Ganz aktuell steht die Wahlfreiheit für das, was wir essen möchten für jede und jeden einzelnen von uns auf dem Spiel

Am 19.12.2025 haben sich die Vertretungen der Länder im EU-Rat mit einer knappen Mehrheit für die Annahme des Trilogergebnisses und damit für die Deregulierung neuer Gentechniken ausgesprochen – trotz der Enthaltung Deutschlands. Nun kommt es darauf an, möglichst viele Mitlieder des EU-Parlaments davon zu überzeugen, bei der Abstimmung im EU-Parlament, die für den 9. März 2026 geplant ist, gegen den Verordnungsvorschlag zu stimmen.

Zur Online-Petition gegen eine Deregulierung der neuen Gentechnik
an die „EU Leader“ >
  (externer Link)

Neben der Deregulierung der neuen Gentechnik steht außerdem erneut eine Reform des Saatgutsrechts auf EU-Ebene auf dem Plan. Wie haben folgend verschiedene Filme und Berichte zusammengestellt, damit sich jede / jeder ein Bild von der Erhaltung alter Sorten und der Züchtungsarbeit an samenfestem Saatgut machen kann.

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Vor über 10 Jahren haben wir den Film „Die Saatgutretter“ schon einmal hier im Blog eingestellt. Der Film erschien zu der geplanten Reform des Saatgutrechts auf EU-Ebene. Der Vorschlag wurde damals abgelehnt und die Reform lag erst mal auf Eis.  Doch heute ist der Film aktueller denn je. Während 2013 die Diskussion zur geplanten Reform die breite Öffentlichkeit erreicht hat und die Pläne auf großen Widerstand gestoßen sind, scheinen die aktuellen Gesetzespläne zur Deregulierung der neuen Gentechnik und die geplanten Änderungen des Saatgutrechts (Link zu Petitionen) nicht bei der Öffentlichkeit anzukommen. Engagement und Widerstand kommt hauptsächlich von betroffenen Saatgutbetrieben, Bio-Bäuerinnen und Bauern sowie den Erhalterorganisationen.

Der Film „Die Saatgut-Retter“ gibt Einblicke in die Erhaltung und Weiterentwicklung von samenfestem Saatgut an Züchtungsstandorten in Frankreich und Deutschland und zeigt auf, welche wichtige Rolle die landwirtschaftliche Vielfalt und die genetischen Ressourcen im Hinblick auf Klimawandel und Ernährungssicherheit einnehmen.

Die Saatgut-Retter bei Films of the Earth > (externer Link)

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Die geplante Reform des Saatgutrechts kann vor allem für kleine Betriebe ihre Arbeit erheblich erschweren oder das Aus bedeuten. Als sich 2023 abgezeichnet hat, dass eine Reform des Saatgutrechts auf EU-Ebene wieder angestrebt wird, haben wir dazu den Film „Seeds of Europe“ veröffentlicht. Zwei junge Filmemacher reisen durch Europa und besuchen kleine Saatgut-Erhalter und Saatgut-Produzenten in ihrem Arbeitsumfeld. Der Dokumentarfilm gibt diesen kleinen Betrieben aus ganz Europa eine Stimme.

Zur Dokumentation „Seeds of Europe“ >

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Folgend außerdem ein interessanter Bericht über einen Pflanzenzüchter, der für Sativa Bio-Saatgut (Saatgutangebot bei uns im Shop) auf Sardinien neue, samenfeste und robuste Pflanzen für die biologische Landwirtschaft züchtet.

Kulturpflanzenzüchtung auf Sardinien
Auf einer kleinen Farm im Süden Sardiniens, zwischen dem Meer und den Bergen, wächst mehr als nur Gemüse. Hier leistet Fadi Kanso mit viel Wissen, Geduld und Leidenschaft einen wichtigen Beitrag zur Sicherung unserer zukünftigen Ernährung. Er züchtet neue, robuste Pflanzensorten für die biologische Landwirtschaft. Pflanzen, die dem Klimawandel standhalten, ohne Chemie gedeihen und dabei Geschmack und Vielfalt bewahren. Klassische Züchtung braucht Geduld: Oft dauert es sieben, acht, manchmal zehn Jahre, bis eine neue Sorte marktreif ist. Fadi Kanso kann diesen Prozess bei einjährigen Pflanzen bis auf die Hälfte der Zeit verkürzen. Dank des milden Mittelmeerklimas gibt es eine zweite Vegetationsperiode während des Winterhalbjahrs. Dies ist ein entscheidender Fortschritt in der Entwicklung klimaangepasster Sorten.

