Als wir vor knapp 10 Jahren in unserem ehemaligen Garten mit dem Gemüsegärtnern auf größerer Fläche begonnen haben, gab es die besten Voraussetzungen für gesundes Gemüse. Ein neuer Garten auf einem humosen Boden auf dem noch nie Gemüse angebaut worden war und auch in der nächsten Nachbarschaft keine Gemüsebeete. In den ersten Jahren trat, außer Schnecken und Wühlmäusen, so gut wie kein Schädlingsbefall auf. Während sich Schnecken und Wühlmäuse ganz gut regulierten, stellten sich im Laufe der Jahre die ersten Schädlinge wie Lauchminiermotte oder Gemüseeule ein. Durch ein breites Angebot an Blühpflanzen und Futterweiden für Nützlinge wie Insekten und Vögel, hielten sich die Schäden jedoch in Grenzen.

Gärten und ihre unterschiedlichen Voraussetzungen
In unserem neuen Garten, den wir nun seit gut einem Jahr bewirtschaften, stellte sich die Situation ganz anders dar. Mit einer angrenzenden Hühnerwiese, Laufenten und vielen Hofkatzen waren Schnecken und Mäuse kaum ein Thema. Dafür gab (und gibt es) die verschiedensten Gemüseschädlinge und Krankheitsbilder, die sich in einem seit Jahrzehnten immer wieder mit denselben Gemüsearten bepflanzten Bauerngarten angesiedelt hatten.

art_nuetzlinge

Gemüse, Blumen und Kräuter in Mischkultur

Zum ersten Frust über befallene Pflanzen und Ernteausfälle ist nun jedoch die Lust an der Herausforderung hinzugekommen. Neben verschiedenen Maßnahmen zur Pflanzenstärkung und Bodenverbesserung wird der Garten quasi täglich reicher an neuen Pflanzenarten wie seltene Gemüse, Kräuter und Nützlingsweiden in Mischkultur. Ziel ist es der natürlichen Tierwelt im Garten möglichst viel Lebensraum zu bieten, um Nützlinge dauerhaft anzusiedeln.

Nützlingsinsekten im Garten ansiedeln
Um im Garten ein Gleichgewicht zwischen Schädlingsbefall und Nützlingen zu schaffen, ist es wichtig die Lebensbedingugnen für die Nützlinge zu berücksichtigen. Dabei ist zu beachten, dass ein Großteil der Nützlingsinsekten oft im Larvenstadium Schädlinge fressen. So bespw. die Schwebfliege, deren Larven Unmengen von Blattläusen vertilgen (je Larve ca. 700 Läuse innerhalb von acht bis zehn Tagen). Die ausgewachsene Schwebfliege benötigt jedoch Nektar, vorzugsweise von Dolden- und Korbblütlern aber auch von Mohn, Borretsch oder Phacelia. Je mehr Nektar eine Schwebfliege vor der Paarung gesammelt hat, umso mehr Eier legt sie. Findet die Schwebfliege nicht genug Nahrung im Garten, wird sie schnell wieder verschwunden sein.

art_nuetzlinge-larve

Larve des asiatischen Marienkäfers auf von Läusen befallenen Puffbohnen

Ebenso benötigen Marienkäfer, die wie ihre Larven Läuse fressen, Blühplanzen wenn nicht genug Läuse verfügbar sind. Außerdem fressen sie im Herbst große Mengen an Nektar und Pollen, um sich für die Überwinterung zu stärken.

Viele andere Insekten sind im Garten ebenfalls unsere Verbündeten. Dazu gehören u. a. Schlupfwespen, Florfliegen, Ohrwürmer, Raubwanzen und Laufkäfer. Leider werden sie aus Unkenntnis oft eher als Ungeziefer gesehen, denn als Nützlinge. Dabei fressen bspw. der Schwarze Moderkäfer und Larven der Laufkäfer gerne Schneckeneier und junge Schnecken.

