Das Jahr ist noch nicht vorbei und wir stecken noch mit vollen Händen in der Saatgutreinigung der diesjährigen Samenernte. Dennoch werden parallel schon die Termine für die Seminare 2015 geplant.

Die Termine für unseren Saatgutlehrgang (Samenbau und Saatgutgewinnung) und für die beliebten Raritätennachmittage stehen bereits fest:

art_seminare2015Samengärtnerei für den Hausgarten >
Samstag 13. Juni 2015
Samstag, 18. Juli 2015
Samstag, 12. September 2015

Nachmittag der Gemüseraritäten >
Sonntag, 21. Juni 2015
Sonntag, 27. September 2015

 

 

Ganz besonders freuen wir uns, wieder Kurse zu alten Gemüsesorten, Samenbau und Saatgutgewinnung auch bei unseren Freunden und Partnern veranstalten zu dürfen:

Seminar „Grundlagen Samengärtnerei – Vielfalt erhalten und vermehren“
am 4. Juli 2015 im Mienbacher Waldgarten
(Niederbayern, Landau an der Isar).

Workshop „Vielfalt im Nutzgarten erhalten und vermehren
am 19. September 2015 in der Erpfenzeller Gartenwerkstatt.
(Niederbayern, Falkenstein / Straubing)

Weitere Termine werden in Kürze im Seminarprogramm veröffentlicht.

 


Am letzten Samstag fand wieder ein Modul unseres Saatgutlehrgangs „Samengärtnerei für den Hausgarten“ statt. Behandelt wurden die Geschichte unserer Nutzpflanzen von der Entstehung bis zu moderner Hybridzüchtung und Saatgutgesetzgebung, der Samenbau verschiedener Vermehrungskulturen und die praktische Saatgutreinigung anhand trockener Samenstände von Kohlgewächsen.

Ein Teilnehmerin hat auf ihrer Website einen tollen Blogbeitrag dazu verfasst, für den wir uns sehr bedanken: „Samengärtnerei im Garten des Lebens“. Auch unabhängig vom Beitrag über unser Seminar ist „Traum Selbstversorger“ eine schöne Seite zum Thema Selbstversorgung und wie man damit anfangen kann. Durch den angenehmen und teils humorvollen Schreibstil der Autorin Kirsten Loesch wird das Lesen zum Genuss!

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Das nächste Modul unseres Saatgutlehrgangs findet am 6. September 2014 mit Schwerpunkt Tomaten, Paprika und Bohnen, Überwinterungskulturen und Selektion statt. Ein Einstieg in die Seminarreihe ist jederzeit möglich und kann im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Wer in das Thema Vermehrung und Erhaltung von Nutzpflanzen gerne erst mal hineinschnuppern möchte, kann das Halbtagesseminar „Vielfalt im Nutzgarten erhalten und vermehren“ am 12. September 2014 im Ökologisches Bildungszentrum München besuchen.

Fragen und Anmeldungen bitte an seminare@garten-des-lebens.de
oder telefonisch unter 08093 905 75 60.

 


Der blühende Gemüsegarten – das hört sich erst mal wie ein Widerspruch an. Schließlich soll ja Gemüse geerntet werden, und das meist in Form von Blättern, Wurzeln und Knollen.

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Blühender Gemüsegarten

 

 

 

Der Gemüsegarten, in dem das eine oder andere Gemüse auch für die Saatgutgewinnung kultiviert und das Erntegemüse mit essbaren Blüten und Kräutern kombiniert wird, erfreut uns dagegen mit einer herrlicher Blütenpracht.

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Blühender Kohl

Saatgutgewinnung im Gemüsegarten
Im Frühling blühen als erstes zweijährige Vermehrungskulturen wie Kohlgewächse und verschiedene Wurzelgemüse.

Besonders imposant sind dabei die großen gelben Blütenwolken verschiedener Kopf- und Palmkohle, die auch bei Insekten sehr beliebt sind und eine besondere Bienenweide darstellen.

Etwas unauffälliger, aber nicht weniger schön, geben sich einige andere Kreuzblütler wie Garten- und Knoblauchrauke oder auch der Feldsalat, der den frühsommerlichen Garten mit einem feinen weißen Blütenflor überzieht. Dazu ein Tipp: Wenn die Samen des Feldsalats auszureifen beginnen, die Pflanzen ausreißen und als Mulch zwischen anderen Kulturen verwenden. Im Herbst keimt dann an diesen Stellen wieder Feldsalat und muss nur noch etwas ausgedünnt werden.

