Seit 1998 lobt der VEN (Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt) ein „Gemüse des Jahres“ aus.  Ziel ist es –  neben der Informationsarbeit zu Nutzungs- und Kulturgeschichte und zu botanischen und sortenkundlichen Merkmalen – alte, im Handel nicht mehr erhältliche Sorten aufzuspüren und wieder in die Vermehrungsarbeit zu bringen. Für das kommende Jahr 2013/2014 fiel die Wahl für das Gemüse des Jahres auf die Zwiebel.

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Küchenzwiebeln

Als eine der ältesten Kulturpflanzen wird die Zwiebel schon seit mehr als 5000 Jahren als Heil-, Gewürz- und Gemüse- pflanze angebaut.

Dabei ging die Bedeutung der Zwiebel in einigen Kulturen über die Nutzung als Lebensmittel hinaus. Bei den alten Ägyptern wurden Zwiebeln den Göttern als Opfergabe angeboten, sie waren eine Art Zahlungsmittel und wurden den Toten für die Reise ins Jenseits beigelegt.

Auch bei den Römern zählten Zwiebeln zu den Grundnahrungsmitteln und durch römische Legionäre wurde die Zwiebel „cepula“ in Mitteleuropa eingeführt, wo sie sich zu einer der bedeutendsten Gemüsearten entwickelte.

Zwiebelgewächse (Alliacea)
Die wichtigste Gattung der Zwiebelgewächse ist Allium wozu u.a. die Küchenzwiebel, Lauch und Knoblauch gehören. In der Küche ist die Zwiebel als Gewürz und Gemüse geradezu unabkömmlich.

Überblick über die artenreiche Allium-Familie:

  • Küchen- und Speisezwiebel (cepa L.)
  • Familienzwiebel, Schalotte und Kartoffelzwiebel (var. ascolonicum / var. aggregtum)
  • Etagenzwiebel, Luftzwiebel, Johanniszwiebel (x proliferum)
  • Winterheckenzwiebel, Stängelzwiebel, Lauchzwiebel (fistolosum)
  • Lauch/Porree, Perlzwiebel (ampeloprasum)
  • Schnittlauch (schoenoprasum)
  • Knoblauch (sativum)
  • Knolau, Schnittknoblauch, Chinesischer Knoblauch (ramosum L., tuberosum)
  • Bärlauch (ursinum)


Die botanische Sortenzugehörigkeit ist wichtig, wenn man Zwiebeln vermehren möchte. Zwiebeln sind nämlich strenge Fremdbefruchter und Vertreter der selben Art verkreuzen sich untereinander. Die schönen Blüten der Zwiebelgewächse ziehen viele Insekten an, die die Bestäubung übernehmen.

Vermehrung über Samen
Küchenzwiebeln, Lauch und Porree lassen sich nur über Samen vermehren. Dabei ist zu beachten, dass Zwiebeln zweijährig zu vermehren sind. Im ersten Jahr bilden sie Steckzwiebeln bzw. Speiselauch/Lauchzwiebeln aus, die überwintert werden und im Folgejahr zur Blüte kommen. Für die Vermehrung benötigt man ca. 20 schöne, spätschossende Exemplare.

Vegetative Vermehrung
Einige Zwiebelgewächse können über Samen und vegetativ vermehrt werden, bzw. entwickeln einige Arten keine Blüten und werden nur über Brutknöllchen oder Teilzwiebeln/Zehen vermehrt. Dazu gehören z. b. Etagenzwiebeln, Schalotten und Knoblauch.

Schnittlauch und Winterheckenzwiebel können neben Samen auch über die Teilung der Stöcke vermehrt werden.

Wer sich intensiver mit der Vermehrung von Zwiebelgewächsen befassen will, findet im Handbuch der Samengärtnerei von Andrea Heistinger, vorgestellt in unserem Artikel Samengärtnerei im Hausgarten, ein ausführliches Kapitel dazu.

 


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Pilzmyzel von Austernpilzen

Am 28. Mai 2013 hielten wir unseren Workshop “Pilzkulturen im Garten“ ab. Es war ein richtiger Glückstermin, denn das Wetter hat gepasst (der einzige schöne Tag der Woche) und bescherte uns und den Teilnehmern schöne und sonnige Stunden.

Auf dem Programm stand der Aufbau von Pilzkulturen auf Holzstämmen. Pilzmyzel stand von Austernpilzen und Shiitake zur Verfügung.