Leidenschaft trifft Wissenschaft
Der Agrarwissenschaftler und Pflanzenzüchter Fadi Kanso hat das Projekt Sa Frisa ins Leben gerufen, an einem Ort, an dem Pflanzenzucht unter sehr guten Bedingungen stattfinden kann. Auf drei Hektar Land bei Feraxi, in Küstennähe, baut er eine neue Zuchtinfrastruktur auf: Isolierungstunnel, optimal gestaltete Versuchsfelder, Bewässerungsanlagen, Hecken und Schutzbäume. Unter anderem wachsen hier auch hitzeresistente Meerrettichbäume, über fünfzig Feigensorten und neue Pflanzen für die Bio-Kosmetik. Gemeinsam mit Partnern wie Sativa, GZPK und weiteren Bio-Züchtern arbeitet Fadi Kanso an klimaangepassten Gemüse- und Getreidesorten, die Landwirtinnen und Landwirten in ganz Europa helfen können. Getragen wird das Projekt Sa Frisa vom Verein Mediterra Sementi, der innovative Züchtungsarbeit im Mittelmeerraum gezielt fördert und Partner von Fintan ist. Weitere Gewächshäuser sollen näher an der Küste entstehen. Dort reguliert das Meer die Temperaturen und bietet optimale Bedingungen für die Pflanzen. www.safrisa.bio (externer Link)


Und schon ist wieder ein Jahr beinahe vorbei … und wie jedes Jahr möchten wir uns zum Jahreswechsel bei all unseren treuen Kundinnen und Kunden, Leserinnen und Lesern und geschätzten Partnern für das Vertrauen in uns und die gute Zusammenarbeit bedanken. Wir wünschen Allen gesegnete Feiertage und einen gesunden und glücklichen Start ins neue (Garten-) Jahr. 

Gleichzeitig ist es wieder Zeit ein wenig zurückzublicken. 2025 hat sich erneut gezeigt, dass jedes Gartenjahr anders und von anderen Pflanzenarten geprägt ist. Hier bei uns in Bayern haben das kühle und sonnenarme Frühjahr sowie wiederholt sehr kühle und regnerische Wetterperioden über den Sommer den wärme- und sonnenhungrigen Kulturen recht zu schaffen gemacht. Sehr wohlgefühlt hat sich dagegen der Kohl. Ich kann mich an kein Jahr erinnern, das eine solch enorme und gesunde Ernte der verschiedensten Kohlsorten im Gepäck hatte. Kohl kommt gut mit niedrigen Temperaturen zurecht, mag eine gute Wasserversorgung und die kurze Trockenperiode im Juni hat die Schnecken in Schach gehalten, sodass die Kohlpflanzen sich ungehindert entwickeln konnten.

Kohl von Frühling bis in den Winter
Die erste Ernte waren zarte und knackige Kohlrabi, zuerst aus dem Gewächshaus und etwas später aus Freilandanbau. Gefolgt von dem frühen Spitzkohl Chateaurenard, einer alten Weißkohlsorte mit sehr zartem, süßem Blatt und bestens für Krautsalate geeignet. Kurz darauf hat im Juni die Ernte des Wirsingkohls Moretta di Verona begonnen. Parallel entwickelte sich die Galizische Palme zu mannshohen Pflanzen und Brokkoli Calabrese Natalino hat uns bis in den Herbst kiloweise mit feinen Brokkoli-Röschen versorgt. Grünkohl und Rosenkohl Rubine stehen jetzt für die Winterernte groß und kräftig im Garten. Einige Exemplare von Lagerkohlrabi Dyna warten noch auf ihre Zubereitung. Lediglich die späte Blumenkohlsorte Flora Bianca, die wir zum ersten Mal angebaut haben, hat es im kühlen September und Oktober nicht mehr geschafft sich vor dem Frost ausreichend zu entwickeln.

