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Kürbisrarität Galeux D’Eysines

Neu entdeckte alte Sorten
Wie jedes Jahr gibt es die eine oder andere neue Gemüserarität, die wir Ihnen vorstellen möchten.  Diesmal u. a. ein seltenes und fast vergessenes Kürbis-Kuriosum, den Maxima-Kürbis Galeux D’Eysines, der nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich eine Besonderheit darstellt. Mit zunehmender Reife bildet der Kürbis korkige Warzen aus.

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Pfirsichtomate Alberta Girl

Und die Pfirsichtomate Alberta Girl, die mit ihrem feinen Flaum auf Früchten und Blättern als Seltenheit im Tomaten-Sortiment gilt und sich mit ihrem feinen Tomatenaroma auch hinsichtlich des Geschmacks nicht verstecken muss.

Die beiden genannten Sorten und viele andere, die zum Teil bereits zu Kundenlieblingen geworden sind, bieten wir über den Garten des Lebens Online-Shop an. Bei all unseren Samenangeboten handelt es sich um samenfestes Saatgut.

Hierzu ein allgemeiner Hinweis: Nicht jedes Jahr können alle unsere Gemüsesorten angebaut und vermehrt werden. So legen immer wieder einige Sorten eine Anbaupause und damit verbunden auch eine Pause in der Verfügbarkeit von 1 bis 3 Jahren ein. Oft ist jedoch von solchen Sorten noch Restsaatgut übrig, das wir in kleinen Mengen abgeben können. Wenn Sie also Samen einer Sorte besonders vermissen, bitte nachfragen unter saatgut@garten-des-lebens.de und wir sehen was wir tun können.

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Als wir vor vielen Jahren in unserem ehemaligen Garten mit dem Gemüsegärtnern auf größerer Fläche begonnen haben, gab es die besten Voraussetzungen für gesundes Gemüse. Ein neuer Garten auf einem humosen Boden auf dem noch nie Gemüse angebaut worden war und auch in der nächsten Nachbarschaft keine Gemüsebeete. In den ersten Jahren trat, außer Schnecken und Wühlmäusen, so gut wie kein Schädlingsbefall auf. Während sich Schnecken und Wühlmäuse ganz gut regulierten, stellten sich im Laufe der Jahre die ersten Schädlinge wie Lauchminiermotte oder Gemüseeule ein. Durch ein breites Angebot an Blühpflanzen und Futterweiden für Nützlinge wie Insekten und Vögel, hielten sich die Schäden jedoch in Grenzen.

Gärten und ihre unterschiedlichen Voraussetzungen
In einem alten Bauerngarten, den wir zwischenzeitlich ebenfalls für zwei Jahre bewirtschafteten, stellte sich die Situation ganz anders dar. Mit einer angrenzenden Hühnerwiese, Laufenten und vielen Hofkatzen waren Schnecken und Mäuse kaum ein Thema. Dafür gab es die verschiedensten Gemüseschädlinge und Krankheitsbilder, die sich auf einer seit Jahrzehnten immer wieder mit denselben Gemüsearten bepflanzten Fläche angesiedelt hatten.

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Gemüse, Blumen und Kräuter in Mischkultur

Zum ersten Frust über befallene Pflanzen und Ernteausfälle war jedoch auch die Lust an der Herausforderung hinzugekommen. Neben verschiedenen Maßnahmen zur Pflanzenstärkung und Bodenverbesserung bereicherten wir der Garten mit verschiedensten neuen Pflanzenarten wie seltene Gemüse, Kräuter und Nützlingsweiden in Mischkultur. Ziel war es der natürlichen Tierwelt im Garten möglichst viel Lebensraum zu bieten und Nützlinge dauerhaft anzusiedeln.

Nützlingsinsekten im Garten ansiedeln
Um im Garten ein Gleichgewicht zwischen Schädlingsbefall und Nützlingen zu schaffen, ist es wichtig die Lebensbedingungen für die Nützlinge zu berücksichtigen. Dabei ist zu beachten, dass ein Großteil der Nützlingsinsekten oft im Larvenstadium Schädlinge fressen. So beispielsweise die Schwebfliege, deren Larven Unmengen von Blattläusen vertilgen (je Larve ca. 700 Läuse innerhalb von acht bis zehn Tagen). Die ausgewachsene Schwebfliege benötigt jedoch Nektar, vorzugsweise von Dolden- und Korbblütlern aber auch von Mohn, Borretsch oder Phacelia. Je mehr Nektar eine Schwebfliege vor der Paarung gesammelt hat, umso mehr Eier legt sie. Findet die Schwebfliege nicht genug Nahrung im Garten, wird sie schnell wieder verschwunden sein.

