Auf Grund des großen Interesses an der Gartenmelde stellen wir nun neben unserem Artikel “Gartenspinat und Gartenmelde” mit allgemeinen Informationen und Rezepten nun auch eine Kulturanleitung für die Gartenmelde ein.

Arche Noah hat die Gartenmelde übrigens mit 18 verschiedenen Sorten im Vergleichsanbau kultiviert sowie Keimtests und Verkostungen durchgeführt. Die Ergebnisse sind im Arche Noah Magazin vom Juli 2012 beschrieben. Die Ausgabe steht auf der Arche Noah Website als PDF zur Verfügung.

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Samenstand der Gartenmelde Opera

Die Gartenmelde ist eine historische Spinatpflanze, die es in verschiedenfarbigen Sorten, von hellgrün über rot bis tief violett-braun gibt. Sorten im Handel sind bspw. die rote Gartenmelde Vollrot oder die grünen Sorten Gartenmelde Mondseer und Berndorfer. Weitere Sorten sind über Saatgutarchive und private Erhalter erhältlich.

Anbau:
Melden können ab April in Reihen oder einzeln zwischen anderen Kulturen direkt im Freiland gesät werden. Die einjährigen Pflanzen sind anspruchslos und leicht zu kultivieren, brauchen jedoch volle Sonne. Lässt man die Pflanzen blühen und die Samenstände ausreifen säen sie sich bereitwillig selbst aus.

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Grüne Gartenmelde

Wuchsform:
Hochwachsend, viele Sorten werden mit Samenstand über zwei Meter. Zur Beerntung regelmäßig schneiden, es wachsen dann wieder junge Blätter nach.

Vermehrung:
Melden sind Fremdbestäuber und werden durch den Wind bestäubt. Die verschiedenen Meldesorten verkreuzen sich untereinander. Daher immer nur eine Sorte blühen lassen. Auch bei sortenreiner Vermehrung kann es immer wieder zu „Aussreißern“ kommen, die man entfernen sollte. Wird die Pflanze nicht geschnitten bildet sie bis zum Herbst hohe Samenstände mit vielen Samen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Blütentypen: Die vertikalen Blüten sind von zwei Vorblättern umschlossen, der horizontale Blütentyp bildet keine Hüllblätter aus. Die Samen können schwarz oder hellbraun sein. Tests haben gezeigt, dass die hellen Samen schnell keimen wogegen die schwarzen Samen lange im Boden verbleiben können. Sie keimen teilweise erst nach Jahren, wenn sich die passenden Bedingungen ergeben und im Garten erscheinen plötzlich Pflänzchen mit denen man gar nicht mehr gerechnet hat.

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Rote Gartenmelde

Verwendung:
Ernte der jungen Blätter am besten vor der Blüte (danach werden die Blätter leicht bitter). Verwendung wie Spinat, für Strudel- und Brotfüllungen oder als Salatbeigabe. Das farbenfrohe Gemüse eignet sich auch gut zur Dekoration z. B. für Büfetts. Rotlaubige Sorten können zum Färben anderer Speisen verwendet werden.

Geschichte:
Melden sind alte Gemüsepflanzen mit weltweiter Verbreitung. Die Kulturform der Gartenmelde kam vermutlich mit den Römern nach Mitteleuropa. Wie andere historische Gemüsepflanzen geriet die Melde mit der Einführung von Kulturpflanzen aus anderen Teilen der Welt immer mehr in Vergessenheit. Vor allem der Spinat hat die Melde weitest gehend ersetzt. VEN (Verein zur Erhaltung der Nutpflanzenvielfalt) ernannte die Melde zum Gemüse des Jahres 2000.

 


Gartenspinat (Spinacia oleracea) gehört zu den Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae) und kommt als Kulturform vermutlich aus Südwestasien.

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Rote Gartenmelde

In Mitteleuropa wird der Spinat im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt und verdrängte als Gemüsepflanze in der Folge rasch die im Mittelalter beliebte und verwandte Gartenmelde (Artiplex hortensis).

