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Saatgutgewinnung bei Gurken

Im eigenen Garten Saatgut selbst gewinnen – am besten aus seinen Lieblingssorten – ist ein besonderes gärtnerisches Anliegen. Wer Gemüse für eigenes Saatgut anbauen möchte, muss jedoch ein paar Grundlagen beachten, die für eine erfolgreiche Samenernte zu berücksichtigen sind.

Dies betrifft z. B. die Bestäubungsbiologie zusammen mit der Zugehörigkeit zu Pflanzenfamilien, um Verkreuzungen zu vermeiden. Ebenso die notwendige Anzahl von Pflanzen für die Vermehrung, die Kulturdauer für das Bilden und Ausreifen der Samen sowie eine Selektion der besten Pflanzen. Saatgutreinigung, Trocknung und Lagerung müssen ebenfalls beachtet werden, um in den darauffolgenden Anbaujahren über keimfähiges Saatgut zu verfügen.

Grundsätzlich eignen sich nur samenfeste Gemüsesorten für die Saatgutvermehrung.

Vorteile der Saatgutvermehrung für den Eigenbedarf

  • Saatgut muss nicht regelmäßig neu gekauft werden
  • Bei den meisten Kulturen erntet man so viel Saatgut, dass man teilen und tauschen kann
  • Vermehrt man eine Sorte über einen längeren Zeitraum erhält man eine an den Standort angepasste Sorte
  • Die Vermehrung alter Sorten unterstützt die Erhaltung unserer Nutzpflanzenvielfalt


Kursangebote und Bücher

Um Enttäuschungen bei der Vermehrung zu vermeiden, macht es Sinn einen Kurs zu besuchen und/oder sich mit einschlägiger Literatur zu befassen.

In Süddeutschland veranstalten wir bei uns (Garten des Lebens) jedes Jahr einen Saatgutkurs „Samengärtnerei für den Hausgarten“.

Saatgutlehrgang – Samengärtnerei für den Hausgarten (Tagesseminare)
Details und Anmeldung >

Weitere Kursangebote gibt es über Arche Noah in Niederöstereich sowie über den VEN in Norddeutschland.

Im Buch von Annette Holländer „Mein Biogemüse-Garten – Das Standardwerk zu Anbau und Vermehrung samenfester Gemüsesorten“ werden innerhalb von ausführlichen Gemüseportraits auch die Vermehrungskriterien anschaulich dargelegt.

Zum Buch „Mein Biogemüse-Garten – Das Standardwerk zu Anbau und Vermehrung samenfester Gemüsesorten“ >

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Einfache Sorten für den Einstieg in die Saatgutgewinnung

Wer beginnen möchte Saatgut zu vermehren, kann mit einfachen Sorten einsteigen und erste Erfahrungen sammeln. Dazu gehören einige Selbstbefruchter, bei denen keine (bzw. nur eine sehr geringe) Verkreuzungsgefahr besteht wie beispielsweise Gartenbohnen und Tomaten. Gartenbohnen werden dabei wie für die Ernte von Trockenbohnen kultiviert. Etwa 10 – 15 Pflanzen einer Sorte sind für die Vermehrung ausreichend. Bei Tomaten reichen auch weniger Pflanzen und man kann von den reifen Speisetomaten vor dem Verzehr die Samen entnehmen. Die Samen ein bis zwei Tage zimmerwarm stehen lassen um die keimhemmende Schicht abzubauen, dann in einem Teesieb abspülen und abwaschen, danach zügig trocknen.

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Radieschen mit Blüte und Samenansatz

Bei Gemüse, das von Wind oder Insekten bestäubt wird, muss darauf geachtet werden, dass man nur eine Sorte blühen lässt, um Verkreuzungen zu vermeiden.

Viele Fremdbefruchter benötigen außerdem eine größere Anzahl von Pflanzen für die Vermehrung, sodass der Platzbedarf beachtet werden muss. Für den Einstieg eignen sich z. B. Gartenrauke oder Radieschen. Beide können ab dem Frühling einjährig kultiviert werden und auch für die benötigten 30 – 50 Samenträger findet sich im Hausgarten Platz. Dabei die schönsten und am spätesten schossenden Exemplare für die Vermehrung auswählen und blühen lassen. Werden die Samenrispen bräunlich und trocken am besten die ganze Pflanze aus dem Boden nehmen und z. B. in einem Gartenvlies oder altem Kissenbezug an einem trockenen Ort nachtrocknen lassen. Die Samen fallen dann oft schon von selbst aus. Ansonsten vorsichtig ausdreschen und die Samen vorsichtig ausblasen, um Pflanzenreste zu entfernen.

