem Schärfegrad von etwa 2 bis 4. Letztere lässt sich gut roh zur Brotzeit verzehren oder mit Schafskäse gefüllt in Olivenöl kurz im Ofen backen.

Gesunde Chili-Küche in Rohkostqualität
In den folgenden Rezepten werden Chili zusammen mit anderen Zutaten ungekocht zubereitet. Das Chili-Pesto ist angelehnt an ein Rezept von den Kanaren. Hier wird die Chili-Soße Mojo Rojo zu den traditionellen Papas Arrugadas, den Schrumpelkartoffeln in Salzkruste, gereicht. Entsprechend passt das Rezept auch zu Ofenkartoffeln und Grillgemüse.

Die Thai-Curry-Paste kann ebenfalls wie ein Dip oder zum Würzen von roten Currys verwendet werden. Die Zutaten sind bewusst so gewählt, dass sie in den meisten Lebensmittelmärkten problemlos erhältlich sind. Die Schärfe kann über die Menge und Schärfegrade der verwendeten Chilis variiert werden.
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Chili-Pesto

4 rote, mittelscharfe und dickfleischige Chili, z. B. Hot Banana oder Santa Fe Grande
2 rote Spitzpaprika
3 Knoblauchzehen
1 TL süßes Paprikapulver
1 Prise braunen Zucker
Salz nach Geschmack
100 ml hochwertiges Olivenöl

Chili und Paprika entkernen und in Stücke schneiden. Knoblauch schälen und grob würfeln. Zusammen mit dem Paprikapulver, 1/2 TL Salz und dem Zucker in einen Mixer geben und fein pürieren. Mit dem Olivenöl aufschlagen und nach Geschmack mit Salz abschmecken. Gekühlt mehrere Tage haltbar.
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Rote Thai-Curry-Paste

8 rote Chili
4 Knoblauchzehen
1 Stück Ingwer, etwa 2 cm lang
1/4 TL Zitronengraspulver oder ein Zitronengrasstängel
1 TL Koriandersamen
1 TL Kreuzkümmelsamen
1 TL grüne Pfefferkörner, getrocknet
1 EL Limettensaft
Salz
2 EL hochwertiges Pflanzenöl

Chili entkernen und in Stücke schneiden, Knoblauch und Ingwer schälen und grob würfeln. Zitronengrasstängel putzen und klein schneiden. Die getrockneten Gewürzsamen im Mixer mahlen, dann alle weiteren Zutaten hinzugeben bis auf das Öl hinzugeben und grob pürieren. Mit Salz abschmecken und das Öl unterrühren. Vor dem Verzehr mindestens 2 Stunden ziehen lassen, damit sich die Geschmacksnoten entfalten. Zur Aufbewahrung in hohe Gläser füllen und mit Öl abdecken. Hält gekühlt 2 bis 3 Wochen und kann portionsweise verwendet werden.

Chili selbst anbauen
Samenfestes Saatgut der genannten Chili-Sorten ist über unseren Online-Shop erhältlich.
Zu Paprika und Chili-Samen im Shop >
Aussaathinweise zu Paprika und Chili >

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Bei 3sat wurde im Oktober „Das Saatgut-Kartell“ ausgestrahlt und ist in der Mediathek abrufbar. Der Film befasst sich mit modernen Züchtungen, insbesondere bei Tomaten, die den Anforderungen langer Transportwege und Vermarktungsketten entsprechen müssen.

Dabei schlägt der Film einen Bogen von Züchtungszielen wie Ertrag, Haltbarkeit und optischer Makellosigkeit im Verhältnis zu Aroma und Nährstoffgehalt über die Konzentration weniger Großkonzerne auf dem Saatgutmarkt und dem Verlust der Kulturpflanzenvielfalt bis hin zu Kinderarbeit und Ausbeutung in der Saatgutproduktion.

Ein sehenswerter Film, der verschiedenste Problematiken beleuchtet vom Samen bis zum Gemüse auf unserem Teller.

Film „Das Saatgut-Kartell“
Weltweit arbeiten Wissenschaftler daran, Obst und Gemüse für den internationalen Markt zu züchten und genetisch zu verändern. Wie gesund, natürlich und fair ist das, was wir essen?

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Seit die mediterrane Küche in unseren Breiten immer beliebter geworden ist, hat Rucola zunehmend an Popularität gewonnen. Sie gilt als Zutat für viele italienische Speisen und für Salate. Gleichzeitig ist die Gartenrauke eine alte Gemüsepflanze, die bei uns zwischenzeitlich eher in Vergessenheit geraten war. Und damit haben wir zwei Bezeichnungen, nämlich Rucola und Rauke. Obwohl Rauke eine Übersetzung für die italienische Rucola ist, haben wir es nicht immer mit derselben Pflanze zu tun. Aber wie unterscheiden sich diese nun und wie kann man für den Anbau im eigenen Garten das gewünschte Saatgut erkennen?