Für eine dauerhafte Ansiedlung all dieser Tiere im Garten müssen neben dem passenden Nahrungangebot auch Überwinterungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dies können umgedrehte Blumentöpfe, Totholzhaufen, Fassadenbegrünungen und vieles mehr sein. Da schadet ein bisschen “Unordnung” in der einen oder anderen Gartenecke nicht, denn im exakt aufgeräumten Garten können unsere Gartenverbündeten nicht dauerhaft sesshaft werden.

 


Das erste Samenfest, das wir dieses Jahr als Austeller besuchen durften, fand am 23. Januar bei Rapunzel in Legau statt. Neben dem großem Saatgutmarkt gab es ein Rahmenprogramm mit  interessanten Vorträgen zu verschiedensten Themen. Besonders gefreut hat es mich in diesem Zusammenhang Andrea Heistinger (Autorin u. a. des Handbuchs für Samengärtnerei) persönlich zu erleben. Ihr Vortrag zum Thema “Biologisch Düngen” zeigt viele wichtige Aspekte zu Bodenleben und fruchtbarem Boden auf.

Rapunzel hat alle Vorträge aufgezeichnet und sie können über deren Website bzw. Youtube aufgerufen werden: Nachlese Samenfest und alle Vorträge >

Andrea Heistinger hat zu diesem Thema zusammen mit Alfred Grand ein Buch veröffentlicht, das sich wie im Vortrag mit Wurmhumus, Gründüngung und Kompost befasst.

buchtipp-bioduengerBiodünger selber machen.
Regenwurmhumus – Gründüngung – Kompost

Wieso sollte man Regenwürmer im eigenen Garten halten? Wie kann man Regenwurmhumus in einer Kompostkiste selber herstellen? Wie erzeugt man aus „Küchenabfällen“ wie Kaffeesatz und Schalen fruchtbaren Kompost?

Biogartenexpertin Andrea Heistinger sowie Biobauer und Biodüngerproduzent Alfred Grand erklären auf verständliche Weise, wie es ganz leicht gelingt, Biodünger selber zu machen. Sie verzichten auf komplizierte Anweisungen und beschreiben simple, benutzerfreundliche und praktikable Systeme.

Das Buch ist ein Standardwerk für HausgärtnerInnen, Terrassen- oder BalkongärtnerInnen, Biobauern und Biobäuerinnen sowie LehrerInnen oder KindergärtnerInnen.

Löwenzahn Verlag, ISBN-10: 3706625199, ISBN-13: 978-3706625197
Weitere Details und Bestellmöglickeit über Amazon:
Biodünger selber machen. Regenwurmhumus – Gründüngung – Kompost >

 


Die letzten Wochen haben uns hier im Voralpenland viele sonnige und föhnig-warme Tage beschert, sodass die Gartensaison sich unwillkürlich verlängert und der Winter sich mit seinen wenigen frostigen Tagen nicht wirklich eingestellt hat. Dennoch neigt sich das Jahr dem Ende zu und nach verschiedenen Bauernregeln kehrt der Winter ja erst richtig ein, wenn die kürzesten Tage vergangen sind. Wir werden sehen, was uns der Winter im neuen Jahr noch bringt und – wie sollte es anders sein – freuen uns schon auf die wärmende Frühlingssonne zur Ankündigung der neuen Gartensaison.

In diesem Sinne wünschen wir allen unseren
Freunden, Kunden, Lesern und Kooperationspartern ein neues Jahr
der Fülle, in voller Blüte und mit gesegneter Ernte.

header_kl-neujahr

Seminarprogramm 2016
Gleichwohl das neue Jahr noch nicht begonnen hat, sind unsere Bio-Garten-Seminare und Termine bereits seit Wochen in Planung. Wie in den letzten Jahren veranstalten wir wieder unsere jeweils 3-tägigen Seminare:

Samengärtnerei für den Hausgarten – Gemüse und Kräuter selbst vermehren >
Bio-Gemüseanbau für den Hausgarten – Biologisch Gärtnern im Jahreslauf >

Neu im Programm ein 2-teiliger Praxiskurs, der sich – abgestimmt auf die Selbstversorgung in der kalten Jahreszeit – mit Wintergemüseanbau, Überwinterung und Lagerung befasst:

Frisches Gemüse das ganze Jahr – Wintergemüse aus dem Bio-Garten >
.