Wirsingkohl Moretta di Verona

Wirsingkohl Moretta di Verona

Makellose Kohlpflanzen durch Mischkultur und Nützlingsweiden
Wohl hat auch das Wetter zum gesunden Wachstum des Kohls beigetragen. Unsere jahrelang praktizierte Mischkultur zusammen mit  unterschiedlichen Nützlingsweiden haben jedoch sicherlich nachhaltig unterstützt, dass unser Kohl sehr lange gesund und schädlingsfrei geblieben ist.

Gemüsekohl – wichtiges Nahrungsmittel und Vitaminquelle
Kohl ist gut an das Klima in unseren Breiten angepasst und war bereits für unsere Vorfahren ein wichtiges Nahrungsmittel und eine unverzichtbare Vitaminquelle. Folgend möchte ich einen Podcast und einen Film vorstellen über die Bedeutung von Gemüsekohl für eine ausgewogene, gesunde Ernährung sowie die Rolle der landwirtschaftlichen Artenvielfalt.

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querFELDein – aktuelle Forschung in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und Klima

Im Podcast von querFELDein sprechen Dr. Katja Witzel und Prof. Dr. Franziska Hanschen über die Ergebnisse ihrer Feldversuche und die Bedeutung von Kohlgemüse für eine ausgewogene, gesunde Ernährung sowie über die Rolle pflanzlicher Vielfalt in der Landwirtschaft der Zukunft. Zum Podcast: Biodiversität zum Anbeißen – Wie Gemüsekohl uns stärkt >

Wer es kürzer und weniger wissenschaftlich mag, kann dazu den Videobeitrag der Reihe Doc Fischer vom SWR mit Franziska Hanschen ansehen: Kohl – so gesund ist das heimische Gemüse >

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Alte Kohlsorten – Spitzenreiter an gesunden Inhaltsstoffen
Übrigens konnte festgestellt werden, dass alte Züchtungen von Gemüse und eben auch von Kohl besonders viele gesunde sekundäre Pflanzenstoffe enthalten und intensiver im Geschmack sind, als moderne Züchtungen. Im Zuge des Züchtungsverlaufs sind bei neuen Sorten zugunsten von Schnellwüchsigkeit, Reduzierung des ursprünglichen Kohlgeschmacks und anderen modernen Züchtungszielen zum Teil Inhaltsstoffe verloren gegangen.

In unserem Saatgutsortiment gibt es eine große Auswahl an alten, samenfesten und geschmacklich hervorragenden Kohlsorten >

Was angebaut wird, will auch gegessen werden –  unsere liebsten Kohlrezepte:
Wirsingsuppe aus dem Piemont >
Rigatoni mit Cima di Rapa >
Blauer Spitzkrautsalat mit Speck und Mandeln >
Grünkohl mit getrockneten Tomaten / Sibirischer Kohl mit Pilzen >
Kohlrabicremesuppe mit Camenbert / Caldo Verde >

Vielleicht ergibt sich daraus die eine oder andere Inspiration für die Anbauplanung im neuen Gartenjahr. Viel Spaß beim Stöbern im Saatgut-Sortiment und beim Nachkochen, Eure Annette Holländer von Garten des Lebens
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Meine erste Begegnung mit der Tomate Rote Zora liegt bereits Jahre zurück. Freunde, die für die Erhaltergesellschaft Arche Noah Sortenpatenschaften übernommen hatten, bauten die Rote Zora für die Erhaltung und Vermehrung an. Zugegebenermaßen war ich recht geplättet von den üppigen Tomatenpflanzen, die an einer Scheunenwand an Schnüren zum Dach hochkletterten. Die gesunden Pflanzen waren bestimmt 3 Meter hoch und hingen voll mit Trauben länglicher Tomaten in einem schönen Rot mit rosa- bis lachsfarbenem Einschlag.

Tomate Rote Zora

Tomate Rote Zora

Dennoch hat es noch einige Zeit gedauert, bis Tomate Rote Zora auch in unseren Garten Einzug gehalten hat. Mittlerweile haben wir sie in der Vermehrung und bieten Saatgut der Roten Zora bei uns im Online-Shop an. Leider fristet sie im Shop eher ein Schattendasein und ihre Samen wurden bislang nur mäßig nachgefragt. Dabei ist die Rote Zora eine durchaus empfehlenswerte Tomate: Gesund und wüchsig mit hohem Ertrag. Sie ist eine schmackhafte Salattomate mit wenig Säure und eine hervorragende Tomate für Tomatensauce & Co. Wir haben sie bisher nur Regengeschützt angebaut, sie soll sich aber genauso robust und wuchsfreudig im Freiland erweisen. Culinaris – Saatgut für Lebensmittel hat Rote Zora als Freilandtomate ins Sortiment aufgenommen.