Dem botanischen Namen folgen
Wie so oft, ist der richtige Wegweiser der botanische Name der Arten und Sorten. Allerdings lassen sich selten so unterschiedliche und teils widersprüchliche Aussagen finden wie zu Rucola und Rauke. Auf Grund der Erfahrungen aus dem eigenen Anbau, Gesprächen mit anderen Hausgärtnerinnen und Hausgärtnern sowie diversen Recherchen ist dieser Artikel entstanden.

Links die Blätter der Rucola oder Wilden Rauke (Diplotaxis tenuifolia) und rechts die Blätter der Gartenrauke (Eruca sativa)

Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnen Rucola und Rauke genau genommen zwei verschiedene Pflanzen aus der Gattung der Kreuzblütengewächse. Dies ist einmal Rucola, nämlich die Wilde Rauke, manchmal auch Würzrauke genannt (bot.: Diplotaxis tenuifolia, Schmalblättriger Doppelsame) und zum anderen die Garten-, Salat- oder Ölrauke (bot.: Eruca sativa).

Die gebräuchlichen deutschen Namen sind jedoch nicht auf die italienische Bezeichnung für die Gartenrauke zu übertragen. Hier ist die Gartenrauke ebenfalls eine Rucola, nämlich die Rucola dell’Orto, also die Rucola des Gemüsegartens.

Blüte der Wilden Rauke

Unterschiede in Kultur und Geschmack
Die Wilde Rauke ist im Geschmack intensiver, leicht bitter und verfügt über einen verzweigten Wuchs und schmale Blätter. In der Kultur ist sie zwei- bis mehrjährig. Ihre Blüten sind eher klein, wenig auffällig und einfarbig gelb. Die winterharten Pflanzen versamen sich bereitwillig.

Die Garten- oder Salatrauke ist milder im Geschmack und bildet breitere Blätter mit höherem Ertrag aus. Im Anbau ist sie ein- oder zweijährig. Ihre Blüten sind gegenüber der Wilden Rauke größer und eher cremegelb mit beiger Zeichnung. Auch die Gartenrauke ist winterhart und einfach zu vermehren, soweit die Samenstände zur Ausreife kommen dürfen.

Blüte der Gartenrauke

Wild und kultiviert
Eigentlich wäre diese Unterscheidung der beiden Arten ganz einfach, würden nicht weitere Bezeichnungen verwendet. Dies liegt daran, dass es zum einen Zuchtformen teils auch aus Kreuzungen und zudem weitere nah verwandte Arten gibt. So werden Züchtungen und Auslesen der Wilden Rauke im Samenhandel oft als Rucola selvatica bezeichnet. Dies entspricht in der Regel oben genannter Diplotaxis tenuifolia. Zuchtformen der Gartenrauke und sowie Kreuzungen aus Wilder Rauke und Gartenrauke (beispielsweise „Runway“, „Skyrocket“, …) werden dagegen oft als Rucola coltivata geführt, was wiederum in der Regel Eruca sativa entspricht.

Enge verwandte der beschriebenen Rauken, die ebenfalls ab und an im Samenhandel auftauchen sind eine weitere Rucola-Art (Diplotaxis muralis, Mauer-Doppelsame) oder die Senfrauke (Eruca vesicaria).

Nach meinen Recherchen werden leider all die genannten Bezeichnungen nicht immer einheitlich verwendet und deutsche, italienische wie botanische Namen purzeln das eine oder andere Mal durcheinander.

Dazu gibt es weitere wilde und kultivierte Raukengewächse, die essbar sind. Beispielsweise die bei uns beheimatete und wildwachsende Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), die Türkische Rauke (Bunias orientalis) auch Zackenschötchen genannt oder die Wasabi-Rauke (Diplotaxis erucoides), die alle im Garten kultiviert werden können.

Wie eingangs erwähnt, soll dieser Artikel die gewünschte Samenauswahl erleichtern. Ein Anspruch auf Vollständigkeit der Arten und Sorten sowie absoluter Richtigkeit im botanischen Sinne besteht nicht.

Die Kultur der Gartenrauke
Wir bauen seit vielen Jahren die Gartenrauke, Eruca sativa bei uns an und vermehren sie. Die Pflanzen sind relativ anspruchslos und einfach zu kultivieren. Wird der Vegetationspunkt nicht verletzt, sind mehrere Schnitte bzw. eine Einzelernte der Blätter über Wochen möglich. Wir säen Mitte August bis Anfang September und witterungsabhängig bilden die Pflanzen noch viel erntefähige Blattmasse. Im Folgejahr kann im Frühjahr noch einmal geerntet werden, bevor die Pflanzen in Blüte und Samenbildung gehen. Wir verwenden die Gartenrauke und wie auch die wilde Rucola unter anderem für Salate, auf Pizza oder für die Zubereitung als Pesto.

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Seit 2009 wird die Rote Liste einheimischer gefährdeter Nutzpflanzen von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung herausgegeben.

Pflanzengenetische Ressourcen in Deutschland
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung stellt unter dem Link https://pgrdeu.genres.de/ eine Website mit vielen Informationen zum Thema und Datenbanksuchen über Rote Liste Pflanzen und historisch genutzten Gemüsesorten und ihrem Status der Gefährdung zur Verfügung.

