Derzeit läuft in Brüssel die Überarbeitung der EU Richtlinien für die Vermarktung von Saat- und Pflanzgut. Die neuen Regelungen können die Erhaltung von alten, seltenen und regionalen Sorten weiter einschränken.

art_saatgutDer Saatgut- und Pflanzguttausch hat eine lange Tradition
Über Selektion und Kreuzung wurden Jahrtausende lang Sorten in bäuerlichen Betrieben entwickelt, die durch Tausch weiter gegeben wurden. Dadurch entstand eine große Vielfalt regionaler Sorten. Im Zuge des Sortenschutzes und der damit zusammenhängenden Sortenzulassungen ist diese Tradition auch jetzt nur begrenzt erlaubt. Künftig könnten diese Regelungen noch verschärft werden, sodass alle Pflanzen erst als Sorte zugelassen werden müssen, um weitergegeben werden zu dürfen. Kriterien für die Sortenzulassung sind u. a. Uniformität, was alte Sorten meist nicht erfüllen können. Die verschiedenen Ausprägungen auf Grund ihres Erbmaterials zeichnen alte Sorten aus – für eine Sortenzulassung fallen sie damit aber durch das Raster der homogenen modernen Industriesorten.

Wenn diese Sorten nicht mehr weiter gegeben werden dürfen, wird automatisch auch der Anbau und die lebendige Weiterentwicklung der Sorten eingeschränkt. Es geht dadurch die genetische Vielfalt eines Jahrtausende alten Kulturerbes verloren. Dies wirkt sich nicht nur auf die Vielfalt in unseren Gärten, auf unseren Äckern und auf unseren Tellern aus. Dieser Genpool ist notwendig, um eine Nahrungsmittelversorgung auch jenseits der modernen Pflanzenzüchtung sicher zu stellen.

logo_arche-noah ARCHE NOAH (Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt & ihre Entwicklung) bietet zu diesem Thema eine Website an, die über aktuelle Entwicklungen in der Saatgutpolitik informiert und dazu auffordert sich gemeinsam für die Vielfalt zu engagieren.
 

http://saatgutpolitik.arche-noah.at >
http://saatgutpolitik.arche-noah.at/saatgutrecht/aktiv-werden/unterschreiben >

 


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Permakultur im Winter

Permakultur schafft Lebensräume für ein nachhaltiges und  dauerhaftes Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen.

Wir erleben dies jeden Tag am Vogelhäuschen mit unseren Begleitern im winterlichen Garten – unsere Singvögel, die bei uns im Garten, in den Nachbarsgärten und im angrenzenden Schulgarten überwintern.

Am Futterhäuschen treffen sich natürlich die Spatzen und Amseln, ebenso das Rotkehlchen, Kohlmeise, Blaumeise, Sumpfmeise, Haubenmeise, der Dompfaff (Gimpel), der Buchfink- Mann, manchmal schaut auch der Distelfink und Kleiber vorbei. Vor ein paar Tagen war sogar ein Eichelhäher zu Besuch und hat unter dem Vogelhäuschen herumgepickt.

Mulchschicht für den Winter
Einige der Vögel freuen sich ganz besonders über unsere Gartenbeete, die im Herbst – Oktober und November – noch schön gemulcht wurden. Die Mulchschicht für den Winter ist eine Mischung aus Kompost, Grünschnitt und Laub über alle Hügelbeete, Hochbeete und auch auf den ebenerdigen Gartenbeeten. Besonders die Amseln als “Laubwender” lieben es bei schneefreien Tagen im Mulch zu  wühlen und nach Nahrung zu suchen.

Durch diese Mulchschicht kann sich der Boden erholen und die Bodenorganismen können an wärmeren Tagen weiter arbeiten. Der Regenwurm freut sich besonders über diese wärmende Mulchschicht. Die  Regenwürmer sind teilweise noch ziemlich nah an der Erdoberfläche bei 5 – 10 cm anzutreffen. Wir erkennen dies immer, wenn wir noch Pastinaken oder Gelbe Rüben aus dem Garten entnehmen. Mulchen gehört auch zu den Prinzipien der Permakultur: die Natur lässt ihren Boden nicht unbedeckt.

Die Gartenbeete sind momentan noch nicht durchgefroren, obwohl wir von 14. Januar bis 27. Januar 2013 durchgängig Minus-Grade hatten, bei Nachtfrösten bis zu Minus 12 Grad. Die aufgetragene Mulchschicht wirkt wie eine schützende und wärmende Decke für den Boden.

Wir genießen die Ruhe des Winters, den schneebedeckten Garten und können dennoch den  kommenden Frühling und wärmere Tagen kaum erwarten, damit wir im Garten wieder arbeiten dürfen.

 


Das liebste Gemüse des Deutschen ist die Tomate. Fast 10 kg frische Tomaten werden jährlich pro Kopf verzehrt. Dabei beschränkt sich der Verbrauch nicht nur auf die Sommermonate, wenn es hier zu Lande frische Tomaten gibt. Dies bestätigt auch ein Blick in die Supermärkte: Mitten im Januar finden wir hier ein Sortiment an runden Tomaten, Rispentomaten, Fleischtomaten, Cocktail-Tomaten und neuerdings sogar sogenannte “Wilde Tomaten”. Die Herkunftsländer sind vorrangig Spanien und die Niederlande, sowie Italien und Marokko.

