Das erste Samenfest, das wir dieses Jahr als Austeller besuchen durften, fand am 23. Januar bei Rapunzel in Legau statt. Neben dem großem Saatgutmarkt gab es ein Rahmenprogramm mit  interessanten Vorträgen zu verschiedensten Themen. Besonders gefreut hat es mich in diesem Zusammenhang Andrea Heistinger (Autorin u. a. des Handbuchs für Samengärtnerei) persönlich zu erleben. Ihr Vortrag zum Thema “Biologisch Düngen” zeigt viele wichtige Aspekte zu Bodenleben und fruchtbarem Boden auf.

Rapunzel hat alle Vorträge aufgezeichnet und sie können über deren Website bzw. Youtube aufgerufen werden: Nachlese Samenfest und alle Vorträge >

Andrea Heistinger hat zu diesem Thema zusammen mit Alfred Grand ein Buch veröffentlicht, das sich wie im Vortrag mit Wurmhumus, Gründüngung und Kompost befasst.

buchtipp-bioduengerBiodünger selber machen.
Regenwurmhumus – Gründüngung – Kompost

Wieso sollte man Regenwürmer im eigenen Garten halten? Wie kann man Regenwurmhumus in einer Kompostkiste selber herstellen? Wie erzeugt man aus „Küchenabfällen“ wie Kaffeesatz und Schalen fruchtbaren Kompost?

Biogartenexpertin Andrea Heistinger sowie Biobauer und Biodüngerproduzent Alfred Grand erklären auf verständliche Weise, wie es ganz leicht gelingt, Biodünger selber zu machen. Sie verzichten auf komplizierte Anweisungen und beschreiben simple, benutzerfreundliche und praktikable Systeme.

Das Buch ist ein Standardwerk für HausgärtnerInnen, Terrassen- oder BalkongärtnerInnen, Biobauern und Biobäuerinnen sowie LehrerInnen oder KindergärtnerInnen.

Löwenzahn Verlag, ISBN-10: 3706625199, ISBN-13: 978-3706625197
Weitere Details und Bestellmöglickeit über Amazon:
Biodünger selber machen. Regenwurmhumus – Gründüngung – Kompost >

 


Letzten Sommer gab es laut Medienberichten verschiedene Vergiftungsfälle durch Bitterstoffe in Kürbisgewächsen. An einer Zucchini mit hohem Bitterstoffanteil soll sogar ein älterer Mann verstorben sein. Seitdem geht es um, dass man Kürbisgewächse keinesfalls selbst vermehren soll, da sich dadurch Bitterstoffe bilden können. In einem Online-Shop für Sämereien konnte ich neulich genau diesen Hinweis bei jedem Saatguttütchen mit Samen von Kürbissen und Zucchini lesen. Bei Saatgutbestellungen kommen auch zu mir Anfragen zu Bitterstoffen in alten Sorten und in unserem Saatgutangebot.

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Was hat es nun auf sich mit den Bitterstoffen in Kürbisgewächsen?
Grundsätzlich ist es tatsächlich so, dass Kürbisgewächse – dazu gehören alle Arten von Kürbissen, Gurken und Melonen – Bitterstoffe, sogenannte Curcurbitacine enthalten können. Vor allem die ursprünglich wilden Vorfahren unserer heutigen Kultursorten sind oft sehr bitter gewesen. Für den Menschen sind diese Bitterstoffe (anders als z. B. viele Bitterstoffe in Kräutern) unverträglich. Durch Auslese und Kreuzung wurden den Speisekürbissen, Zucchini und Gurken die Bitterstoffe so weit als möglich heraus gezüchtet.

Bitterstoffe in Gurken
Der eine oder andere kennt noch den Hinweis zum Schälen einer Gurke: “… von der Blüte zum Stiel”. So sollten mögliche Bitterstoffe vom Stielansatz nicht auf die restliche und bitterfreie Gurke gebracht werden. Das bittere Ende wurde weg geschnitten und selbstverständlich nicht verzehrt!