Illustration einer Paprikapflanze*

Klickt man sich durch die Listen, wird schnell klar welch großer Anteil alter Gemüsesorten bereits als verschwunden gilt. Sprich es ist nicht einmal in Genbanken noch Saatgut erhalten und die alten Sorten sind nur noch in Beschreibungen, Illustrationen und Katalogen von ehemaligen Züchtern und Saatgutproduzenten zu finden. Zahlen die besagen, dass bereits beinahe 90% unserer einheimischen Nutzpflanzen ausgestorben sind, spiegeln sich in diesen Listen wider.

Der Anbau gefährdeter Gemüsesorten ist lohnenswert
Die Aufnahme von alten Gemüsesorten in die Rote Liste gefährdeter Pflanzen hängt von verschiedenen Kriterien ab. Maßgeblich ist unter anderem, dass es sich um eine alte, regionale Sorte mit aktuell kaum oder gar keinem Vorkommen/Saatgutverfügbarkeit handelt und sie gleichzeitig als historisch bedeutend mit Nutzungspotential gilt. Die Rote Liste wird regelmäßig aktualisiert und es kommt auch vor, dass Sorten wieder aus der Liste genommen werden, wenn ihr Bestand zugenommen hat. So sind beispielsweise die Monstranzbohne und einige Meldensorten wieder aus der Roten Liste herausgenommen worden (Quelle: VEN 2017). Dies ist vorrangig dem Anbau und der Erhaltung in privaten Gärten zu verdanken und zeigt, dass sich der Anbau gefährdeter Sorten durchaus lohnt und alte Gemüsesorten „gerettet“ werden können.

Rote Liste Gemüsesorten in unserem Sortiment
Auch wir bauen verschiedene Gemüsesorten an, die in der Roten Liste aufgeführt sind. Dabei handelt es sich um Sorten, die sich im Anbau bewährt haben, guten Geschmack aufweisen und auch im Ertrag modernen Sorten nicht unbedingt nachstehen. Dazu zählen beispielsweise Salate wie der Sommerkopfsalat Laurenzianer, die Zuckererbse Quedlinburger Süße Dicke oder die Freiland-Aubergine Frühviolette. Nach Verfügbarkeit geben wir auch Samen für den Testanbau und privaten Gebrauch davon ab und hoffen auf eine Verbreitung dieser seltenen und gefährdeten Gemüsesorten.

*Bildrechte Wikipedia Commons

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Der Sortenname – Ausdruck des stolzen Züchters
Im Sortennamen vieler Gemüsesorten drückt sich der ganze Stolz der alten Züchter aus und dies meist zurecht. Überzeugen sie doch oft mit Geschmack und Optik gegenüber den neuen Einheitssorten.

Allein bei den Salaten, den Frühlingsfavoriten, haben wir Namensgebungen wie beispielsweise „Wunder der vier Jahreszeiten“, „Maikönig“ und „Kaiser Selbstschluss“, um nur einige wenige zu nennen. Daneben verdeutlichen die Sortennamen die Eigenschaften der Salate oder leihen sich Veranschaulichungen aus dem Pflanzen- oder Tierreich. So können wir für unsere Salatvielfalt aus „Trotz- Hitz- und Dickköpfen“ auswählen oder wir können „Goldforellen“ und „Rehzungen“ säen.

Seltene Salatsorten selbst säen
Beim Samenkauf spielt neben Eigenschaften wie Ertrag, Geschmack und Optik nicht zuletzt auch der Name einer Sorte eine Rolle. Schließlich verspricht ein Wunder, eine Königin oder ein Kaiser etwas ganz Besonderes. Im Handel sind solche meist alten Salatsorten als Jungpflanzen selten erhältlich und es lohnt sich für eine bunte und vielfältige Salaternte selbst auszusäen.

Bitte beachten Sie dabei, dass Salat ein Lichtkeimer ist und kaum mit Erde bedeckt werden will. Ebenso wichtig ist ein sehr heller und nicht zu warmer Standort für eine schnelle Keimung und gesundes Wachstum. Bei uns stehen die Aussaatschalen am Küchenfenster, abgedeckt mit einer Klarsichtfolie um das Austrocknen der Saat zu vermeiden. Nach der Keimung stellen wir die Sämlinge witterungsabhängig an ein helles Fenster in einem wenig geheizten Raum oder bereits ins Gewächshaus.

Alte Salatsorten aus regionalen Anbaugebieten
Viele der alten Sortennamen beinhalten außerdem die Region in der sie gezüchtet oder lange Zeit angebaut wurden. So verraten „Altöttinger Großkopfada“, „Wiener Maidivi“, „Laibacher Eis“ oder „Mombacher Winter“ nicht nur Sorteneigenschaften, sondern vor allem die Region in der sie entstanden sind. Daraus lassen sich hilfreiche Rückschlüsse für den Anbau in der eigenen Klimaregion ziehen.

Bei all den genannten Sorten handelt es sich um samenfeste Salate.

Mehr zu alten und samenfesten Salatsorten >
Unser Sortiment an alten und seltenen Salatsamen >

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