Auf der Suche nach Informationen zu Herkunft und interessanten Hintergründen von Tomate Rote Zora bin ich auf einen Blog-Artikel gestoßen, der die Rote Zora in ihrer ganzen Fülle beschreibt.

Benannt nach dem Kinder- und Jugendbuch „Die Rote Zora und ihre Bande“ von 1941 von Kurt Held, ist Tomate Rote Zora „Ein Versprechen auf rote süße freche Früchte und Pflanzen, die sich unbändig ihren Weg suchen und vor Vitalität nur so strotzen.“ Und nicht nur das, für die Autorin führte der Anbau der Roten Zora „zur kompletten Unabhängigkeit von der Tomatenindustrie“.

Hier gehts zum sehr lesenswerten und auch humorvollen Artikel: Die Rote Zora gewinntWie aus einer unscheinbaren kleinen Pflanze ein nachhaltiges Ernährungskonzept wurde. (externer Link)

Samen von Tomate Rote Zora und Anbauinformationen gibt es im Garten des Lebens Online-Shop.
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Unser Kürbis-Special zur Unterscheidung der verschiedenen Arten mit Sortenempfehlungen, Infos zu Anbau und Vermehrung sowie zum Kürbis in der Küche.

Kürbisse und Zucchini – Arten und Sorten >
Anbau und Vermehrung von Kürbis und Zucchini >
Kürbis in der Küche – Rezepte >

Obwohl wir bereits viele Jahre regelmäßig Kürbisse anbauen, bin ich jeden Herbst erneut fasziniert von unserer vielfältigen Kürbisernte. Die bunten Schwergewichter bekommen zuerst ihren Platz auf der südlichen Hausseite zum Nachreifen, wo sie bis zu den ersten Frösten ein wunderhübsches Bild abgeben. Danach zieren sie im Zuge der weiteren Lagerung den Hausflur und Räume in denen wenig geheizt wird. Dort verbleiben sie bis zum Verzehr bzw. der Ernte des Saatguts.

Kürbisvielfalt

Kürbisvielfalt

Dabei war mein Weg zur Kürbisliebe durchaus holprig. In meiner Kindheit in den 1970iger Jahren war bei uns in Bayern von der heute verfügbaren Kürbisvielfalt noch nichts zu erahnen. Meine bäuerliche Verwandtschaft baute den Gelben Zentner an und legte ihn süß-sauer ein. Der Gelbe Zentner ist ein riesiger Kürbis von eher minderwertiger Fruchtfleischqualität, faserig und mit wenig Geschmack. Früher wurden solche Sorten angebaut, um Mensch und Tier (sprich das Hausschwein) gleichermaßen zu ernähren. Der verwendete Essig für die Konservierung dürfte auch nicht von einer Balsamico-Qualität gewesen sein, wie ich ihn heute zum Einlegen verwende.

Der „Genuss“ dieser „Kürbisspezialität“ hat mir auf lange Zeit jegliches Interesse an den Kürbissen vergällt. Erst Jahre später konnte mich meine große Schwester dazu überreden eine ihrer Kürbissuppen zu kosten. Die Überraschung über den feinen, cremigen Geschmack war immens. Und im Zuge der zunehmenden Selbstversorgung aus unserem Garten, hat der Kürbis einen festen Platz erobert.

Vielfältige Kürbisse – Arten und Sorten

Die bei uns zu Speisezwecken angebauten Kürbisse lassen sich in drei Arten innerhalb der Gattung Cucurbita (Kürbis) unterteilen:

Zucchini Costata Romanesco

Zucchini Costata Romanesco

Cucurbita pepo (Gartenkürbis)
Zu den Gartenkürbissen zählen alle Zucchini und Zucchiniähnlichen Kürbisse wie Rondini sowie Ufo-Kürbisse, Eichelkürbisse, Spaghettikürbis und einige andere. Auch der Ölkürbis der für die Ernte der Kürbiskerne und der Gewinnung von Kürbiskernöl angebaut wird gehört zu den Gartenkürbissen. Und ebenso der Halloween-Kürbis zusammen mit unterschiedlichsten Zierkürbissen, die nur für Dekozwecke geeignet sind. 