Lange Zeit als Unkraut behandelt erlebt die Melde heute mit verschiedenen farbigen Kulturformen vor allem in den Hausgärten wieder eine Renaissance.

 

Mai ist Spinatzeit
Die ersten sind die überwinterten Spinatsorten mit Aussaat im Spätherbst (z. B. “Erste Ernte” oder “Riesenwinterspinat Géant D’Hiver”), die je nach Witterung auch schon im März/April erntebereit sind. Im Mai folgt der Frühlingsspinat, der gesät werden kann sobald der Boden frostfrei ist. Eine bewährte samenfeste Sorte ist hier “Matador”.

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Spinat mit Blütenansatz

Bei Sommeraussaat geht der Spinat als Langtagespflanze schnell in Blüte. Dasselbe gilt für die Melden, die sich im Garten auch leicht selbst wieder aussäen und ebenfalls ab Mai geerntet werden können.

Variantenreichtum in der Küche
Die wohl bekannteste Zubereitungs-
variante ist frischer Blattspinat, kurz mit Knoblauch in Butter gedünstet – ein Gedicht. Hervorragend geeignet sind junge Spinat- und Meldenblätter außerdem als schmackhafte und je nach Sorte farben-
frohe Salatbeigabe. Und auch in Kombination mit Pasta oder als Füllung für Pies und Brote kann das Blattgemüse in den unterschiedlichsten Zubereitungen glänzen.

In den folgenden beiden Rezepten bieten Spinat und rote Melde gebettet in Hefeteig einen kulinarischen Hochgenuss.

Grundrezept Hefeteig
500g helles Dinkelmehl (z. B. 630)
1 TL Salz
1 Päckchen Trockenhefe
4 EL Olivenöl
ca. 350 ml Wasser

Mehl, Trockenhefe und Salz in einer Schüssel gut vermischen und gleichmäßig mit dem Olivenöl beträufeln. Von der Mitte her nach und nach Wasser zugießen und mit einem Knethaken zu einem glatten Teig verarbeiten. Den Teig mit bemehlten Händen gut durchkneten und an einem warmen Ort gehen lassen bis er sich etwa verdoppelt hat.

Gefülltes Brot mit Roter Melde

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Brot mit Füllung aus roter Melde

Hefeteig nach Grundrezept
2 – 3 Händevoll roter Melde
1 Handvoll gemischter Garten- und Wildkräuter
2 EL Olivenöl
Salz
1 Kugel Büffelmozzarella
100 g geriebener Käse (z. B. Butterkäse oder junder Bergkäse)

Rote Melde und Kräuter in feine Streifen schneiden und in eine Schüssel geben. Mozzarella würfeln und mit den restlichen Zutaten dazu geben und gut vermischen.

Den Hefeteig auf einer bemehlten Fläche ca. 1 cm dick ausrollen und mit der Kräuter-Käse-Masse bestreichen. Den Teig mit der Masse einrollen und die Enden gut festdrücken. Sichelförmig auf ein mit Backpapier versehenes Backblech legen und im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad ca. 45 Minuten backen.

Spinatpizza mit Ziegenkäse

Hefeteig nach Grundrezept (reicht für 3 Pizze)
500 ml passierte Tomaten
Knoblauch
Olivenöl
500 g gewaschenen und gut abgetropften Spinat
2 Kugeln Mozzarella
200 g Ziegenbrie oder Ziegenrolle
Salz, Pfeffer

Den Hefeteig ausrollen und auf geölte Pizzableche legen. Mit den passierten Tomaten bestreichen und salzen. Den Knoblauch in Olivenöl andünsten den Spinat zugeben. Dünsten bis der Spinat zusammenfällt und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eventuell überschüssige Flüssigkeit abdampfen lassen. Den Mozzarella und den Ziegenkäse in dünne Scheiben schneiden und die Pizze damit belegen. Den Spinat darauf verteilen. Die Pizze im vorgeheizten Backofen (Ober-/Unterhitze) bei 230 Grad ca. 15 Minuten backen, bis der Rand knusprig ist.