Neben der Anzucht auf Holz wurde auch besprochen wie Strohballen als Substrat zu verwenden sind und Pilzmyzel mittels Holzdübel selbst vermehrt werden kann.

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Es werden Kerben in die Stämme gesägt

Pilzkulturen auf Holz anlegen
Im ersten Arbeitsschritt wurde eine Salweide gefällt und auf Stammstücke mit einer Länge von ca. 120 cm zugeschnitten. Ein Teilnehmer hatte außerdem frisch geschnittene Hainbuchenstämme mit einer Länge von ca. 100 cm mitgebracht. Ganz große Klasse und vielen Dank!

Mit der Motorsäge wurden jeweils 2 – 3 Kerben in die Holzstämme geschnitten, um das Holz mit dem Pilzmyzel zu beimpfen. Mit Hilfe von Holzstäbchen wurde das Myzel dann fein säuberlich und ohne Zwischenräume in die Kerben eingearbeitet und danach mit Klebeband verschlossen. Letzteres dient als Schutz vor Schimmelbefall und Austrocknung sowie gegen Fraßschäden.

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Die Kerben werden mit Myzel befüllt

Welches Holz ist geeignet?
Für das Beimpfen mit Pilzmyzel dürfen nur frische Holzstämme verwendet werden, damit keine anderen Pilze bereits im Holz aktiv sind. Nur so kann das Pilzmyzel den Holzstamm gut durchwachsen. Es eignet sich am besten Laubholz wie Weide, Erle, Birke, Pappel und Buche.

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Impfstellen mit Folie umwickelt

Jetzt braucht es Geduld
Die beimpften Pilzstämme werden an einem geschützten, schattigen Standort auf den Boden gelegt, mit den beimpften Stellen in direkten Erdkontakt. Bei gleichmäßiger Feuchtigkeit (die Stämme sollen nicht austrocknen) und bei Durchschnittstemperaturen um die 18 Grad, werden die Holzstämme innerhalb von 3-4 Monaten von dem Pilzmyzel durchwachsen.

Wenn die Stämme durchwachsen sind, wird die Folie abgenommen, die Stämme werden gewässert und an einem vor Schnecken sicherem Ort aufgestellt.

Erste Ernte im Herbst
Die erste Ernte kann je nach Pilzart noch im selben Jahr erfolgen. So sollten die Austernpilze noch in diesem Herbst für feine Pilzmahlzeiten sorgen!

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Austernpilzkultur

Und so sieht die gelungene Austernpilzkultur dann aus!

Weitere gemeinsame Workshops zur Pilzkultur in Haus und Garten sind in Planung.

Anfragen und Voranmeldung bitte an seminare@garten-des-lebens.de.

 

 


Auf Grund des großen Interesses an der Gartenmelde stellen wir nun neben unserem Artikel „Gartenspinat und Gartenmelde“ mit allgemeinen Informationen und Rezepten nun auch eine Kulturanleitung für die Gartenmelde ein.

Arche Noah hat die Gartenmelde übrigens mit 18 verschiedenen Sorten im Vergleichsanbau kultiviert sowie Keimtests und Verkostungen durchgeführt. Die Ergebnisse sind im Arche Noah Magazin vom Juli 2012 beschrieben. Die Ausgabe steht auf der Arche Noah Website als PDF zur Verfügung.

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Samenstand der Gartenmelde Opera

Die Gartenmelde ist eine historische Spinatpflanze, die es in verschiedenfarbigen Sorten, von hellgrün über rot bis tief violett-braun gibt. Sorten im Handel sind bspw. die rote Gartenmelde Vollrot oder die grünen Sorten Gartenmelde Mondseer und Berndorfer. Weitere Sorten sind über Saatgutarchive und private Erhalter erhältlich.

Anbau:
Melden können ab April in Reihen oder einzeln zwischen anderen Kulturen direkt im Freiland gesät werden. Die einjährigen Pflanzen sind anspruchslos und leicht zu kultivieren, brauchen jedoch volle Sonne. Lässt man die Pflanzen blühen und die Samenstände ausreifen säen sie sich bereitwillig selbst aus.

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Grüne Gartenmelde

Wuchsform:
Hochwachsend, viele Sorten werden mit Samenstand über zwei Meter. Zur Beerntung regelmäßig schneiden, es wachsen dann wieder junge Blätter nach.

