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Einkorn im Arche Noah Schaugarten

Einkorn gehört zu den sogenannten Urgetreidesorten, wie auch Emmer, Dinkel und Ur-Roggen. Bereits vor ca. 7.000 Jahren wurden diese Getreidesorten in Mitteleuropa kultiviert und stellten Grundnahrungsmittel dar, die über die langen Winter lagerfähig waren und so die Versorgung sicher stellten.

Im Laufe der Zeit verlor Einkorn gegenüber Gerste und Emmer immer mehr an Bedeutung und wurde später im Zuge der modernen industriellen Getreideproduktion auf Grund des Ertrags durch neuere Weichweizensorten so gut wie vollständig verdrängt. Schließlich konnte der Anbau von Einkorn im letzten Jahrhundert nur noch vereinzelt beobachtet werden.

So soll Einkorn in Jugoslawien noch bis zum 1. Weltkrieg von größerer Bedeutung gewesen sein. Auch im Vorarlberger Rheintal, in der nördlichen Schweiz, in Schwaben und Baden gab es noch Felder mit Einkorn. In Italien wurde 1984 Einkorn bei Castelfranco in den höheren Lagen des Appenin gefunden, wo es als Schweinefutter verwendet wurde. Mit Einkorn gefütterte Schweine sollen schneller wachsen, ein strahlendes Borstenkleid haben und gesünder sein. [Quelle: 2012 Getreidezüchtungsforschung Darzau].

Dies mag durchaus glaubwürdig sein, da Einkorn besonders reich an Eiweiß ist und auch der Gehalt an B-Vitaminen und Mineralstoffen über dem von Weizen liegt. Besonders hervorzuheben ist der hohe Gehalt an Niacin, Pyridoxin, Magnesium, Eisen, Phosphor und Zink. Bemerkenswert ist außerdem der hohe Gehalt an Carotinoiden, den Gelbpigmenten, die als natürliche Antioxidantien gelten. Er liegt 2-4 mal über dem von Weizen. [Quelle: http://www.meierhof.at].

Die Wiederentdeckung des Einkorns
Auf Grund seiner gesunden Inhaltsstoffe und seines feines Geschmacks wird das Einkorn allmählich wieder entdeckt. Rudolf Steiner hat schon in den Anfängen des biologisch-dynamischen Anbaus auf das Einkorn als ursprüngliches und wertvolles Getreide aufmerksam gemacht. Doch erst seit einigen Jahren mit einem wachsenden Interesse an der Vielfalt und den Eigenschaften alter und fast vergessener Kulturpflanzen, hat auch eine neue Wertschätzung für das Einkorn und andere Urgetreidesorten eingesetzt.

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Einkornähre

Aktuell wird vor allem im niederösterreichischen Waldviertel, im bayerischen Chiemgau und in einigen Regionen der Schweiz Einkorn als extensive Kulturpflanze im ökologischen Landbau wieder angebaut. Auch Verbraucher und Gourmet-Restaurants werden auf Einkorn-Produkte aufmerksam – und das zu Recht, da Einkorn neben seinen reichen Inhaltsstoffen auch geschmacklich durchaus Beachtung verdient.

Trotz seines nicht allzu hohen Kleberanteils eigent sich Einkornmehl bestens für Brote, Backwaren und auch für Pasta-Teige, die ein feines nussiges Aroma erhalten. Eine echte Spezialität ist der Einkorn-Reis. Es handelt sich dabei um geschliffene Einkornkörner, die wie Reis zubereitet werden. Der getreidig-nussige Geschmack des Einkorns im Zusammenspiel mit der bissfesten Konsistenz des Korns bietet ein ganz besonderes Geschmackserlebnis. Dabei ist Einkorn-Risotto schnell und einfach zubereitet.