 


Regionale und saisonale Lebensmittel liegen im Trend, da immer mehr Menschen wissen möchten, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. Nicht jeder hat einen eigenen Garten aus dem er sich versorgen kann und Obst und Gemüse, das in unseren Lebensmittelmärkten angeboten wird – egal um welche Jahreszeit – stammt oft aus dem Ausland wie Spanien, Holland oder auch aus Südafrika- und Südamerika.

art_wirsingErfreulicherweise gibt es jedoch immer mehr regionale Anbieter mit einem saisonalem Sortiment. Dies sind z. B. Gärtnereien mit gut sortierten Bio-Kisten oder Hofläden mit Direktvermarktung von Obst, Gemüse, Kartoffeln, Getreide-
produkten, Käse und Fleisch.

Solidarische Landwirtschaft
Eine besondere Form des Lebensmittel-Abos ist dabei die Solidarische Landwirtschaft. Die Idee stammt aus den USA, wo unter der Bezeichnung CSA (Community Supported Agriculture) ein Vermarktungsmodell ins Leben gerufen wurde, das dem Produzenten eine hohes Maß an Planungssicherheit gewährt und faire Preise für alle Beteiligten ermöglicht.

Kunden, die mit Produkten aus einem solidarisch wirtschaftenden Betrieb regelmäßig versorgt werden möchten, schließen ein Jahresabo zu einem vereinbarten Umfang ab. Die Kosten, die wie eine Beteiligung gehandhabt werden, sind in der Regel zu Beginn des Jahresabos fällig. Die Produzenten – ob Landwirte, Gärtner oder auch Zusammenschlüsse von Herstellern und verarbeitenden Betrieben können auf Basis dieser Vereinbarungen planen wieviel angebaut und produziert werden muss. Der Vorteil ist, dass eine Überproduktion vermieden werden kann, der Kunde immer absolut frische Ware erhält und in vielen Betrieben auch die Möglichkeit besteht das Sortiment mit zu bestimmen.

“SoLaWi” Gärtnerei Hecker
Die Biogärtnerei Hecker in Olching, nahe München, zeigt im Filmbeitrag für “‘Unser Land” anschaulich wie “SoLaWi” funktioniert:

Anbieter suchen und finden
Wer allgemein nach regionalen Anbietern sucht, kann z. B. unter www.genussgemeinschaft.de recherchieren (oder sich auch als Betrieb eintragen lassen). Für solidarisch wirtschaftende Betriebe gibt es ein Web-Verzeichnis unter www.solidarische-landwirtschaft.org, das zusätzlich viele Informationen zum Thema bietet.

Nachdem jedoch viele Betriebe noch nicht in einschlägigen Internetportalen eingetragen sind, macht es immer Sinn sich direkt in der Umgebung und über lokale Medien zu informieren.

 


Die Brennnessel – behandelt als lästiges Beikraut – ist aus bewirtschafteten Feldern und Gärten fast vollständig verschwunden. Dabei ist die Brennnessel eine großartige Heil- und Gemüsepflanze. Sie hat eine reinigende, entgiftende, Stoffwechselfördernde und Blutbildende Wirkung und unterstützt die Stärkung des Immunsystems. Im Garten fördert sie in Form von Mulch und Jauche die Boden- und Pflanzengesundheit und dient einer Vielzahl von Schmetterlingsraupen als Futterpflanze.

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Brennnesselrezepte für Gaumen, Gesundheit und Garten
Wer eine Brennnessel berührt erfährt sofort die Abwehrstoffe der Pflanze, die sich in den sogenannten Brennhaaren befinden. Dennoch kann man Brennnesselspitzen einfach pflücken, indem man die jüngsten 2 – 4 Blätter zwischen Daumen und Zeigefinder zusammen dreht und abknipst. Die Brennhaare, die in den jungen Blättern weniger ausgeprägt sind, verlieren dabei ihre Wirkung und die feinen Brennnesselspitzen lassen sich direkt verzehren.