Vermehrung:
Melden sind Fremdbestäuber und werden durch den Wind bestäubt. Die verschiedenen Meldesorten verkreuzen sich untereinander. Daher immer nur eine Sorte blühen lassen. Auch bei sortenreiner Vermehrung kann es immer wieder zu „Aussreißern“ kommen, die man entfernen sollte. Wird die Pflanze nicht geschnitten bildet sie bis zum Herbst hohe Samenstände mit vielen Samen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Blütentypen: Die vertikalen Blüten sind von zwei Vorblättern umschlossen, der horizontale Blütentyp bildet keine Hüllblätter aus. Die Samen können schwarz oder hellbraun sein. Tests haben gezeigt, dass die hellen Samen schnell keimen wogegen die schwarzen Samen lange im Boden verbleiben können. Sie keimen teilweise erst nach Jahren, wenn sich die passenden Bedingungen ergeben und im Garten erscheinen plötzlich Pflänzchen mit denen man gar nicht mehr gerechnet hat.

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Rote Gartenmelde

Verwendung:
Ernte der jungen Blätter am besten vor der Blüte (danach werden die Blätter leicht bitter). Verwendung wie Spinat, für Strudel- und Brotfüllungen oder als Salatbeigabe. Das farbenfrohe Gemüse eignet sich auch gut zur Dekoration z. B. für Büfetts. Rotlaubige Sorten können zum Färben anderer Speisen verwendet werden.

Geschichte:
Melden sind alte Gemüsepflanzen mit weltweiter Verbreitung. Die Kulturform der Gartenmelde kam vermutlich mit den Römern nach Mitteleuropa. Wie andere historische Gemüsepflanzen geriet die Melde mit der Einführung von Kulturpflanzen aus anderen Teilen der Welt immer mehr in Vergessenheit. Vor allem der Spinat hat die Melde weitest gehend ersetzt. VEN (Verein zur Erhaltung der Nutpflanzenvielfalt) ernannte die Melde zum Gemüse des Jahres 2000.

 


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Brokkoli Purple Sprouting

Brokkoli Purple Sprouting (Brassica oleracea var. italica) ist ein Winterbrokkoli und dürfte das erste Gemüse sein, das wir neben Wintersalaten im Frühling ernten können. Im Juni bis Mitte Juli gesät, überwintern die Pflanzen ohne im Sommer noch Knospen zu entwickeln und es treiben mit den ersten warmen Tagen die Brokkoli-Röschen. Je nach Temperatur kann ab März, spätestens im April geerntet werden. In milden Wintern ist sogar eine Winterernte möglich.

Purple Sprouting entwickelt nur eine kleine zentrale Brokkoli-Rose, dafür aber viele Seitentriebe mit kleinen Röschen von wunderbar zartem und delikatem Geschmack. Die rötliche bis violette Färbung ist zudem eine besondere Zierde im Gemüsebeet.

Anbau:
Aussaat im Juni/Juli für die Überwinterung im Freiland oder kaltem Gewächshaus. Purple Sprouting ist frosthart, wobei im Freien vor Kahlfrost geschützt werden muss. Im zeitigen Frühjahr treiben die Brokkoli-Röschen. Die Kultur im Kaltgewächshaus bringt dabei einen zeitlichen Vorsprung. Kohl ist ein Starkzehrer und benötigt Düngergaben am besten in Form von Mistkompost im vorbereiteten Beet.

Wuchsform:
Bildet lockere Pflanzen mit vielen bleistiftstarken Seitentrieben und kleinen Röschen.

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Brokkoli Purple Sprouting Seitentriebe

Vermehrung:
Kohl ist ein Fremdbefruchter und wird über Insekten bestäubt. Verschiedene Kohlsorten wie Weißkohl, Brokkoli, Blaukraut, Wirsing, … (Brassica oleracea) verkreuzen sich. Daher für die Vermehrung nur eine Kohlsorte überwintern. Die Pflanzen blühen im Frühling wunderschön gelb und dienen auch als Bienenweide.

Für die Vermehrung von Kohl sollte ein großer Pflanzenbestand von mindestens 20 Pflanzen angebaut werden. Selektiert werden kann z. B. auf die violette Färbung oder starke Mittelrosen. Dabei wird das Saatgut nur von den besten Pflanzen genommen. Die anderen Pflanzen dienen zur Bestäubung und können auch teilweise beerntet werden.

Verwendung:
Brokkoli Purple Sprouting wird wie Brokkoli zubereitet, wobei Stiele und kleine Blätter mit verzehrt werden. Da Purple Sprouting sehr zart ist, bietet sich das Garen der ganzen Triebe über Dampf an. Lauwarm mit Vinaigrette angemacht – ein kulinarisches Erlebnis.

