Immer wieder wird die Frage gestellt, warum wir für den Hausgarten besser auf samenfeste und biologisch gezüchtete Sorten zurückgreifen sollten. Schließlich ist es oft mühsam entsprechende Jungpflanzen zu bekommen oder selbst die Voranzucht zu betreiben. Dennoch gibt es einige Kriterien, die Bio und Samenfest gegenüber den modernen F1-Sorten ausmachen und für den Hausgarten eine Rolle spielen. Am besten betrachtet man sich hierfür die jeweiligen Züchtungsziele.

Bäuerliche Pflanzenzüchtung
Die sogenannten alten und allesamt samenfesten Gemüsesorten sind im Zuge der bäuerlichen Pflanzenzüchtung entstanden. Bäuerinnen und Bauern vermehrten Gemüse und Feldfrüchte und hielten Saat- und Pflanzgut für die kommende Saison zurück. Züchtungsziele waren dabei nicht lediglich der Ertrag, sondern auch Robustheit, Freilandtauglichkeit, Pflanzengesundheit, Beerntbarkeit über einen längeren Zeitraum, Frosthärte und Überwinterung. Dazu gutes Wachstum und Vitalität, in einer Zeit ohne Kunstdünger, Pestizide und großflächigem Gewächshausanbau. Natürlicherweise waren diese Gemüsepflanzen und Feldfrüchte samenfest und Bäuerinnen und Bauern, Gärtnerinnen und Gärtner konnten ihren eigenen Nachbau betreiben und Saatgut tauschen.

Im Zuge der bäuerlichen Pflanzenzüchtung und auch auf Grund der Arbeit vieler kleiner Züchtungsbetriebe ist bis vor etwa 100 Jahren eine unglaubliche Vielfalt an samenfesten Nutzpflanzen entstanden.

Moderne Pflanzenzüchtung
Als ab den 1960iger Jahren neue Züchtungsmethoden, Agrar-Chemie und schwere Maschinen in die Landwirtschaft und in den Gartenbau Einzug hielten, veränderten sich auch die Züchtungsziele. Landwirtschaft und Gartenbau wurden zentralisiert und technologisiert und die Arbeitenden in Landwirtschaft und Gartenbau reduzierten sich auf einen Bruchteil der ehemals Tätigen. So mussten geerntete Gemüse transport- und lagerfähig sein, um weite Strecken in Lebensmittelmärkte und zum Endverbraucher ohne optische Einbußen zu überstehen. Dies auch wenn der Geschmack oft auf der Strecke blieb. Gezüchtet wurden und werden einheitliche Hochleistungssorten, die unter enormen Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden sowie im Gewächshausanbau Höchsterträge erzielen. Feldkulturen sollen gleichzeitig abreifen für eine maschinelle Ernte auf einer kompletten Fläche. Ein Nachbau der Sorten ist auf Grund der Züchtungsmethoden meist nicht möglich oder erlaubt und auch nicht erwünscht.

Gemüsesamen für den biologischen Anbau
Vor allem der Bio-Gartenbau hat bald wahrgenommen, dass die neuen Hochleistungssorten für den ökologischen Anbau nur bedingt geeignet sind. Um konkurrenzfähig zu bleiben, greifen die meisten Bio-Gärtner und Gärtnerinnen gezwungenermaßen dennoch auf moderne F1-Hybriden zurück. Für manche Gemüsesorten wie beispielsweise Brokkoli gibt es derzeit auch so gut wie keine Alternativen. Dies auch, weil viele gute samenfeste Sorten nicht mehr weiter gezüchtet wurden, nicht mehr in der Sortenanmeldung sind und Saatgut solcher Sorten nicht mehr gehandelt werden darf.

Bio-Anbau braucht Bio-Züchtung
Für eine samenfeste Zukunftsperspektive für den Bio-Anbau haben sich unter dem Dach von Kultursaat e.V. Züchter und Saatgutproduzenten zusammengefunden um alte samenfeste Gemüsesorten weiter zu entwickeln und Sorten zu züchten für die es derzeit für die Gärtnerinnen und Gärtner kaum eine Alternative zum F1-Saatgut gibt und bringen sie wieder in die Sortenanmeldung. Diese Züchtungen sind auch für uns biologisch wirtschaftende Hausgärtner und Selbstversorger sehr wertvoll. Neben vielen seltenen Sämereien aus dem Erhaltungsanbau von Vereinen und Privatpersonen kann hier hochwertiges, professionell gezüchtetes Saatgut für den Garten erworden werden. Gleichzeitig wird durch einen Samenkauf die Züchtungsarbeit an samenfesten Sorten unterstützt.

Bingenheimer Saatgut >
Sativa Biosaatgut >
ReinSaat >

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Gerade erst neigt sich die Gartensaison 2018 dem Ende zu, schon befasst man sich gedanklich mit den Aussaaten für die kommende Saison. In diesem Sinne haben wir unsere Saatgutliste für die Saison 2019 zusammengestellt und es kann ab sofort bestellt werden.