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Larve des asiatischen Marienkäfers auf von Läusen befallenen Puffbohnen

Ebenso benötigen Marienkäfer, die wie ihre Larven Läuse fressen, Blühpflanzen wenn nicht genug Läuse verfügbar sind. Außerdem fressen sie im Herbst große Mengen an Nektar und Pollen, um sich für die Überwinterung zu stärken.

Viele andere Insekten sind im Garten ebenfalls unsere Verbündeten. Dazu gehören auch Schlupfwespen, Florfliegen, Ohrwürmer, Raubwanzen und Laufkäfer. Leider werden sie aus Unkenntnis oft eher als Ungeziefer gesehen, denn als Nützling. Dabei fressen beispielsweise der Schwarze Moderkäfer und Larven der Laufkäfer gerne Schneckeneier und junge Schnecken.

Für eine dauerhafte Ansiedlung all dieser Tiere im Garten müssen neben dem passenden Nahrungsangebot auch Überwinterungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dies können umgedrehte Blumentöpfe, Totholzhaufen, Fassadenbegrünungen und vieles mehr sein. Da schadet ein bisschen „Unordnung“ in der einen oder anderen Gartenecke nicht, denn im exakt aufgeräumten Garten können unsere Gartenverbündeten nicht dauerhaft sesshaft werden.

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Die Steckrübe oder Kohlrübe war lange Zeit ein traditionelles Gemüse im nördlichen Europa, da sie in kühlem Klima gut gedeiht und über eine gute Lagerfähigkeit verfügt.

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Steckrübe (Bildquelle: Wikipedia Commons)

Nach dem sogenannten Steckrübenwinter 1916/1917, einem Nachkriegshunger- winter, in dem auch die für das Vieh angebauten Kohlrüben verzehrt wurden, war die Steckrübe als Arme-Leute-Essen nicht mehr in hohem Ansehen. Erst seit wenigen Jahren gewinnt die Steckrübe wieder an kulinarischer Bedeutung. Sie stellt in unseren Breiten ein gesundes regionales Lebensmittel dar, dessen Wert wieder erkannt wird.

Der VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt) hat die Steckrübe zum Gemüse des Jahres 2017/2018 gekürt. Neben einem informativen Faltblatt sind auf der Website des VEN Streckrübenrezepte und Geschichten zu finden. Wer sich im Anbau der einfach zu kultivierenden Steckrübe versuchen möchte, kann über das Erhalternetzwerk des VEN Saatgut alter Rübensorten beziehen.

Hier gehts zum Gemüse des Jahres >

 


Radieschen und Rettiche sind ideale Vor-, Zwischen- und Nachkulturen im Gemüsegarten. Schnell wachsende Sorten bereichern den Speiseplan im Frühling bereits etwa 4 Wochen nach der Aussaat und Herbstsorten sind bis in den Winter lagerfähig.

Radieschen und Rettiche sind außerdem ideal für unsere Klimazone, da sie nicht besonders kälteempfindlich sind. Auch ansonsten sind sie eher anspruchslos, lediglich mit zu frischem Mist oder unreifem Kompost gedüngter Boden und Staunässe werden nicht gut vertragen.

Alte Rettichzüchtungen und neue F1-Sorten
Aus alten deutschen Züchterhäusern, wie z. B. Hild, kommen verschiedene samenfeste und äußerst hochwertige Rettich- und Radieschensorten. Dennoch macht die F1-Hybridzüchtung auch vor Rettichen und Radieschen nicht halt. Obwohl die Hybridisierung von Saatgut mit großem Aufwand verbunden ist, wird sie auf immer mehr Pflanzenarten angewendet.

Wie bei Anja Banzhaf in ihrem Buch „Saatgut – wer die Saat hat, hat das Sagen“ nachzulesen ist, versprachen sich die Saatgutproduzenten bereits in der Anfangsphase der Hybridzüchtung ein lukratives Geschäft davon: „Zum ersten Mal wurden Samen aus einer Pflanze (damals Mais) gewonnen, die der Anbauer nicht wieder aussäen und dabei etwas ähnliches wie die Elternpflanze erwarten konnte. … Mit der Hybridzüchtung war ein Verfahren gefunden worden …. für das sich die kommerzielle Saatgutproduktion lohnte.“ Dies schlägt auch bei F1-Saatgut für den Hausgarten zu Buche: Die F1-Sorten sind meist doppelt so teuer wie die alten samenfesten Sorten. Und mögliche Unterschiede im Anbau, wie etwa die Gleichförmigkeit sind für den Hausgarten zu vernachlässigen. Und wie bei vielen alten Gemüsesorten können die älteren Züchtungen mit ihrem Geschmack überzeugen. Im Ertrag sind zwischen samenfesten Sorten und modernen Hybriden bei Radieschen und Rettichen außerdem kaum Unterschiede festzustellen.  .