Die wenigsten Gurken sind  komplett bitterfrei und die Bitterstoffe können – unter bestimmten Bedingungen – vom Stengelansatz in die Gurke wandern, sodass auch in “normalerweise” bitterfreien Gurken Bitterstoffe auftreten können. Zu diesen Bedingungen gehören vor allem große Hitze und Trockenheit (auch in Kombination mit zu kaltem Gießwasser), was wir aus dem letzten Sommer ja bestens kennen.

Die Zucchini und der Zierkürbis
Was nun die Vergiftung mit einer bitteren Zucchini anbetrifft, dürfte die Ursache jedoch anderweitig zu suchen sein. Zucchini wie auch Zierkürbisse gehören zu den Gartenkürbissen (Cucurbita pepo), sind Fremdbefruchter und Insektenbestäuber und können sich somit untereinander verkreuzen. Blühen beide zusammen oder auch die Zucchini im eigenen Garten und beim Nachbarn der Zierkürbis, ist meist kein sortenreines Saatgut mehr zu ernten. Zu erkennen ist die Verkreuzung schon an einer veränderten Fruchtform- und farbe und ggf. auch am bitteren Geschmack. Zierkürbisse enthalten oft Bitterstoffe und bei einer Verkreuzung werden diese vererbt.

Eine versehntliche Kreuzung einer Zucchini mit einem Zierkürbis scheint daher in diesem Fall, nämlich der aus eigenem Saatgut gezogenen und dann bitteren Zucchini, am nächsten liegend.

Mutationen in der Natur
Die Natur ist variabel und aus jedem Samenkorn entsteht ein Individium. So sind auch Mutationen nicht auszuschließen – schließlich sind durch Mutationen immer wieder neue Gemüsesorten entstanden. Dies kommt allerdings sehr selten vor, kann jedoch bei gekauftem Saatgut ebenso auftreten wie bei selbst Gezogenem.

In jedem Fall gilt: Bittere Früchte von Kürbisgewächsen sind nicht für den Verzehr geeignet! Und wer selbst vermehrt, sollte sich über Befruchtungsbiologie und Verkreuzungsmöglichkeiten informieren, ggf. nur eine Sorte anbauen und/oder die richtigen Isolationsabstände einhalten, um nicht von bitteren Früchten enttäucht zu werden. Weitere Informationen hierzu sind in folgenden Artikeln zu finden:

Gartenkürbisse und ihre Vertreter >
Saatgut selbst vermehren und Handbuch Samengärtnerei >

 


Jedes Gartenjahr gibt es die eine oder andere Entdeckung unter den alten Gemüsesorten, die uns besonders begeistert. Dieses Jahr ist es das spitzköpfige Blaukraut (bzw. Rotkraut oder auch Rotkohl) Vysocke. Es stellt nicht nur eine besonders seltene Rarität dar, sondern mit seinem feinen Geschmack auch eine tolle Bereicherung für die Winterküche.

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Blaues Spitzkraut Vysocke

Vysocke ist eine alte Lokalsorte aus Tschechien und wohl das einzige bekannte samenfeste, blaue Spitzkraut. (Ab und an auch unter dem Sortennamen Kalibos zu finden, teils mit dem Hinweis auf den ursprünglichen tschechischen Namen.)

Es handelt sich um ein Spätkraut mit großen, violett-rot und spitz zulaufenden Köpfen mit ausladenden Umblättern. Auffallend ist der hohe und dicke Strunk, der wie Kohlrabi verwendet werden kann.

Im Anbau braucht das Kraut nicht nur ausreichend Platz und Nährstoffe, sondern auch die nötige Zeit, um seine Größe zu erreichen. Aussaat Mitte April mit Pflanzung bis Ende Mai ist empfehlenswert. Geerntet wird im Oktober, bevor es stärkere Fröste gibt.