Saatgutfeste und Veranstaltungen 2016
Weiterhin sind wir auf verschiedenen Veranstaltungen mit einem Saatgut-, Infostand oder Vortrag anzutreffen. Wir freuen uns, wenn Sie uns am Stand oder zum Vortrag besuchen:

23.01.2016
Samenfest bei Rapunzel in Legau, Infostand VEN und Saatgut alter Gemüsesorten

30.01.2016
Saatguttag bei Öko & Fair in Gauting, Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Samengärtnerei im Hausgarten

13.02.2016
Saatgut-Festival in Nürnberg, Saatgut alter Gemüsesorten

art_saatgutfest201621.02.2016
Saatgut-Festival in München, Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Samengärtnerei im Hausgarten

13.03.2016
Dinkelsbühler Samenfest, Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Tomaten für den Freilandanbau

09.04.2016
Saatguttag in Illertissen (Details folgen), Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Samengärtnerei im Hausgarten

16.05.2016
Fürstenfelder Gartentage (Details folgen), Vortrag Gemüse auf kleinstem Raum – Urban Farming

19.06.2016
Permakultur-Netzwerktreffen in Herrieden im Hortus Felix, Infostand zu Samengärtnerei, Permakultur und Selbstversorgung

 


Frisches Bio-Gemüse rund ums Jahr
Ja – es wünschen sich die meisten Hausgärtner, dass die Frischgemüsesaison im Oktober nicht zu Ende geht und auch in der kalten Jahreszeit so viel frische Salate und Gemüse wie nur möglich geerntet werden können.

Das “Handbuch Wintergärtnerei” von Eliot Coleman befasst sich intensiv mit diesem Thema. Der Autor schildert seine persönlichen Erfahrungen, die er über viele Jahre auf seiner “Four Season Farm” sammeln konnte. Die Hinleitung an die Wintergärtnerei am Beispiel der Pariser Gärten von vor ca. 150 Jahren ist dabei ein spannender geschichtlicher Aspekt aus einer Zeit in der es noch keine geheizten Gewächshäuser wie heutzutage gab.

Auf seiner Farm baut Eliot Coleman Wintergemüse für die regionale Vermarktung an und entsprechend sind Anbaumethoden und Sortenempfehlungen zumindest zum Teil auf den Erwerbsgärtner abgestimmt. Dennoch findet jeder Hausgärtner und Selbstversorger viele wertvolle Empfehlungen, die auch im kleineren Garten umsetzbar sind.

Allem voran der mobile Folientunnel, der mich komplett begeistert hat und hoffentlich in nicht zu ferner Zukunft bei uns realisert werden kann. Schließlich ist es jedes Jahr das gleiche Problem: Im Folientunnel oder Kaltgewächshaus werden im Sommer meist dieselben wärmeliebenden Kulturen angebaut und erst sehr spät im Jahr wird Platz für die Winterkulturen. Der mobile Tunnel bietet hierfür eine geniale Lösung.

buchtipp-wintergaertnereiHandbuch Wintergärtnerei

Für die vielen engagierten HausgärtnerInnen und versierten SelbstversorgerInnen wird das “Handbuch Wintergärtnerei” eine wahre Fundgrube an anwendbarem Praxiswissen sein. Coleman beschreibt in seinem Buch alte europäische Gartenbautechniken. Genau deshalb lässt sich sein kleinstrukturiertes System bei uns so wunderbar anwenden.
Wolfgang Palme, Leiter der Abteilung Gemüseanbau an der HBLFA Schönbrunn (Wien)

Verlag: Löwenzahn, ISBN 978-3-7066-2565-4
.