Samenfeste Sortenauswahl: Radieschen und Rettiche von Frühling bis Herbst
Wesentlich ausschlaggebender für den Ernteerfolg ist die Berücksichtigung der Sorten nach Jahreszeit. So gibt es Frühlings-, Sommer- und Herbstsorten sowie lagerfähige Rettiche für Genuss und Vitamine im Winter.

Frühe Sorten für den ersten Anbau sind
z. B. Radieschen Saxa und Marika für den Anbau unter Glas und Riesenbutter für erste Freilandsaaten. Die meisten Frühlingssorten lassen sich auch für die Herbsternte ab Mitte August nochmal säen. Ebenfalls für Frühlings- und Herbstkultur geeignet, ist der weiße „Minirettich“ Eiszapfen.

Einige wenige Radieschensorten können ganzjährig angebaut werden, ohne früh zu schossen oder pelzig zu werden. Dazu gehören beispielsweise Sora oder French Breakfast, letzteres ist ein hübsches längliches Radis mit weißer Spitze. Im Herbst lassen sich mit dem schnell wachsenden French Breakfast noch späte Kulturen erzielen. Außerdem ist Riesen von Aspern, eine alte Wiener Sorte von beachtlicher Größe, ideal für den ganzjährigen Anbau. Für eine späte Aussaat im geschützten Anbau ist die seltene Sorte Wira geeignet.

Unter den Rettichen ist die frühe und schnell wachsende Sorte Fridolin zu empfehlen, ein weißer Rettich der schon nach 6 bis 8 Wochen erntefertig ist. Ebenso der rosafarbene Ostergruß, der als Bundrettich geerntet wird. Rettichsorten für die Herbsternte mit Anbau etwa Ende Juli sind Blauer Herbst und Winter, ein violettschaliger und lagerfähiger Herbstrettich oder Read Meat ein milder weißer Rettich mit rosafarbenem Herz. Ebenfalls ein Herbstrettich mit ausgeprägter Lagerfähigkeit ist Runder schwarzer Winter, der auch als Siruprettich bei Erkältungen verwendet wird.

Die genannten Sortenempfehlungen sind nur ein Ausschnitt aus der (leider teilweise ehemaligen) Sortenvielfalt an Radieschen und Rettichen. Wer im Lexikon der alten Gemüsesorten schmökert wird noch die eine oder andere interessante Sorte finden, die auch im Handel oder über Saatgutarchive noch erhältlich ist.

Einige der genannten Radieschen- und Rettichsorten bieten wir im Wiederverkauf aus dem Sortiment von Sativa Biosaatgut in Zusammenarbeit mit der Erhalterorganisation ProSpecieRara im Garten des Lebens Online-Shop an. Bei allen angebotenen Sorten handelt es sich um samenfestes Saatgut.

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„Wer die Saat hat, hat das Sagen“ – ein alter Spruch, der heute jedoch eine ganz neue Bedeutung gewinnt. Im Angesicht weniger multinationaler Saatgutkonzerne, die mit Hybridsaatgut, gentechnisch manipulierten Pflanzen und Patenten auf Leben versuchen weltweite Monopole zu schaffen und die bäuerlichen Erzeuger unserer Nahrungsmittel zu kontrollieren und in Abhängigkeit zu bringen.

Das Buch von Anja Banzhaf „Saatgut – Wer die Saat hat, hat das Sagen“ veranschaulicht Hintergründe und Entwicklungen in der Saatgutzüchtung und auf dem Saatgutmarkt spannender als jeder Krimi.

buch-saatgut-sagen„Gleichzeitig gelingt es Anja Banzhaf mit praktischen Beispielen, so viel Freude am Tun zu vermitteln, dass ich am liebsten gleich morgen beginnen würde, mit eigenem Saatgut zu experimentieren! Ergänzt wird das ausgesprochen informative, zugleich aber auch erschütternde und ermutigende Buch durch ein Personenverzeichnis, Adressen von Initiativen und Projekten sowie umfangreiche Literaturhinweise.“
Oya No. 38, Elisabeth Voß.

272 Seiten, oekom verlag München
ISBN-13: 978-3-86581-781-5