Geschichte:
Brokkoli Purple Sprouting wurde ursprünglich von den Römern kultiviert und wird in Großbritannien seit dem frühen 18. Jahrhundert angebaut. Dort ist es auch heute noch ein relativ bekanntes Gemüse und vor allem für Hobbygärtner und Selbstversorger interessant – bei uns hingegen so gut wie unbekannt. In Italien werden ähnliche Brokkoli-Arten, wie z. b. Broccoletto kultiviert, wobei diese zur Brassica rapa Familie gehören.

 


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Cherokee Trail of Tears

Cherokee Trail of Tears ist eine Stangen- bzw. Reiserbohne aus der Familie der Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris), mit einer Verwendung als Fisole (d. h. der jungen Hülsen) und getrocknet als Körnerbohne.

Die Pflanzen sind sehr dekorativ und daher auch für Zaunbegrünungen geeignet. Die leicht gebogenen Hülsen sind zunächst dunkelgrün, verfärben sich aber bei Sonneneinstrahlung zunehmend dunkelviolett. Das Korn ist glänzend und tief blauschwarz. Mit im Verhältnis eher kleineren Blättern und wenig üppigem Blattwuchs, eignet sie sich auch gut als Maisbohne. Insgesamt eine robuste, wenig anspruchsvolle und früh reifende Sorte. Letzteres ist auch für die Vermehrung oder die Gewinnung als Trockenbohne von Vorteil, da die Bohnen auch bei schlechter Witterung gut ausreifen.

Anbau:
Aussaat in Töpfchen unter Glas Anfang Mai oder nach den letzten Frösten Mitte Mai direkt ins Freiland. Bohnen bevorzugen sonnige Lagen mit lockerem Erdreich. Der Boden darf nicht mit frischem Mist gedüngt sein, daher am besten mit Kompost vorbereiten. Die Bohnen je Bohnenstange in Gruppen von 5 – 6 Körnern säen. Mulchen und bei Trockenheit regelmäßig gießen.

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Pflanzung als Maisbohne

Bei Pflanzung als Maisbohne je eine Bohne zu einer Maispflanze pflanzen. Der Mais sollte schon etwas Vorsprung im Wachstum haben und muss in größeren Abständen als ohne Bohnen gepflanzt werden, da die Bohnen ihn sonst überwuchern. Bohnen gehören zu den Leguminosen und geben über ihre Wurzeln Stickstoff in den Boden. Davon profitiert der Mais als Starkzehrer.

Wuchsform
Höhe bis ca. 1,80 Meter, sodass Cherokee Trail of Tears auch noch zu den Reiserbohnen gezählt werden kann.

Vermehrung:
Gartenbohnen sind strenge Selbstbefruchter. Die Befruchtung findet in der geschlossenen Blüte statt. Daher können verschiedene Sorten (auch Buschbohnen, die ebenfalls zu den Gartenbohnen zählen) zusammen angebaut werden. In seltenen Fällen kommt es zu Verkreuzungen durch Hummeln, die die Blüten aufbeißen und darüber die Pflanzen befruchten. Verkreuzungen sind jedoch an Farbe, Zeichnung und Form der Bohnenkerne leicht zu erkennen und können aussortiert werden. Für die Vermehrung die frühesten Hülsen ausreifen lassen. Bohnenkörner sind 3 – 4 Jahre keimfähig.

Feuerbohnen oder Prunkbohnen (Phaseolus coccineus) gehören nicht zu den Gartenbohnen und verkreuzen sich untereinander.

Verwendung: 
Junge Hülsen schmecken gut als grüne Bohnen. Die getrockneten Bohnenkerne eignen sich bestens für Chilli con Carne, Bohneneintöpfe oder Reis mit Bohnem, einem mittelamerikanischen Nationalgericht. Bei Verwendung als Körnerbohne die Bohnen 24 Std. in Wasser einweichen. Das Einweichwasser abgießen (es färbt sich ziemlich schwarz) und die Bohnenkerne in frischem Wasser OHNE Salz bissfest kochen. Danach je nach Rezept weiter verarbeiten und würzen.

Geschichte:
Eine historische Bohne der Cherokee-Indianer aus Nordamerika. Beim Einzug ins Reservat (dem „Trail of Tears“) sollen die Cherokee diese Bohne mitgebracht haben.