Traditionell wurde das Kraut milchsauer vergoren, was ein sehr gutes, pinkfarbenes Sauerkraut ergeben soll. In der Winterküche zeichnet es sich als feine und gut bekömmliche Winterrohkost aus. Zusammen mit anderen Wintergemüsen wie Chinakohl und Rapunzel oder auch in Kombination mit Speck und Mandeln lassen sich hervorragende Wintersalate zubereiten. Blanchiert oder gedünstet sind die zarten Blätter schnell gar und sollten nicht zu lange gekocht werden, damit sie Farbe und Aroma behalten..ür gekoch

Blauer Spitzkrautsalat mit Speck und Mandeln

1/2 bis 1 Kopf blaues Spitzkraut, je nach Größe
80 Gramm durchwachsenen, geräucherten Speck
2 EL Mandelstifte
Salz und Pfeffer
Olivenöl und milder Essig
1 Spritzer Zitronensaft
1 EL Zwiebelgrün, z. B. Winterheckenzwiebel in Ringe geschnitten

Vom Kraut die Umblätter entfernen, den Kopf vierteln und den Strunk heraus schneiden. Die Viertel quer in feine Streifen schneiden. Mit etwas Salz vermischen und mit der Hand vorsichtig durchkneten. Danach ca. 15 Min. stehen lassen. In der Zwischenzeit den Speck in kleine Streifen schneiden und ohne Fett in einer Pfanne kross anrösten. Überschüssiges Fett mit einem Küchentuch entfernen. Kurz abkühlen lassen und dann zu den Krautstreifen geben. In der selben Pfanne die Mandeln anrösten, ohne sie dunkel werden zu lassen und dann ebenfalls zum Kraut geben. Salat mit Essig, Öl und Zitronensaft anmachen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Vor dem Servieren etwa 10 Min. ziehen lassen, mehrmals mischen und gegebenfalls nochmal nachwürzen.

Saatgut und Sortenbeschreibung
Wir hatten die Sorte Vysocke dieses Jahr zum ersten mal im Anbau und sie wird sicherlich einen festen Platz in unserem Gartensortiment bekommen. Saatgut ist erhältlich über mehrere Anbieter aus dem Arche Noah Erhalternetzwerk. Dabei können wir aus eigenen Erfahrungen Roman Huber mit seiner Partnerin Anna-Maria Frey empfehlen, die auf züchterischem Niveau auf ihrem Hof in Niederbayern vermehren. Eine Sortenbeschreibung ist außerdem im “Lexikon der alten Gemüsesorten” enthalten.

 


Die letzten Wochen haben uns hier im Voralpenland viele sonnige und föhnig-warme Tage beschert, sodass die Gartensaison sich unwillkürlich verlängert und der Winter sich mit seinen wenigen frostigen Tagen nicht wirklich eingestellt hat. Dennoch neigt sich das Jahr dem Ende zu und nach verschiedenen Bauernregeln kehrt der Winter ja erst richtig ein, wenn die kürzesten Tage vergangen sind. Wir werden sehen, was uns der Winter im neuen Jahr noch bringt und – wie sollte es anders sein – freuen uns schon auf die wärmende Frühlingssonne zur Ankündigung der neuen Gartensaison.

In diesem Sinne wünschen wir allen unseren
Freunden, Kunden, Lesern und Kooperationspartern ein neues Jahr
der Fülle, in voller Blüte und mit gesegneter Ernte.

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Seminarprogramm 2016
Gleichwohl das neue Jahr noch nicht begonnen hat, sind unsere Bio-Garten-Seminare und Termine bereits seit Wochen in Planung. Wie in den letzten Jahren veranstalten wir wieder unsere jeweils 3-tägigen Seminare:

Samengärtnerei für den Hausgarten – Gemüse und Kräuter selbst vermehren >
Bio-Gemüseanbau für den Hausgarten – Biologisch Gärtnern im Jahreslauf >

Neu im Programm ein 2-teiliger Praxiskurs, der sich – abgestimmt auf die Selbstversorgung in der kalten Jahreszeit – mit Wintergemüseanbau, Überwinterung und Lagerung befasst:

Frisches Gemüse das ganze Jahr – Wintergemüse aus dem Bio-Garten >
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Saatgutfeste und Veranstaltungen 2016
Weiterhin sind wir auf verschiedenen Veranstaltungen mit einem Saatgut-, Infostand oder Vortrag anzutreffen. Wir freuen uns, wenn Sie uns am Stand oder zum Vortrag besuchen:

23.01.2016
Samenfest bei Rapunzel in Legau, Infostand VEN und Saatgut alter Gemüsesorten

30.01.2016
Saatguttag bei Öko & Fair in Gauting, Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Samengärtnerei im Hausgarten

13.02.2016
Saatgut-Festival in Nürnberg, Saatgut alter Gemüsesorten

art_saatgutfest201621.02.2016
Saatgut-Festival in München, Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Samengärtnerei im Hausgarten

13.03.2016
Dinkelsbühler Samenfest, Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Tomaten für den Freilandanbau

09.04.2016
Saatguttag in Illertissen (Details folgen), Saatgut alter Gemüsesorten und Vortrag zu Samengärtnerei im Hausgarten

16.05.2016
Fürstenfelder Gartentage (Details folgen), Vortrag Gemüse auf kleinstem Raum – Urban Farming

19.06.2016
Permakultur-Netzwerktreffen in Herrieden im Hortus Felix, Infostand zu Samengärtnerei, Permakultur und Selbstversorgung

 


Frisches Bio-Gemüse rund ums Jahr
Ja – es wünschen sich die meisten Hausgärtner, dass die Frischgemüsesaison im Oktober nicht zu Ende geht und auch in der kalten Jahreszeit so viel frische Salate und Gemüse wie nur möglich geerntet werden können.

Das “Handbuch Wintergärtnerei” von Eliot Coleman befasst sich intensiv mit diesem Thema. Der Autor schildert seine persönlichen Erfahrungen, die er über viele Jahre auf seiner “Four Season Farm” sammeln konnte. Die Hinleitung an die Wintergärtnerei am Beispiel der Pariser Gärten von vor ca. 150 Jahren ist dabei ein spannender geschichtlicher Aspekt aus einer Zeit in der es noch keine geheizten Gewächshäuser wie heutzutage gab.

Auf seiner Farm baut Eliot Coleman Wintergemüse für die regionale Vermarktung an und entsprechend sind Anbaumethoden und Sortenempfehlungen zumindest zum Teil auf den Erwerbsgärtner abgestimmt. Dennoch findet jeder Hausgärtner und Selbstversorger viele wertvolle Empfehlungen, die auch im kleineren Garten umsetzbar sind.

Allem voran der mobile Folientunnel, der mich komplett begeistert hat und hoffentlich in nicht zu ferner Zukunft bei uns realisert werden kann. Schließlich ist es jedes Jahr das gleiche Problem: Im Folientunnel oder Kaltgewächshaus werden im Sommer meist dieselben wärmeliebenden Kulturen angebaut und erst sehr spät im Jahr wird Platz für die Winterkulturen. Der mobile Tunnel bietet hierfür eine geniale Lösung.

buchtipp-wintergaertnereiHandbuch Wintergärtnerei

Für die vielen engagierten HausgärtnerInnen und versierten SelbstversorgerInnen wird das “Handbuch Wintergärtnerei” eine wahre Fundgrube an anwendbarem Praxiswissen sein. Coleman beschreibt in seinem Buch alte europäische Gartenbautechniken. Genau deshalb lässt sich sein kleinstrukturiertes System bei uns so wunderbar anwenden.
Wolfgang Palme, Leiter der Abteilung Gemüseanbau an der HBLFA Schönbrunn (Wien)

Verlag: Löwenzahn, ISBN 978-3-7066-2565-4
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Weitere Details und Bestellmöglichkeit über www.amazon.de >

Wie auf Amazon zu lesen ist, gehen die Meinungen zu diesem Buch auseinander. Was dabei sicherlich eine Rolle spielt, ist die gärtnerische Erfahrung des Lesers und potentiellen Anwenders. Als Anfängerbuch für die winterliche Selbstversorgung ist das Buch wohl eher nicht zu sehen.

Für interessierte GärtenrInnen, die in die Wintergärtnerei für den Bio-Garten einsteigen möchten, bieten wir das Praxisseminar “Frisches Wintergemüse aus dem eigenen Garten” mit
2 Seminarnachmittagen, jeweils an einem Sonntag mit kleinem Imbiss bzw. Verkostung aus der Gartenküche an.

Detailbeschreibung und Termine “Frisches Wintergemüse aus dem eigenen Garten” >