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Alte ungarische Paprikasorte Saroksari

Neu im Sortiment: Paprika Saroksari

Neuzugänge in der Saatgutliste
Neben vielen beliebten Sorten, gibt es auch dieses Jahr wieder tolle Neuzugänge an alten und samenfesten Gemüsesorten. Neben den Ochsenherztomaten hat uns dieses Jahr bspw. die alte ungarische Paprikasorte Saroksari besonders überzeugt.

Weiterhin haben wir zum ersten Mal die Haferwurzel, eine uralte Kultursorte im Sortiment, die schon auf Grund ihrer wunderschönen Blüten im zweiten Kulturjahr begeistert.

Dabei sind außerdem die Aubergine Obsidian, die wir in diesem Jahr mit sehr gutem Erfolg vollsonnig im Topf kultiviert haben, und zwei neue Kürbissorten. Ebenso können wir verschiedene Kräuter und Blüten anbieten.

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Rekordsommer und Rekordernte
Neben Hitzerekorden hat uns der vergangene Sommer durch das warme Frühjahr und dem mediterran anmutenden Sommer vor allem bei wärmebedürftigen Gemüsen wie Tomaten, Paprika und Auberginen Rekordernten beschert. Sicherlich eine Rolle gespielt hat neben der Witterung auch unser neuer Folientunnel, ausgestattet mit bester Komposterdenmischung nach Hans Spezialrezepturen.

Solch schöne und gesunde Tomaten hatten wir schon seit Jahren nicht mehr ernten können. Allen voran unzählige große Ochsenherztomaten, von denen wir auch jetzt noch essen und verschenken können.

Ochsenherztomaten Sorten

Ochsenherztomaten Landshuter Riese, Olga und Orange Russian

Echte Ochsenherztomaten sind meist alte Sorten
Im Handel sind immer wieder Tomaten erhältlich, die als Ochsenherzen bezeichnet werden. Meist fehlt ihnen jedoch die typische Herzform und in der Regel handelt es sich um neuere Züchtungen von Fleischtomaten.

Betrachtet man unsere alten Ochsenherzsorten ist dies sogar nachvollziehbar. Die dünne Schale unserer Ochsenherzen erlaubt keine weiten Transportwege oder längere Lagerung. In kühlen Nächten können sie zudem aufplatzen. Nach der Ernte in voller Reife sollten sie gleich in den Kochtopf oder auf den Teller. Und auch die Größe ist recht uneinheitlich. So können an einer Tomatenpflanze durchaus Exemplare bis fast einem Kilo heranwachsen und andere schaffen es nur bis zu einigen 100 Gramm. Auch aus diesem Grund sind sie meist nur für die Vermarktung ab Hof oder über eine SoLaWi geeignet.
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Ochsenherztomate Orange Russian

Geschmacksrekorde
Doch wer diese Tomaten einmal gekostet hat, vor allem nach einem solchen Sonnensommer, wird sich für immer an ihren fruchtig-aromatischen und fein schmelzenden Geschmack erinnern.

Unsere absolute Favoritin ist dabei Orange Russian, die auch bei Verkostungen über alle Maßen gelobt wurde. Im Laufe des Oktobers werden die Sorten Landshuter Riese, Olga und Orange Russian wieder in unsere Saatgutliste aufgenommen. Für einen erfolgreichen Anbau ist jedoch zu beachten, dass sie im Gewächshaus oder Folientunnel am besten aufgehoben sind und sie für die Entwicklung der großen Herztomaten entsprechend Nährstoffe benötigen.

 


In den meisten Fällen soll es der Gärtner gewesen sein, wenn Saatgut nicht keimt, Jungpflanzen verkümmern und die Ernte übers Jahr nicht den gewünschten Erfolg bringt. Bestenfalls ist noch das Wetter schuld …

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Reiche Ernte an samenfesten Gemüsesorten

Dabei beginnt der Erfolg eines Gartenjahres schon bei der Qualität von Anzuchterde und Pflanzsubstrat (dazu hatten wir im Frühling einen Artikel eingestellt und eine ganze Reihe Rückmeldungen mit ähnlichen Erfahrungen erhalten).

Dass jedoch bereits die Auswahl des Saatguts einen Ausschlag für Erfolg oder Misserfolg geben kann, wird meist nicht so recht in Erwägung gezogen. Folgend dazu die Rückmeldung eines Bestellers unseres Samenangebots:

„… hiermit möchte Ich mich bei Ihnen herzlich für Ihre guten Produkte (Saatgut) bedanken!!!!!!!!!!!! Nach einem guten Gartenjahr kam für mich jetzt die Zeit mal zurück zu schauen. Ich habe in diesem Jahr vielerlei probiert, viele Sorten von vielen Herstellern. Rückblickend ist mir nun aufgefallen, das alle meine „Spitzenreiter“ Produkte aus Ihrem Haus waren! Die Pflanzen, die die besten Erträge hatten, und keine Probleme machten stammen ALLLESAMT von Ihnen!