Weitere Details und Bestellmöglichkeit über www.amazon.de >

Wie auf Amazon zu lesen ist, gehen die Meinungen zu diesem Buch auseinander. Was dabei sicherlich eine Rolle spielt, ist die gärtnerische Erfahrung des Lesers und potentiellen Anwenders. Als Anfängerbuch für die winterliche Selbstversorgung ist das Buch wohl eher nicht zu sehen.

Für interessierte GärtenrInnen, die in die Wintergärtnerei für den Bio-Garten einsteigen möchten, bieten wir das Praxisseminar “Frisches Wintergemüse aus dem eigenen Garten” mit
2 Seminarnachmittagen, jeweils an einem Sonntag mit kleinem Imbiss bzw. Verkostung aus der Gartenküche an.

Detailbeschreibung und Termine “Frisches Wintergemüse aus dem eigenen Garten” >

 


Bei Führungen durch unseren Garten, auf Seminaren, Vorträgen und in Gesprächen taucht immer wieder die Frage an uns auf, wie unsere Selbstversorgung mit Gemüse den Winter über aussieht.

Und was esst ihr im Winter?
Recht oft scheint die Meinung zu bestehen, dass der Winter in unserer Region kulinarisch eine eintönige Zeit sein muss, wenn man nicht auf das ganzjährige Supermarktangebot zurückgreifen mag. Bestenfalls ernährt man sich hauptsächlich von Tiefgekühltem und Konserviertem aus dem Sommer.

art_winterkoenige-wirsing

Gelber Butterwirsing

Betrachtet man das winterliche Gemüseangebot im Bio-Garten jedoch genauer, eröffnet sich eine reiche Vielfalt. Kohl und Wurzelgemüse sind dabei die ungekrönten Winterkönige.

Frisch aus dem winterlichen Garten
Immer auf der Suche nach möglichst frostunempfindlichen Gemüsesorten, wird die Auswahl in unserem Garten jeden Winter größer. Bis Weihnachten ist der “Gartentisch” reicht gedeckt und auch nach dem Jahreswechsel steht noch frisches Gemüse bereit. So lassen sich direkt aus den winterlichen Gartenbeeten, Kaltgewächshaus und Frühbeet ernten: Babyleaf-Salate, Feldsalat, viele Kohlsorten wie Asiasenf, Grünkohl, Rosenkohl, Sibirischer Kohl und Winterwirsing, Karotten in verschiedenen Farben, Lauch, Pastinaken, Winterportulak, Winterspinat, Winterrübchen und Wintersalate.
.

art_winterkoenige-bete

Rote Bete Zylindra

Aus dem winterlichen Lager
Nicht frostharte Gemüse werden rechtzeitig eingelagert und bieten weitere Abwechslung zur Ernte aus dem Garten. So versorgt uns das Winterlager mit verschiedenen Sorten Bete, mit Blaukraut und Butterwirsing, Chinakohl, Kohlrabi, Kürbissen, Sellerie und Zuckerhut.

Daneben gibt es auch das eine oder andere tiefgekühlte Gemüse wie blanchierter Fenchel, Mangold oder Brokkoli – unsere Favoriten sind die Tiefgekühlten jedoch nicht und sie tragen auch nur einen geringen Teil zu unserer winterlichen Gemüseversorgung bei. Konservierte Ernteüberschüsse aus den Sommermonaten ergänzen dagegen das Wintergemüse vor allem in Form von eingekochter Tomatensauce und getrockneten Tomaten. Dazu gibt es Spezialitäten aus der letzten Herbsternte wie Kräuterpesto und eingelegte Peperoni.

Eintönigkeit steht also nicht ins Haus und auch wenn nicht jedes Jahr die gesamte winterliche Gemüsepalette zur Verfügung steht, wird Frisches aus dem Garten erst zum Ende des Winters wirklich knapp. Dann freuen wir uns bereits auf die ersten Überwinterungssalate, Radieschen und den Winterbrokkoli!