Größere Mengen Brennnesseln erntet man am besten mit Handschuhen und schneidet dabei die ganzen Triebe ab. Unter einem kalten Wasserstrahl können die Brennhaare ebenfalls neutralisiert werden und man kann die Blätter für die weitere Verarbeitung von den Stielen zupfen.

BrennnesselKnöpfle

500 g Mehl
Salz
4 Eier
1 großer Bund Brennessel
1 Handvoll Bärlauchblätter
Wasser

Brennnessel und Bärlauch fein hacken und beiseite stellen. Mehl und Salz vermischen, die Eier darüber schlagen, nach und nach Wasser zugeben und die Zutaten mit dem Knethaken des Rührgeräts zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Der Teig hat die richtige Konsistenz, wenn er langsam von einem Löffel fließt. Brennnessel und Bärlauch zugeben und den Teig solange schlagen bis er Blasen wirft.

Den Teig durch ein Knöpflesieb (Spätzlesieb) oder ein umgedrehtes Reibeisen in kochendes Wasser streichen. Die Knöpfle sind fertig, wenn sie an der Oberfläche schwimmen. Über einem Nudelsieb abgießen und kurz in Butter gewendet als Beilage reichen oder wie Käsespätzle als Hauptgericht zubereiten.

Teemischung mit Brennnessel

Eine Teemischung für die Frühjahrskur kann man sich aus Brennnesseln und verschiedenen Wildkräutern und -blättern zusammenstellen. Auf Grund der entwässernden und entgiftenden Wirkung der Kräuter soll eine solche Teemischung jedoch nur kurmäßig, über 3 – 4 Wochen mit täglich 3 – 4 Tassen Tee, angewendet werden. Außerdem möglichst viel Wasser trinken. (Wer unter Wasseransammlungen im Körper leidet, die durch eine eingeschränkte Herz- oder Nierenfunktion bedingt sind, darf Brennnessel nicht anwenden!!!)

Kräuter zu gleichen Teilen:
Brennnesselblätter
Walderdbeerblätter
Löwenzahnblätter
Birkenblätter

Die Blätter mit kochendem Wasser überbrühen und etwa 5 Minuten ziehen lassen.

Brennnessel Kräuterjauche

Für eine Brennnesseljauche zur Düngeanwendung (Stickstoffdüngung) im Garten werden Brennnesseln mit Wasser angesetzt und vergoren.

Dazu einen 10-Liter Eimer zur Hälfte locker mit Brennnesseln füllen und mit Regenwasser auffüllen. Wer mag kann auch andere Kräuter aus dem Garten hinzufügen. Zur Geruchsbindung etwas Gesteinsmehl und EM (Effektive Mikroorganismen) einrühren. Den Eimer zudecken und am besten in der Sonne stehen lassen. Täglich umrühren. Die Jauche ist fertig, wenn sich keine Schaumkrönchen mehr in der Flüssigkeit bilden. Dann die Jauche abgießen und die Brennnesselreste auf den Kompost geben. Zur Düngung die Jauche mindestens 1:20 mit Wasser verdünnen und vergießen. Nicht auf ausgetrockneten Boden gießen.

 


buchtipp_essbareLandschafteAus Freude am Frischen
Rund 40 Wildkräuter werden in raffinierten Rezepten für außergewöhnliche Salate, Gerichte mit Fisch oder Fleisch, Risotto, Pasta, Desserts und viele weitere Köstlichkeiten vorgestellt. Dazu gibt es Grundrezepte für Pesto, Kräutersirup und -öle sowie Wildkräuterporträts von Ackerveilchen bis Ysop mit vielen Tipps für die Ernte, Lagerung und Verwendung in der Küche.

Koch trifft Gärtner
Ralf Hiener ist Koch und Olaf Schnelle Gärtner. Die beiden haben in diesem Buch ihr profundes Wissen und ihre jahrelange Erfahrung aus dem jeweiligen Fachgebiet vereint. Die traumhaften Fotos der Fotografin Anne Freidank machen sofort Appetit.

Fazit: Ein wirklich schönes Buch für die Wildkräuterküche mit besonderen Rezepten.

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