So ein klares Ergebnis hat mich überrascht! Ich hätte eher damit gerechnet, das Ursachen für Erfolg und Misserfolg bei mir zu suchen wären, und nicht so drastisch vom Saatgut abhängen! Deshalb nochmals VIELEN DANK !!!!!!!!!!!!!!!!!!! …“

Änhnliche Rückmeldungen haben wir bereits anderweitig erhalten und auch unsere Erfahrung spricht dafür, dass bereits die Saatgutauswahl die Weichen für das Gedeihen der Pflanzen und die spätere Ernte stellt.

Dabei spielt vor allem die Anpassung an unsere mitteleuropäischen Klimaverhältnisse und die damit verbundene Robustheit im Freilandanbau der für den Anbau ausgewählten Gemüsesorten eine Rolle, die nicht unterschätzt werden sollte.

Jedoch nur die alten und samenfesten, über viele Jahrzehnte entwickelten Sorten und deren Saatgut können diese Eigenschaften aufweisen. Eine F1-Gemüsesorte aus dem Biotech-Labor – egal was sie ansonsten an Vorzügen mitbringen mag – ist damit nicht ausgestattet.

 


Während die wärmeliebenden Gemüse mit der kühlfeuchten Witterung im diesjährigen Frühling nicht besonders gut zurecht kamen, sind Salate und Erbsen fröhlich gewachsen.

art_samenernte-erbseBeide Kulturen brauchen ausreichend Wasser, um sich gut zu entwickeln und nicht frühzeitig zu schossen bzw. um einen guten Fruchtansatz zu erzeugen. Etwas kühlere Temperaturen  stören Salate wie Erbsen dabei nicht.

Als Ende Juni dann die große Hitze einsetzte waren Blütenstände und Hülsen bereits gut ausgebildet und in der Trockenheit konnte das Saatgut bei besten Bedingungen ausreifen. 2014 hatten wir genau das Gegenteil: die Erbsen wurden bei der Saatgutreife von Schimmel befallen und die Salatsamenernte fiel buchstäblich ins Wasser und wir konnten kaum Saatgut ernten.

Umso mehr freuen wir uns dieses Jahr über eine makellose Ernte an Salatsamen und Erbsensaatgut. Als erstes konnten wir dabei die Samen des Winterkopfsalats „Zimska Salata Zupanja“ ernten.

art_samenernte-zimska„Zimska Salata Zupanja“ ist eine alte Salatsorte aus Kroatien für den Überwinterungsanbau (Zimska = Winter). Sie wird Mitte September gesät und die kleinen Salatrosetten überwintern im Kaltgewächshaus, Frühbeet oder auch direkt im Freiland. Im Frühling bilden sich dann bald schöne mittelgroße Salatköpfe für die erste Salaternte.

Das Saatgut haben wir von Arche Noah erhalten und die Sorte wurde neben einer großen Anzahl anderer Überwinterungsalate im Zuge einer Diplomarbeit von Jakob Wenz und Matthias Wenger im Freilandanbau getestet und beschrieben (siehe Seite 228). Die Sortenbeschreibung aus der Literatur scheint jedoch abzuweichen, denn der Salat weist keine Sprenkelung wie Forellensalat auf sondern höchstens einen leichten rötlichen Einschlag und ist hellsamig. Die weitere Beschreibung und die Abbildungen aus dem Testanbau entsprechen jedoch auch dem Sortenbild das wir bei uns im mehrjährigen Anbau beobachten konnten.

art_samenernte-zimska-samenFür eine Bestellung von Saatgut von „Zimska Salata Zupanja“ noch für die Septemberaussaat bitte eine kurze Mail an: kontakt@garten-des-lebens.de

Auch im September steht bei uns die Saatguternte noch ganz im Mittelpunkt: Samen von vielen Tomaten, Paprika, Bohnen und einigen anderen Kulturen sind noch zu ernten und für die Lagerung zu reinigen.

Außerdem haben wir noch verschiedene Kurse zu Samengärtnerei und Saatgutgewinnung im Programm:

Samengärtnerei im Hausgarten
Saatgutlehrgang zu Samenbau, Saatgutgewinnung und Vermehrung (Schwerpunkt Tomaten, Paprika und Bohnen, Überwinterungskulturen, Selektion)
12. September, Garten des Lebens, 85625 Baiern/Antholing >

Vielfalt im Nutzgarten erhalten und vermehren
Workshops zur Erhaltung und Vermehrung alter und samenfester Gemüsesorten
19. September, Erpfenzeller Gartenwerkstatt, 93167 Falkenstein/Oberpfalz >
25. September, Ökologisches Bildungszentrum, 81927 München >