Verschiedene Gartenkürbisse mit ausführlichen Beschreibungen sind bei uns im Online-Shop zu finden:  Zucchini Costata Romanesco –  Gleisdorfer ÖlkürbisGartenkürbis DelicataZucchini Rumänische Cremefarbige

Cucurbita maxima (Riesen- oder Winterkürbis)
Maxima-Kürbisse dürften die größte Gruppe unter den Speisekürbissen darstellen. Hunderte von Sorten in unterschiedlichen Farben, Formen und Größen zählen hierzu. Auch Geschmack und Fruchtfleischeigenschaften variieren. Die Bezeichnung Winterkürbis dürfte auf die meist gute Lagerfähigkeit zurückzuführen sein. Die bekanntesten Vertreter dürften die Hokkaidos sein, die den Handel dominieren.

Verschiedene Riesenkürbisse mit ausführlichen Beschreibungen sind bei uns im Online-Shop zu finden: Kürbis Jarrahdale –  Kürbis Gete OkosiminKürbis Galeux D’EysinesKürbis Hokkaido Uchiki Kuri 

Cucurbita moscata (Moschus- oder Muskatkürbis)
Muskatkürbisse sind bei uns vor allem durch den französischen Muscade de Provence bekannt geworden. Ebenso werden im Handel in den letzten Jahren vermehrt Butternutkürbisse angeboten. Dabei sind auch in dieser Kürbisart verschiedenste interessante Varietäten zu finden, wie einige stark gerippter Vertreter mit Ursprung in Japan oder der Zucchinikürbis Tromba d’Albenga.

Verschiedene Muskatkürbisse mit ausführlichen Beschreibungen sind bei uns im Online-Shop zu finden: Muskatkürbis Butternut Sonca –  Muskatkürbis ChirimenZucchinikürbis Tromba d’Albenga

Weitere Cucurbita-Arten sind die Kalebasse (Lagenaria siceraria), Feigenblattkürbis (Cucurbita ficifolia) oder Cushaw-Kürbisse (Cucurbita argyrosperma) die in unseren klimatischen Verhältnissen jedoch nur bedingt gedeihen und für die Ernährung eine untergeordnete Rolle spielen.

Anbau und Veremehrung von Kürbissen und Zucchini

Kürbisse stammen aus der neuen Welt und sind mit den spanischen Seefahrern zu uns gekommen. In Nord- und Mittelamerika wurden Kürbisse bereits lange davor von der indigenen Bevölkerung angebaut und weiterentwickelt. Ein traditionelles Anbausystem war und ist die Milpa, einer Mischkultur vorrangig aus Kürbis, Mais und Bohnen

Ernte aus der Milpa

Ernte aus der Milpa

Kürbisse sind nicht frosthart und müssen mit unserer eher kurzen Sommersaison zurechtkommen. Daher werden sie am besten bereits im April im Haus vorgezogen und nach den letzten Frösten etwa Mitte Mai ausgepflanzt. Geerntet wird bis in den Herbst hinein, solange es frostfrei bleibt. 

Für die Anzucht der Kürbisse ist zu beachten: 
Eine Aussaat Mitte April ist völlig ausreichend. Früher gesäte Pflanzen verbleiben meist zu lange im Anzuchttopf, was zu Wachstumsstockungen nach der Pflanzung führt. Gesät werden 1 – 2 Samen jeweils in einem Töpfchen mit einem Durchmesser mindestens 10 cm. Das Aussaatsubstrat kann ausgereifter Gartenkompost (kein Kompost aus Kompostieranlagen) oder eine andere reichhaltige Gemüseerde (auch aus dem Gartenbeet) sein, eventuell mit etwas Sand gemischt. Das Ansäen in nährstoffarmer Aussaaterde mit späterem Pikieren ist nicht zu empfehlen.