Hier gehts zum Einkorn-Risotto Rezept >

Übrigens ist Einkorn kein direkter Vorfahre unseres Weizens. Man geht davon aus, dass beide Getreide ein “(Ur)Wildeinkorn” als gemeinsame Vorfahren aufweisen. Daher kann Einkorn für Menschen mit Weizenallergie verträglich sein.

 


Einkorn-Reis ist eine Spezialität, die herkömmlichen Reis nicht nachsteht. Ganz im Gegenteil – der getreidig-nussige Geschmack und die bissfeste Konsistenz des Korns sind ein besonderes kulinarisches Erlebnis.

Für die Herstellung von Einkorn-Reis wird das Korn geschliffen um das Korn aufnahmefähiger für Flüssigkeit zu machen und somit die Kochzeit zu verkürzen. Ein Einweichen der Körner wird dadurch überflüssig. Mit dem Kochen erhält man eine leicht cremige Risotto-Konsistenz. Die Zubereitungszeit beträgt nur 15 – 20 Minuten, sodass Einkorn-Reis auch für die schnelle Küche bestens geeignet ist.

Einkorn-Reis (Grundrezept für 2 Personen)
Der Reis kann als Beilage oder als Grundlage für weitere Gerichte verwendet werden.

1 kleine Zwiebel
Butter oder Olivenöl
250 g Einkorn-Reis
1,5 fache Menge Wasser
Salz
frische Kräuter der Saison

Zwiebeln fein hacken und in Butter bzw. Olivenöl glasig andünsten. Einkorn-Reis hinzufügen und in der Zwiebelbutter anschwitzen. Mit warmem Wasser aufgießen und aufkochen lassen. 10 Min. leicht köcheln lassen. Danach den Herd ausschalten und den Einkorn-Reis ziehen lassen bis er bissfest ist und die Kochflüssigkeit vollständig aufgesaugt hat. Nach Geschmack salzen und mit frischen Kräutern verfeinern.

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Einkorn-Risotto mit Mangold und getrockneten Tomaten

Einkorn-Risotto mit Mangold und getrockneten Tomaten
Einkorn-Reis nach dem Grundrezept zubereiten und mit dem Aufgießen 2 EL geschnittene, getrocknete Tomaten beifügen. 5 Mangoldblätter ohne Stiele und Mittelrippe kurz blanchieren und in Streifen schneiden. Zum Ende der Garzeit den Einkorn-Reis nach Geschmack salzen und die Mangoldstreifen dazu geben. Vor dem Servieren mit frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und gehobeltem Parmesan bestreuen.

Schmeckt als Hauptgericht oder passt als Beilage hervorragend zu Pilz-Ragout oder kurz gebratenem Fleisch.

Einkorn-Reis-Pfanne mit gebratenem Gemüse
Einkorn-Reis eigent sich wunderbar für eine Gemüse-Reis-Pfanne. Hierfür den Reis wie im Grundrezept beschrieben zubereiten.
Für das gebratene Gemüse:
Zwei Knoblauchzehen in Scheibchen geschnitten zusammen mit einem Rosmarinzweig in Olivenöl in einer weiten Pfanne andünsten. Wer mag kann eine scharfe Chilischote dazu geben. Gemischtes Gemüse der Saison wie Zucchini, Paprika, Kohlrabi, Zuckerschoten, grüne Bohnen, … in mundgerechte Stücke schneiden und abhängig von der unterschiedlichen Gardauer nach und nach in die Pfanne geben und bissfest braten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Den fertigen Einkorn-Reis dazu geben und unter das Gemüse heben. Kurz durchziehen lassen und servieren.

Information zu Geschichte und Anbau von Einkorn >

 


Der Film “Widerständige Saat” zeigt den weltweiten Kampf um Saatguterhaltungen, den Aktivist/-innen und NGOs gegen Saatgutbörsen und die EU-Gesetzgebung führen. Im Anschluss an den Film steht die Regisseurin, Ella von der Haide für ein Gespräch zur Verfügung.