Tomaten wachsen und fruchten nur bei warmen Temperaturen, die in den Niederlanden und auch in Spanien im Winter nur über beheizte Gewächshäuser zu erreichen sind. Künstliche Lichtgaben sind notwendig, um die winterliche Dunkelheit und somit Geilwuchs und Verkümmerung von den Tomatenpflanzen fernzuhalten. Hinzu kommt  der Transport, um die Tomaten aus diesen Ländern in unsere verschneiten Supermärkte zu bringen. Neben einem unvertretbar hohen Energieaufwand führt dies zu Tomaten, die geschmacklich und auch hinsichtlich ihres Nährstoffgehalts nicht mehr mit saisonal sonnengereiften Tomaten zu vergleichen sind.

Kauft man im Winter keine frischen Tomaten, muss man deshalb nicht auf Tomaten verzichten. Neben eingemachten Tomaten für Soßen und Suppen bieten getrocknete Tomaten eine köstliche Alternative.

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Bombolino d’inverno

Die getrocknete Tomate
Getrocknete Tomaten haben eine lange Tradition. In der Vergangenheit, als es noch nicht üblich war Gemüse das ganze Jahr über in Gewächshäuseren zu produzieren, war die Trocknung für viele Obst- und Gemüsesorten eine einfache Form der Haltbarmachung.

Eine interessante Variante wurde bspw. in der Toskana praktiziert, wo vor dem Winter die kompletten Tomatenstauden zum Trocknen aufgehängt und die Früchte über den Winter verbraucht wurden. Verwendet wurden hierbei eher klein früchtige Tomaten wie z. B. Bombolino d’Inverno eine alte Sorte aus Italien, deren Name schon auf die winterliche Verwendung hinweist.

Getrocknete Tomaten haben einen intensiven Geschmack und lassen sich vielseitig verwenden. Ideal geeignet sind sie für:

  • Pastagerichte
  • Gemüsesuppen
  • Tomatenpesto
  • Füllungen

 

Ein gutes winterliches Pesto ist das Tomaten-Salbei-Pesto:
Eine Handvoll getrocknete Tomaten 10 Minuten einweichen und dann leicht ausdrücken. Nacheinander die Tomaten, eine Handvoll frischer Salbeiblätter und etwa 100 g Sonnenblumenkerne im Cutter grob hacken. Mit Salz, geriebenem Parmesan und Olivenöl verrühren. In kleine, sterile Gläser füllen und mit Olivenöl abdecken. Im Kühlschrank hält das Pesto wochenlang und schmeckt zu Nudeln und als Brotaufstrich.    

Tomaten trocknen
Wer selbst Tomaten trocknen möchte, wählt dafür am besten eher trockenfleischige Tomaten mit wenig Kernen oder schabt die Kerne vorher aus. Getrocknet werden kann in Trockengeräten, im Backofen bei niedrigen Temperaturen oder am besten in einem Solardörrer. Infos hierzu und allgemein zu Trocknung und Konservierung gibts im Spätsommer, wenn die nächste “Tomatenschwemme” ansteht.

Wer für dieses Jahr Tomaten zum Trocknen anbauen möchte, kann bei uns passendes Saatgut bestellen. Wir haben die oben bereits genannte Bombolino d’Inverno im Sortiment, außerdem die Eiertomate De Berao, Sosulka eine gelbe, trockenfleischige Flaschentomate sowie die Beuteltomate.

Die aktuelle Saatgutliste ist unter dem Menüpunkt “Gemüse und Saatgut” eingestellt >

 

 


buchtipp_reichtum-erntenVielfalt ist Reichtum
Vielfalt kann nur durch viele Menschen in vielen  Gegenden entstehen. Früher hatte jede Region ihre eigenen Sorten. Heute gibt es in den Supermärkten fast nur noch Einheitsgemüse. Viele lokale Sorten sind spurlos von unseren Feldern und Beeten verschwunden. Wer kennt noch Ostfriesische Palme, Berner Rose oder Kasseler Strünkchen?

Aber es gibt sie noch und hinter jeder dieser seltenen Gemüsesorten stecken sehr persönliche Geschichten und Menschen, die aus Leidenschaft fast vergessenen Sorten vermehren.

Reichtum ernten
von Ute Klaphake, Karin Lüdemann, Dierk Jensen.
Gebundene Ausgabe, Bestellung und weitere Informationen über www.amazon.de.

 


bingenheimer-siegelDie Bingenheimer Saatgut AG – Ökologische Saaten hat ein neues Siegel entwickelt, das zusammen mit dem neuen Saatgutkatalog an die Öffentlichkeit geht. Die aussagekräftige Botschaft ist dabei:

Sorten sind Kulturgut – Nachbaufähig weil samenfest

 

Hintergründe sind unter anderem sozialökonomische und ethische Aspekte ebenso wie die Erhaltung der genetischen Vielfalt des Kulturerbes Saatgut. Detaillierte Informationen gibt es auf der Website von Bingenheimer Saatgut.