Kürbisse und Zucchini sind Starkzehrer und werden in ein vollsonniges Beet mit nährstoffreicher Erde gepflanzt. Für einen guten Fruchtansatz benötigen sie dazu eine regelmäßige Wasserversorgung in Trockenperioden. Ein Mulchen der Beetfläche unterstützt die Nährstoffversorgung und verhindert das Austrocknen vor allem frisch gepflanzter Jungpflanzen.

Kürbisgewächse sind Fremdbefruchter und sind darauf angewiesen, dass Insekten den Pollen der männlichen Blüten zur weiblichen Blüte transportiert. Unbefruchtete weibliche Blüten können keine Früchte bilden, die bereits vorhandenen Fruchtansätze fallen ohne Bestäubung ab. Daher macht es Sinn im Garten für ein dauerhaftes Blütenangbot für bestäubende Insekten zu sorgen. Eine gute Möglichkeit im Gemüsegarten sind einjährige Blühstreifen, die sich einfach immer wieder selbst aussäen.

Kürbisse werden durch Insekten befruchtet

Kürbisse werden durch Insekten befruchtet

Eigenes Saatgut von Kürbis und Zucchini gewinnen
Eine Aussage, die bereits seit vielen Jahren durch die Medien geht, scheint quasi zur Legende geworden zu sein. Nämlich, dass man sich vergiftet, wenn man selbst vermehrte Kürbisse und Zucchini verspeist. Es vergeht kaum ein Seminar oder eine andere Veranstaltung bei der ich nicht danach gefragt werde. Dabei können Kürbisse und Zucchini selbstverständlich selbst vermehrt werden, wenn auf die Sortenreinheit geachtet wird und mögliche bittere Früchte nicht verzehrt werden. Einen ausführlichen Artikel zu Bitterstoffen in Kürbisgewächsen haben wir bereits vor vielen Jahren aus aktuellem Anlass veröffentlicht.

Für eine sortenreine Vermehrung sind die oben aufgeführten Arten zu berücksichtigen. Vertreter der verschiedenen Cucurbita-Arten verkreuzen sich nicht. Alle Sorten innerhalb einer Art können sich jedoch verkreuzen.

In der Praxis bedeutet dies für eine sortenreine Vermehrung: Es kann jeweils ein Gartenkürbis (pepo), ein Riesenkürbis (maxima) und ein Muskatkürbis (moscata) zusammen angebaut und davon Saatgut genommen werden. Für den Anbau verschiedener Sorten innerhalb einer Art gilt dies für die Gewinnung von Saatgut dagegen nicht.

Für die Ernte von Saatgut ist außerdem zu beachten
Hochwertiges und keimfähiges Saatgut kann nur aus vollständig ausgereiften Früchten gewonnen werden. Dies gilt auch für Zucchini, die wir für den Verzehr normalerweise grün ohne nennenswerte Samenentwicklung ernten. Anders als bei Kürbissen sind ausgereifte Zucchini meist nicht mehr besonders schmackhaft. Für die Vermehrung sollte außerdem ein größerer Pflanzenbestand für die Erhaltung der genetischen Diversität vorhanden sein, der in kleinen Hausgärten oft zu viel Platz einnehmen würde. In größeren und gemeinschaftlich bewirtschafteten Gärten oder Ackerparzellen bietet sich die Gewinnung von eigenem Cucurbita-Saatgut unter den genannten Voraussetzungen jedoch an und macht unter dem Aspekt der Saatguterzeugung für den Eigenbedarf durchaus Sinn. 

Kürbis in der Küche

Kürbisse lassen sich in unglaublich vielfältige Gerichte verwandeln. In der Vergangenheit haben wir bereits das eine oder Kürbis- und Zucchinirezept gepostet. So unseren Zucchini-Sommerliebling Antipasti von gebratener und marinierter Zucchini Costata Romanesco. Sowie zwei Rezepte zur Konservierung von Kürbis: Kürbis-Ketchup und Kürbis-Pesto. Ein weiteres, etwas aufwendigeres Rezept für die Verwendung von Winterkürbissen sind die wunderbaren Kürbis-Schupfnudeln – mit Gulasch oder Pilz-Ragout ideal für kalte Tage.