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Blühende Schwarzwurzel

Auch Schwarz- und Haferwurzel geben mit ihren schönen Blüten in gelb und violett kontrastreiche Farbtupfer im Gemüsebeet.

Ebenso wunderschön sind die großen Blütenkugeln vieler Zwiebelgewächse.

Karotten und vor allem Pastinaken wachsen mit ihren Blütenständen zu sehr beeindruckenden Pflanzen heran, wobei hier der Platzbedarf zu berücksichtigen ist und sie daher in Blüte nicht für jeden Garten geeignet sind.

Essbare Blüten
Viele blühende Gemüse können gleichzeitig als essbare Blüten verwendet werden. So bereichern z. B. die Blüten von Rapunzel, Winterportulak und Schnittlauch unseren Salat durch Farbe und Aroma.

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Blühender Feldsalat

Werden zwischen die Gemüsekulturen noch weitere essbare Blüten und blühende Kräuter gepflanzt, verwandelt sich der Gemüsegarten in eine essbare Blühlandschaft.

Besonders geeignet sind Ringelblumen, die auch die Bodengesundheit unterstützen sowie bspw. Borretsch, Goldmelisse, Kapuzinerkresse, Sonnenblume und Königskerze, die auch wichtige Futterpflanzen für Insekten und Vögel darstellen.

Wie ein Besucher unseres Gartens letzten Sommer sagte: „Man denkt, man kommt in einen Blumengarten – doch wenn man genau hin sieht wächst überall Gemüse…“

 


2014 veranstalten wir wieder unsere Saatgutkurse „Samengärtnerei im Hausgarten“, diesmal mit einem dritten neuen Modul. Folgend die aktuellen Termine mit Schwerpunktthemen:

Samstag, 24. Mai 2014, 10:00 – 17:30 Uhr
Salat, Gänsefuß- und Zwiebelgewächse, vegetative Vermehrung

Samstag, 12. Juli 2014, 10:00 – 17:30 Uhr
Kohl- und Kürbisgewächse, Erbsen, Saatguternte

Samstag, 6. September 2014, 10:00 – 17:30 Uhr
Tomaten, Paprika und Bohnen, Überwinterungskulturen, Selektion

Programmdetails und Anmeldung >
Weitere Informationen zu Samengärtnerei >

Wer sich zuerst einen Überblick über das Thema Samengärtnerei und alte Gemüsesorten verschaffen willl, ist herzlich zu unserem Vortrag „Samengärtnerei in der Permakultur“ mit anschließendem Saatguttausch eingeladen.

Weitere Informationen und Anmeldung >

 


verkreuzung-bohnen-kipflerJe nach Klimaregion und Witterung werden jetzt noch die letzten Trockenbohnen für Verzehr und / oder für die Saatgutgewinnung aus dem Garten geholt, nachgetrocknet und enthülst. Was für den Verzehr keine Rolle spielt, ist für die Vermehrung umso wichtiger: die Ernte von sortenreinem Saatgut.

Botanische Zuordnung und Bestäubungsbiologie
Zur Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) gehören sowohl die Busch- (var. nanus) als auch die Stangenbohnen (var. vulgaris). Bei Gartenbohnen ist die Gefahr einer Verkreuzung – also Saatgut, das aus zwei verschiedenen Bohnensorten hervorgegangen ist – eher selten, da Gartenbohnen Selbstbefruchter sind und die Befruchtung bereits in der geschlossenen Blüte erfolgt.

Dennoch kommen immer wieder Verkreuzungen und Sortenabweichungen bei Gartenbohnen vor. Vereinzelt auftretende Fremdbefruchtungen werden von Hummeln oder Wildbienen hervorgerufen, indem sie die Blütenknospen aufbeißen und bis zum Griffel vordringen. (Ein reichhaltiges anderweitiges Blühangebot für Hummeln und Bienen wirkt dem entgegen.)