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Bei unseren Gemüseportraits mit Kulturanleitungen beschreiben wir auch die wichtigsten Kriterien, die für die Saatgutvermehrung zu beachten ist sind. Saisonal veröffentlichen wir verschiedene Gemüsesorten mit Kulturanleitung in der Blogkategorie Gemüseportraits.

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Tomaten lieben einen sonnigen, warmen und gleichzeitig luftigen Standort. Ursprünglich kommt die Tomate aus trockenen Küstenregionen Mittel- und Südamerikas, daher kann sie mit Hitze und Trockenheit wesentlich besser umgehen, als mit Nässe. In unseren Breiten ist es daher nicht immer einfach Tomaten im Freiland zu kultivieren.

Die Braunfäule an Tomaten
Die Kraut- und Braunfäule ist die häufigste Krankheit an Tomaten. Gerade in regenreichen Sommern kann die Braunfäule in kurzer Zeit ganze Tomatenbestände vernichten. Der Braunfäulepilz ist ein Algenpilz, der für seine Entwicklung Feuchtigkeit und Temperaturen um die 20 Grad benötigt. Im Freiland, wenn die Tomaten über längere Zeit der Feuchtigkeit ausgesetzt sind – dafür reicht manchmal auch schon reichliche Taubildung mit langsamem Abtrocknen der Pflanzen – findet der Pilz für seine Vermehrung ideale Bedingungen. Außer den Blättern werden auch die Früchte mit bräunlichen, später faulenden Stellen, befallen.

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Ampeltomate Pendulina

Welche Sorten anbauen?
Neben verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen wie luftiger und sonniger Stand, Mulchen und Vermeidung von Überdüngung und Übergießen der Pflanzen, spielt die Sortenauswahl eine entscheidende Rolle. Zum einen können frühe Sorten gewählt werden, die bereits vor dem Auftreten des Braunfäulepilzes erntereif sind. Andererseits gibt es eine Reihe robuster Sorten und Wildtomaten, die sich gegenüber der Braunfäule als sehr tolerant erwiesen haben.

Frühe Buschtomaten
Vertreter der frühen Buschtomaten sind unter anderem Ampeltomaten. Dazu gehören beispielsweise die Sub-Arctic-Typen wie Sub Arctic Plenty oder Sub Arctic Cherry, die für Gegenden mit kurzen Sommern gezüchtet wurden und relativ Kältetolerant sind. Sie haben eine kurze Vegetationsperiode, fruchten bald und das auch bei niedrigen Temperaturen. Es handelt sich dabei um kleinwüchsige buschige Pflanzen mit überhängendem Wuchs, die nicht ausgegeizt werden und Früchte in der Größe von Cocktail-Tomaten hervorbringen. Weitere Sorten frühreifender Ampeltomaten und gutem Geschmack sind Pendulina, eine gelbe runde Ampeltomate und die etwas kleinere, ovale Rosa Ampeltomate. Bei einer Voranzucht ab Ende Februar ist eine Ernte meist schon im Juni, weit vor dem Braunfäulebefall möglich.

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Buschtomate Podsneschnik

Einige Buschtomaten mit größeren Früchten fruchten ebenfalls sehr frühzeitig. Besonders aus Russland kommen verschiedene, empfehlenswerte Sorten. Hier lohnt es sich in Saatgutarchiven und bei privaten Anbietern zu stöbern.

Bei uns haben wir mit gutem Erfolg Podsneschnik (Schneeglöckchen) mit runden, roten, fleischigen und sehr schmackhaften Früchten kultiviert. Podsneschnik zeichnet sich dabei nicht mit einer generellen Frühzeitigkeit aus. Sie ist jedoch recht Kältetolerant und bei früher Anzucht fruchtet sie zeitig mit hohem Ertrag.

Eine weitere frühe Sorte ist die Stabtomate Quedlinburger Frühe Liebe, die meist ab Anfang Juli die ersten reifen Tomaten hervorbringt.

Durch den Anbau frühreifender Sorten entsteht auch ein insgesamt längerer Erntezeitraum zusammen mit den später reifenden Tomatensorten.