Ein weiteres Rezept, das ich heute vorstellen möchte, ist ein Teig für Kürbisbrot und die Verwendung als Boden für Flammkuchen oder ähnliches. Die Herstellung des Teiges für beide Verwendungen ist identisch. Für das Brot werden noch Walnüsse und Kürbiskerne hinzugefügt. Für den Flammkuchen wird etwas mehr Mehl in den Teig geknetet, damit er fester wird. Der verwendete Kürbis sollte festfleischig und eher von trockenem Fruchtfleisch sein. Die angegebene Teigmenge ist ausreichend für 2 Brote und 2 Bleche Flammkuchen.

Zutaten für den Teig:

900 g geputztes und gewürfeltes Kürbisfleisch
500 g helles Dinkelmehl Typ 630
500 g dunkles Dinkelmehl Typ 1050
1,5 Würfel frische Hefe
5 EL Joghurt 3,5 % Fett
5 EL Olivenöl
3 TL Salz
Mehl zum Verarbeiten
Wasser

Weitere Zutaten für das Brot:

3 EL Walnussbruch
3 EL Kürbiskerne, geröstet
2 EL Milch und weitere Kürbiskerne

Teigzubereitung:

Den Kürbis im Dampfeinsatz weich garen und abdampfen / abkühlen lassen. Mit einem Kartoffelstampfer breiig stampfen. Mehl in einer großen Schüssel mit dem Salz vermischen. In der Mitte in eine Mulde die Hefe hinein bröckeln und mit etwas Wasser auflösen. Die weiteren Zutaten, den Kürbisbrei und etwa 1 kleine Tasse Wasser hinzufügen. Mit bemehlten Händen zu einem weichen Teig verarbeiten. An einem warmen Ort ca. 2 Stunden zugedeckt gehen lassen.

Für das Brot:

Etwa 2/3 des Teiges mit Walnüssen und Kürbiskernen mischen, zu 2 länglichen Rollen formen, auf ein bemehltes Backblech legen und verdrehen. Mit der Milch bepinseln und mit Kürbiskernen belegen. Die Brote weitere 20 Minuten gehen lassen. Backofen bei Ober-/Unterhitze auf 220 Grad vorheizen. Die Brote ca. 15 Minuten backen. Dann die Ofentemperatur auf 160 Grad reduzieren und für ca. 25 Minuten weiterbacken. Brote aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Wird das Brot nicht zeitnah benötigt, kann es auch eingefroren werden.

Für den Flammkuchen:

Den restlichen Teig mit so viel Mehl verkneten, dass er geschmeidig bleibt, jedoch nicht mehr so klebrig ist. Für den Flammkuchen den Teig dünn ausrollen, auf ein Backblech mit Backpapier legen und nach Rezept beispielsweise mit Sauerrahm, Zwiebeln und Speck belegen und backen. Ein Rezept, zu dem der Kürbisteig sehr gut passt ist der Wurzelgemüse-Flammkuchen.

 


Sibirischer Kohl (Brassica napus var. pabularia) oder Russischer Roter bzw. Red Russian Kale ist ein einfach zu kultivierender und sehr wohlschmeckender Blattkohl. Die gute Frosthärte macht ihn zu einem unkomplizierten Wintergemüse. Die gefiederten Blätter und Stiele in grün bis violett sind außerdem eine Zierde in jedem Gemüsegarten. Bei rechtzeitiger Aussaat und guter Nährstoffversorgung lassen sich große, imposante und ertragreiche Pflanzen kultivieren. Ebenso kann der Sibirische Kohl als Schnittkohl oder Baby-Leaf für die Herbst- und Winterernte gezogen werden.

Sibirischer Kohl / Red Russian Kale

Sibirischer Kohl / Red Russian Kale

Das violett überhauchte, gefiederte Blatt des sibirischen Kohls

Das violett überhauchte, gefiederte Blatt des sibirischen Kohls

Anbau:
Aussaat für Einzelpflanzen ab Mitte April bis Anfang Juli, vorzugsweise in Quickpots oder kleinen Töpfchen. Die jungen Pflanzen nach 4 – 6 Wochen auf ein mit Kompost oder Mistkompost vorbereitetes Beet auspflanzen. Pflanzabstand etwa 50 x 50 cm. Spätere Saaten können für die Ernte als Schnittkohl in Reihen gesät werden. Ein Pflanzenabstand von ca. 5 cm in der Reihe und einem Reihenabstand von 10 cm ist zu empfehlen.