Termin: Montag, der 11.03.2013 von 19:00-20:30 Uhr
im DGB-Haus, Schwanthalerstraße 64 – 80336 München; Raum T.0.06.

Bitte mit Anmeldung unter der Kursnummer C240-13/2
Tel: 089 / 559 336-40
Email: anmeldung@bildungswerk-bayern.de
Eintritt: 6,00 Euro

Infos zu den Dokumentarfilmen von Ella von der Haide
Gemeinschaftsgärten: www.eine-andere-welt-ist-pflanzbar.de
Saatgutkampagne: www.saatgutkampagne.org


Die ReWIG München plant die Gründung eines Arbeitskreises zum Thema Erhaltung und Vermehrung der Kulturpflanzenvielfalt. Als Auftakt wird ein Impuls-Vortrag veranstaltet, zu dem Mitglieder und Interessierte herzlich eingeladen sind.

Vortrag “Geschichte und Sortenvielfalt unserer Kulturpflanzen”
mit anschließender Diskussion

Termin: Donnerstag 28.02.2013, 19:00 bis ca. 21:00 Uhr
Ort: Streitfeldstrasse 33 (KunstWohnWerke eG), 81673 München – Berg am Laim

Weitere Informationen bei ReWig München >

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Tomaten lieben einen sonnigen und geschützten Platz. Ursprünglich kommt die Tomate aus Mittel- und Südamerika, deshalb kann sie mit Hitze und Trockenheit wesentlich besser umgehen, als mit Nässe. In unseren Breiten ist es daher nicht immer einfach Tomaten im Freiland zu kultivieren.

Die Braunfäule an Tomaten
Die Kraut- und Braunfäule ist die häufigste Krankheit an Tomaten. Gerade in regenreichen Sommern kann die Braunfäule in kurzer Zeit ganze Tomatenbestände vernichten. Der Braunfäulepilz ist ein Algenpilz, der für seine Entwicklung Feuchtigkeit und Temperaturen um die 20 Grad benötigt. Im Freiland, wenn die Tomaten über längere Zeit der Feuchtigkeit ausgesetzt sind – dafür reicht manchmal auch schon reichliche Taubildung mit langsamen Abtrocknen der Pflanzen – findet der Pilz für seine Vermehrung ideale Bedingungen. Außer den Blättern werden auch die Früchte mit bräunlichen, später faulenden Stellen, befallen.

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Ampeltomate Pendulina

Welche Sorten anbauen?
Neben verschiedenen vorbeugenden Maßnahmen wie luftiger und sonniger Stand, Mulchen und Vermeidung von Überdüngung und Übergießen der Pflanzen, spielt die Sortenauswahl eine entscheidende Rolle. Zum einen können frühe Sorten gewählt werden, die bereits vor dem Auftreten des Braunfäulepilzes erntereif sind. Andererseits gibt es eine Reihe robuster Sorten und  Wildtomaten, die sich gegenüber der Braunfäule als sehr tolerant erwiesen haben.

Frühe Buschtomaten
Vertreter der frühen Buschtomaten sind die Sub-Arctic-Typen wie Sub Arctic Plenty oder Sub Arctic Cherry, die für Gegenden mit kurzen Sommern gezüchtet wurden und relativ Kältetolerant sind. Sie haben eine kurze Vegetationsperiode, fruchten bald und das auch bei niedrigen Temperaturen. Es handelt sich dabei um kleinwüchsige buschige Pflanzen, teils mit hängendem Wuchs, die nicht ausgegeizt werden und Früchte in der Größe von Cocktail-Tomaten hervorbringen. Ähnlich frühe Sorten mit sehr guten Geschmack sind Pendulina, eine gelbe runde Ampeltomate und die etwas kleinere, ovale Rosa Ampeltomate.

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Buschtomate Podsneschnik

Einige Buschtomaten mit größeren Früchten verfügen über ähnliche Eigenschaften. Besonders aus Russland kommen verschiedene, empfehlenswerte Sorten wie die Sibirische Rote Frühe.