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Wildtomate Humboltii

Wildtomaten
Als sehr widerstandsfähig gegen die Braunfäule haben sich Wildtomaten erwiesen. Dazu gehören die kleinen Johannisbeertomaten, die als Naschtomaten sehr beliebt sind ebenso wie die Wildtomaten Rote Murmel und Golden Currant.

Eine sehr empfehlenswerte, etwas größer früchtige Wildtomate mit roten bis lachsfarbenen Früchten von bis zu 3 cm Durchmesser und bester Braunfäuletoleranz ist die Wildtomate Humboldtii. Die großen, buschigen Pflanzen bringen ab August eine reiche und gesunde Ernte bis zum Frost.

Alle Wildtomaten werden am besten ohne oder mit sehr wenig Ausgeizen am Spalier oder an Gerüsten gezogen. Als Stabtomaten und auch für das Gewächshaus sind sie auf Grund ihrer Wüchsigkeit und starken Verzweigung nicht geeignet (was aber auch nicht notwendig ist).

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De Berao rot

Robuste großfrüchtige Sorten
Am bekanntesten unter den großfrüchtigen und im Freiland widerstandsfähigen Sorten sind die De Berao Typen. Unter Selbstversorgern und selbst im Bio-Erwerbsanbau hat De Berao sich einen sicheren Platz erobert.

Durch Auslesen sind neben dem roten Typ De Berao rosa und De Berao braun sowie eine gerippte Form entstanden. Auch wenn nicht alle Typen dieselbe Robustheit geerbt haben, sind sie für den Freilandanbau in durchschnittlichen Sommern gut geeignet.

Fleischtomaten
Die meisten Fleischtomaten verfügen über eine eher niedrige Widerstandsfähigkeit gegen die Braunfäule und sind bei Feuchtigkeit und niedrigen Temperaturen anfällig für Platzer am Stielansatz. Ohne Überdachung oder einem gut durchlüfteten Gewächshaus wird der Anbau leicht zur Enttäuschung. Dies gilt für samenfeste Sorten in gleichem Maße wie für die meisten F1-Hybriden. Das Samenarchiv Gerhard Bohl hat einige Braunfäule resistente F1-Neuzüchtungen im Freilandanbau getestet. Jedoch setzte die Fruchtbildung und Reife meist so spät ein, dass man nur wenige Früchte ernten konnte [Quelle: „Die Braunfäule an Tomaten“, Abhandlung von Gerhard Bohl].

Eine sehr interessante samenfeste Sorte dagegen, die ebenfalls von Herrn Bohl im Test angebaut wurde, ist die Kartoffelblättrige Tiefgefurchte. Es handelt sich um eine Fleischtomate mit 400 – 800 g schweren Früchten, die in den meisten Sommern gut im Freiland gedeiht und einen guten Ertrag bringt.

Samen robuster, alter Tomatensorten kaufen
Einige der genannten Tomatensorten sind im Handel erhältlich. Der größere Teil ist über Saatgut-Archive und Erhalter zu beziehen. Die genannten Ampeltomaten, die Wildtomate Humboldtii, De Berao und einige andere robuste Tomatensorten sind über unseren Online-Shop erhältlich. 

Thematisch verwandter Beitrag mit weiteren Sortenempfehlungen vom August 2016:
Regensommer und die Braunfäule an Tomaten – Alte Tomatensorten können punkten >

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Aubergine Obsidian

Es ist wieder soweit – spätestens im Februar beginnt die Qual der Wahl: welche Sorten werden in diesem Jahr gesät? Wer sich über Gartencenter, Saatgutkataloge und Online-Shops versorgt steht vor einer großen Auswahl bunter Samentütchen. In den letzten Jahren wird dabei der Zusatz F1 bei den Sortenbezeichnungen immer häufiger. Die wenigsten wissen jedoch, was die Bezeichnung F1 und im Gegensatz dazu der Begriff Samenfest bedeutet.

Samenfeste Sorten sind nachbaufähig

Hier lohnt sich ein kleiner Rückblick in die Geschichte unserer Sämereien: samenfeste Sorten werden über Jahre auf bestimmte Eigenschaften durch Kreuzung und Selektion gezüchtet. Diese Eigenschaften können Farbe, Geschmack, Form, Resistenzen, etc. sein. Vermehrt man diese Sorten über ihr Saatgut, erhält man in den nächsten Generationen Pflanzen mit denselben Eigenschaften – dies nennt man samenfest, sortenrein und nachbaufähig. Bevor die moderne Pflanzenzüchtung an Bedeutung gewann, war dies der Weg, um Sorten zu züchten und weiter zu entwickeln.