Aussortieren von verkreuzten Bohnensamen
Hat eine Fremdbefruchtung und somit eine Verkreuzung stattgefunden, ist dies im selben Jahr der Körnerernte sichtbar und verkreuztes Saatgut kann aussortiert werden. Dies bestätigen u. a. Berichte von Dreschflegel „… Einkreuzungen unterschiedlich gefärbter Bohnen sind an der Samenfarbe im Nachbau gut sichtbar und können leicht aussortiert werden …“, ebenso wie verschiedene Vermehrer, die in Internetforen dazu Stellung nehmen: „… Wenn eine Bohne verkreuzt und nicht mehr sortenrein ist erkennt man das schon im 1. Jahr des Anbaus, die Kerne sehen anders aus (Farbe, Form), so kann man die gleich aussortieren …“ / „… ob eine Kreuzung statt gefunden hat, da es sofort am Bohnenkern erkenntlich ist …“.

So ist zumindest bei verschiedenfarbigen Bohnen das Aussortieren der verkreuzten Kerne einfach möglich und das restliche Saatgut bleibt durchaus sortenrein erhalten – was auch meiner Erfahrung entspricht. Auch bei uns traten in seltenen Fällen bei nah zusammen angebauten Sorten Verkreuzungen auf, jedoch selbst bei ähnlich aussehenden Sorten ist die Einkreuzung in der Regel gut ersichtlich:

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Einkreuzung mit Feuerbohnen

Eine Ausnahme bildet die Feuerbohne, auch Prunk- oder Käferbohne genannt (Phaseolus coccineus). Bei ihr handelt sich um einen Fremdbefruchter und Verkreuzungen zwischen verschiedenen Sorten können nur über einen ausreichenden Pflanzabstand / Isolierung vermieden werden. Darüber hinaus kann die Feuerbohne, obwohl sie zu einer anderen Art gehört, zu Einkreuzungen bei der Gartenbohne führen.

verkreuzung-bohnen-feuerbohIm Handbuch der Samengärtnerei ist dazu folgendes zu finden: „… Verkreuzungen zwischen Feuerbohnen als männlichem Partner und Gartenbohnen als weiblichem Partner sollen in seltenen Fällen möglich sein. Für die Feuerbohnen besteht durch Gartenbohnen also keine Verkreuzungsgefahr, aber umgekehrt …“ Im Falle einer Verkreuzung gilt es auch hier das eingekreuzte Saatgut auszusortieren.

Sortenabweichungen und Aufspaltung
Unabhängig von den beschriebenen Einkreuzungen treten bei Gartenbohnen offenbar spontane Sortenabweichungen auf. Kerne aus demselben Saatgut haben in der nächsten Generation eine andere Farbe oder eine Stangenbohne wird plötzlich zur Buschbohne, obwohl kein Verkreuzungspartner zu Verfügung stand.

Gerhard Bohl, der ein Samenarchiv mit hunderten von Bohnensorten betreibt, bestätigt diese Beobachtung in seiner Beschreibung verschiedener Bohnensorten:

„… Ganz selten kommt es vor, dass Gartenbohnen aufspalten … erhielten wir von mehreren Vermehrern einen Typ von ‚Gelbe aus Siebenbürgen‘ mit rein weißen (statt graubraunen) und auch etwas kleineren Samen….“
„…  Eine Form, die bei … aufgetaucht ist. Die etwas nierenförmigen Samen haben eine graublaue (selten) oder braune (häufiger) Grundfarbe mit dunklen Streifen wie eine Wachtelbohne. Teilweise zeigen sich auch cremefarbene Aufhellungen. Offenbar spalten die Pflanzen auf …“
„… Diese Form spaltet offenbar – bei identischem Korn – in eine kletternde und eine buschige Form auf. Daher finden Sie die schöne ‚Graurosa aus Budapest‘ auch unter den Buschbohnen …“

Bedenkt man die unglaubliche Vielzahl an Bohnensorten weltweit, liegt die Möglichkeit einer Aufspaltung eigentlich nahe. Wie sollten ansonsten im Laufe der Zeit bei Selbstbefruchtern tausende von unterschiedlichen Sorten entstanden sein?

Unter Umständen mag eine Verkreuzung oder Aufspaltung auf den ersten Blick ärgerlich erscheinen. Anderseits können dadurch neue Formen und Farben entstehen, die oft wunderschön sind. Mit etwas Geduld kann man daraus sogar eine eigene stabile Haussorte vermehren.

Ich freue mich über jeden Beitrag mit Erfahrungsberichten zu diesem Thema!