Bei uns haben wir mit gutem Erfolg Podsneschnik (Schneeglöckchen) mit runden roten Früchten kultiviert.

Bei einer Voranzucht ab Ende Februar ist eine Ernte meist schon im Juni möglich. Bis spätestens Mitte August (wenn viele andere Tomaten erst zu reifen beginnen) geht der Vegetationszyklus der frühen Buschtomaten dem Ende zu und sie sterben ab. Durch die kurze Vegetationsperiode ermöglichen sie eine Ernte vor dem Braunfäulebefall. Gleichzeitig entsteht ein insgesamt längerer Erntezeitraum zusammen mit den später reifenden Tomatensorten.

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Wildtomate Humboltii

Wildtomaten
Als sehr widerstandsfähig gegen die Braunfäule haben sich Wildtomaten erwiesen. Dazu gehören die kleinen Johannisbeertomaten, die als Naschtomaten sehr beliebt sind ebenso wie die Wildtomaten Rote Murmel und Golden Currant.

Eine sehr empfehlenswerte, etwas größer früchtige Wildtomate mit rot bis lachsfarbenen Früchten von bis zu 3 cm Durchmesser und bester Braunfäuletoleranz ist Humboldtii. Die großen, buschigen Pflanzen bringen ab August eine reiche und gesunde Ernte bis zum Frost. Alle Wildtomaten werden am besten ohne oder mit sehr wenig Ausgeizen am Spalier oder an Gerüsten gezogen. Als Stabtomaten und auch für das Gewächshaus sind sie auf Grund ihrer Wüchsigkeit und starken Verzweigung nicht geeignet (was aber auch nicht notwendig ist).

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De Berao rot

Robuste großfrüchtige Sorten
Am bekanntesten unter den großfrüchtigen und widerstandsfähigen Sorten sind die De Berao Typen. Unter Selbstversorgern und selbst im Bio-Erwerbsanbau hat De Berao sich einen sicheren Platz erobert.

Durch Auslesen sind neben dem roten Typ De Berao rosa und De Berao braun sowie eine gerippte Form entstanden. Auch wenn nicht alle Typen dieselbe Robustheit geerbt haben, sind sie für den Freilandanbau gut geeignet.

Dabei ist auf eine gute Mulchschicht zu achten, da De Berao bei ungleichmäßiger Wasserzufuhr zum Platzen neigt.

Fleischtomaten
Die meisten Fleischtomaten verfügen über eine eher niedrige Widerstandsfähigkeit gegen die Braunfäule. Ohne Überdachung oder einem gut durchlüftetes Gewächshaus wird der Anbau leicht zur Enttäuschung. Dies gilt für samenfeste Sorten in gleichem Maße wie für die meisten F1-Hybriden. Das Samenarchiv Gerhard Bohl hat einige Braunfäule stabile F1-Neuzüchtungen im Freilandanbau getestet. Jedoch setzte die Fruchtbildung und Reife meist so spät ein, dass man nur wenige Früchte ernten konnte [Quelle: "Die Braunfäule an Tomaten", Abhandlung von Gerhard Bohl].

Eine sehr interessante samenfeste Sorte dagegen, die ebenfalls von Herrn Bohl im Test angebaut wurde, ist die Kartoffelblättrige Tiefgefurchte. Es handelt sich um eine Fleischtomate mit 400 – 800 g schweren Früchten.

Samen robuster, alter Tomatensorten kaufen
Einige der genannten Tomatensorten sind im Handel erhältlich. Der größere Teil ist über Saatgut-Archive und Erhalter zu beziehen. Die genannten Ampeltomaten, die Wildtomate Humboldtii, De Berao, Cuban Pink und einige andere robuste Tomatensorten führen wir in unserer Saatgutliste und können bei uns bestellt werden.

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