F1 – Kreuzung in erster Generation
Bei F1 gekennzeichnetem Saatgut handelt es sich um Hybrid-Züchtungen, die nicht samenfest sind. F1 ist eine Kreuzung in erster Generation. D. h. es werden zwei Sorten gekreuzt und bei sortenreinen Eltern erhält man in dieser ersten Generation einheitliche Nachkommen. Vermehrt man diese Pflanzen weiter, tritt in der nächsten Generation – der F2 – die größtmögliche genetische Aufspaltung auf. D. h. die genetischen Eigenschaften der Kreuzungspartner treten in den Nachkommen in den verschiedensten Variationen zu Tage. Wenn wir also bspw. aus einer gelben, runden F1 Zucchini Saatgut gewinnen und wieder ansäen werden wir nur einen Teil oder u. U. gar keine Zucchini mit diesen gelben und gleichzeitig runden Eigenschaften erhalten.

Die moderne Pflanzenzüchtung
In der modernen Pflanzenzüchtung werden F1-Hybriden jedoch nicht nur durch einfache Kreuzung erzeugt. Oftmals werden in der Natur nicht vorkommende Inzuchtlinien erzwungen, um in der F1 gewünschte Eigenschaften hervorzubringen oder im Labor über die Verschmelzung artfremder Zellen und Zellkerne sogenannte CMS-Hybriden geschaffen. Letztere können in sich steril sein. [Quelle: www.saveourseeds.org/dossiers/cms-hybride.html]. Eine Vermehrung solcher Sorten ist entweder gar nicht möglich oder hat degenerierte Pflanzen zur Folge. Als Konsequenz hat Demeter bereits 2005 in seinen Richtlinien verfügt, dass CMS-Hybriden nicht mehr verwendet werden dürfen.

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Vielfalt im Gemüsebeet

Was bedeutet dies für den Eigenanbau?
Zugegebenermaßen bestechen die eine oder andere F1-Hybride durch ihre Eigenschaften. Will man diese Sorten jedoch langfristig kultivieren, ist man gezwunden jedes Jahr wieder neues Saatgut, das meist wesentlich teurer ist als von samenfesten Sorten, zu kaufen. Meist sind auch die Portionen in den Saatguttüten sehr klein, bei Tomaten bspw. oft nur 5 Korn.

Durch das große F1-Angebot werden traditionelle samenfeste Sorten verdrängt. Dabei geht ein großer Reichtum an Züchtungsarbeit und genetischer Ressourcen verloren. Für die Vielfalt auf unseren Gartenbeeten sind samenfeste Sorten die bessere Wahl.

 


Saatgut- und Pflanzguttausch haben eine lange Tradition
Über Selektion und Kreuzung wurden Jahrhunderte lang Nutzpflanzensorten in bäuerlichen Betrieben entwickelt, die durch Tausch weitergegeben wurden. Dadurch entstand eine riesige Vielfalt regionaler Sorten.

Im Zuge der Saatgutgesetzgebung und der damit zusammenhängenden Sortenzulassungen ist diese Tradition nur noch begrenzt erlaubt. Künftig könnten diese Regelungen sogar noch verschärft werden, sodass jedes Saat- und Pflanzgut erst amtlich zugelassen werden muss, um in irgendeiner Form weitergegeben werden zu dürfen.

art_samentuetchenDabei sind Kriterien für die Sortenzulassung beispielsweise Uniformität und Homogenität, was die alten Sorten oft nicht erfüllen können.  Ausprägungen auf Grund ihres Erbmaterials zeichnen alte Sorten aus, jedoch fallen sie damit für eine Sortenzulassung durch das Raster der homogenen modernen Industriesorten.

Wenn dieses Saatgut nicht mehr weitergegeben werden darf, wird automatisch auch der Anbau und die lebendige Weiterentwicklung der alten Sorten eingeschränkt. Es geht dadurch die genetische Vielfalt eines Jahrtausende alten Kulturerbes verloren. Dies wirkt sich nicht nur auf die Vielfalt in unseren Gärten, auf unseren Äckern und auf unseren Tellern aus.

Dieser Genpool ist gleichermaßen notwendig, um eine Nahrungsmittelversorgung auch unabhängig von der modernen Pflanzenzüchtung sicher zu stellen. Schließlich sind es die alten und samenfesten Nutzpflanzensorten, die sich an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen können.

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