Wuchsform:
Wie Grünkohl bildet auch der Sibirische Kohl keinen festen Kopf und die länglichen, gefiederten Blätter sind locker an einem Hauptspross angeordnet.

Vermehrung:
Wie die meisten Kohlsorten blüht auch der Sibirische Kohl in zweiten Kulturjahr. Die wunderschönen gelben Blüten erscheinen im April/Mai und bis in den Sommer reifen die Samen aus. Die frühe Blüte ist eine gute Bienenweide. Für eine Vermehrung sollte ein Bestand von mindestens 20 Pflanzen zusammen abblühen. Zur Gattung Brassica napus gehören u. a. auch der Raps und die Kohlrübe. Kohlgewächse sind Fremdbefruchter und werden durch Insekten bestäubt. Daher kann es mit Vermehrungskulturen von Kohlrüben oder landwirtschaftlich angebautem Raps in der näheren Umgebung zu Verkreuzungen kommen. Mit einer Varietät des Raps, dem Bremer Scheerkohl würde sich der Sibirische Kohl ebenfalls verkreuzen.

Die Samen werden geerntet, wenn sich die Schoten gelb bis braun verfärben. Mit der Ernte sollte nicht zu lange gewartet werden, da die Schoten sonst aufspringen und sich das Saatgut aussamt. Trocken, dunkel und kühl gelagert sind die Samen mindestens 5 Jahre keimfähig..

Ernte und Verwendung:
Die Ernte der Blätter erfolgt laufend ab den Sommermonaten. Dabei werden von Solitär-Pflanzen immer die unteren Blätter geerntet sodass der Kohl weiterwachsen und neue Blätter bilden kann. Bei Schnittkulturen ist darauf zu achten, das Herz der Pflanzen nicht zu verletzen, damit mehrere Schnitte möglich sind.

Sibirischer Kohl ist winterhart und kann über die komplette kalte Jahreszeit geerntet werden. Lediglich vor starken Kahlfrösten sollten die Pflanzen vorübergehend mit Gartenvlies geschützt werden. Die Ernte erfolgt am besten an frostfreien Tagen.

Die Verwendung des Sibirischen Kohls ist ähnlich wie von Grünkohl (Link zu Rezepten), wobei der Sibirische Kohl keinen Frost vor der Ernte benötigt. Das Aroma ist milder und feiner als von Grünkohl und erinnert an Kohlrabi. Neben der traditionellen Grünkohlzubereitung eignet sich Sibirischer Kohl auch gut für Asia-Gerichte und kann in grünen Smoothies verwendet werden. Der Russische Rote, Red Russian Kale, ist ein sehr gesundes Gemüse und reich an Vitaminen und Mineralstoffen.

Geschichte:
In der Literatur ist wenig über den Sibirischen Kohl zu finden. Seinem Namen nach stammt er ursprünglich aus Sibirien und wird in Russland in der traditionellen Küche verwendet. Vermutlich handelt es sich um einen Wildkohl, der in Kultur genommen wurde. Von Russland aus soll der Sibirische Kohl vor mehr als einhundert Jahren mit russischen Einwanderern nach Kanada gekommen sein. Heute ist er in Teilen Europas und Eurasiens im Anbau und ist besonders in Regionen mit langen Wintern als Gemüsepflanze beliebt. Manchmal wird der „Russische Rote“ auch als Russischer Grünkohl bezeichnet. Dabei ist es jedoch möglich, dass es sich um eine Namensüberschneidung mit einem rotlaubigen Grünkohl handelt.

Im Saatguthandel war Sibirischer Kohl lange Zeit eine Rarität. Samen waren vorrangig über private Liebhaber oder Saatgutarchive erhältlich. Heute ist Saatgut des Sibirischer Kohls über verschiedenste Saatgutfirmen, vor allem aus der Bio-Züchtung, zu beziehen. Wir haben den Sibirischen Kohl seit mehr als 10 Jahren in Kultur und er hat seinen festen Platz bei uns im Gemüsegarten und in der Vermehrung.

Samen von Sibirischer Kohl / Russischer Roter / Red Russian Kale sind bei uns im Garten des Lebens Online-Shop für samenfestes Saatgut erhältlich >

Dieser Blogbeitrag erschien bereits 2017 und wurde 2025 von uns aktualisiert. (Anmerkung der Redaktion)

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