Wer seinen eigenen Garten bewirtschaftet, ernährt sich automatisch nach Saison. Es wird mit den Zutaten gekocht, die der Garten gerade zu bieten hat. Im Sommer ist das meist recht einfach – abgesehen von einer möglichen Zucchinischwemme, die es zu bewältigen gilt. Und mit den richtigen Sorten und dem rechtzeitigem Anbau lässt sich auch im Winter noch einiges aus dem eigenen Garten ernten.

Mit einem Krautacker, der im Winter brach liegt oder ganz ohne selbst angebautes Obst und Gemüse ist eine saisonale und regionale Ernährung oft gar nicht einfach. Andreas Hoppe, bekannt als Tatort-Kommisar hat sich auf den Versuch der saisonalen und regionalen Ernährung eingelassen. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Suche nach Lebensmitteln aus der Region durchaus zum modernen Abenteuer werden kann.

 Sich rein regional ernähren – geht das?

Wie zu sehen ist, gibt es größte Schwierigkeiten regionale Lebensmittel aufzutreiben, selbst wenn es nur um das tägliche Brot geht. Sieht man sich ein paar Zahlen an, braucht man sich auch nicht zu wundern: so stammt mehr als 80% des hierzulande konsumierten Obstes aus Auslandsimporten und selbst bei Gemüse sind nur etwa 1/3 aus deutschem Anbau. Und auch beim Getreide ist Deutschland kein Selbstversorger mehr und muss aus anderen Ländern importieren.

Was also tun, wenn man sich regional ernähren will?
Wie im Film schon deutlich wurde, gibt es wohl ein starkes Nord-Süd-Gefälle und in Bayern und Baden-Württemberg ist es einfacher Lebensmittel aus der eigenen Umgebung zu erwerben.

Dennoch sind allgemein die Möglichkeiten in den letzten Jahren besser geworden. Viele Konsumenten fragen die Herkunft ihrer Lebensmittel nach und immer mehr Betriebe stellen auf Direktvermarktung und / oder Solidarische Landwirtschaft um. Fündig werden kann man unter folgenden Links oder einfach mal SoLaWi, Hofladen oder Erzeugergemeinschaft für seine Region in die Suchmaschine eingeben.

Genussgemeinschaft Städter und Bauern >
Solidarische Landwirtschaft >
Netzwerk Unser Land >

 


art_paprika-konsSeptember und Oktober ist die richtige Zeit, um Ernteüberschüsse zu konservieren. Tomate, Paprika und Chili eignen sich dabei besonders gut, um Sommeraromen für die kalte Jahreszeit haltbar zu machen.

Tomatenüberschüsse werden bei uns laufend zu Soßengrundlage gekocht, getrocknet oder eingefroren.

Doch auch Paprika und Chili wandern (mit) ins Glas. Die gewünschte Schärfe kann durch Menge und Sorte der verwendeten Chili variiert werden.


Salsa aus tomaten, Paprika und Chili

Für 5 – 6 Gläser á 200 ml:

3 Knoblauchzehen
3 – 5 dickwandige Chilischoten, z. B. Santa Fe Grande
2 Spitzpaprika
500 g Fleischtomaten
3 EL Olivenöl
Salz

Knoblauch fein hacken. Chili und Paprika entkernen und die hellen Mittelwände entfernen, in feine Streifen schneiden. In einem flachen Topf Olivenöl erwärmen und Knoblauch, Paprika und Chili darin andünsten. Knoblauch nicht braun werden lassen. Die Tomaten würfeln und dazugeben. Bei sanfter Hitze unter gelegentlichem Rühren zu einer sämigen Masse einkochen. Mit Salz abschmecken. Heiß in sterile und erhitzte Gläser mit Schraubdeckel füllen und sofort verschließen.

Passt z. B. zu Ofenkartoffeln und Gegrilltem. Im Kühlschrank mind. 6 Monate haltbar.


Eingelegte Paprika und chili
Für 3 Gläser á 200 ml:

2 Spitzpaprika
10 – 15 große, mittelscharfe Chili, z. B. Hot Banana
3 Knoblauchzehen
1/2 Zwiebel
1 Zweig Rosmarin
1 Dillblüte
3 Lorbeerblätter
1 EL brauner Zucker
2 TL Salz
1 TL Pfefferkörner
350 ml weißer Balsamico
350 ml Wasser

Paprika und Chili entkernen, helle Mittelwände entfernen und in breite Streifen schneiden bzw. längs halbieren. Knoblauch abziehen und halbieren.Zwiebel abziehen und in feine Ringe schneiden. Essig, Wasser, Kräuter und Gewürze aufkochen. Paprika und Chili dazugeben und ca. 8 Minuten bissfest köcheln. Paprika und Chili mit der Schaumkelle herausnehmen und in heiße, sterile Gläser mit Schraubdeckel füllen. Den Essigsud nochmal aufkochen und die Gläser damit füllen und sofort verschließen.

Ideal zu Vorspeisen, zu Gegrilltem oder zur Brotzeit. Mindestens 1 Jahr haltbar.

Auf dieselbe Weise können auch Cocktailtomaten eingelegt bzw. mit Paprika und Chili gemischt werden. Die Haut der reifen Tomaten hierfür mit dem Zahnstocher mehrmals einstechen.

 


Im Septemberteil unseres Saatgutseminars sind unter anderem Tomaten ein Schwerpunkt. Saatguternte und Reinigung werden besprochen und viele alte Tomatensorten für Freiland oder geschützten Anbau vorgestellt. Die Teilnehmer erwartet dabei eine Verkostung unserer bunten Tomatensorten und selbstverständlich dürfen Samen genommen werden!

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Nassreinigung bei Tomaten und Gurken

Nassreinigung von Tomatensaatgut
Tomatensamen sind von einer keimhemmenden Schicht umgeben, die verhindert dass die Samen bereits in der Frucht keimen. Dieser “Glibber” kann mittels Nassvergärung abgebaut werden, um streufähiges und portionierbares Saatgut zu erhalten.

Die Samen werden hierfür mit möglichst wenig Fruchtfleisch aus den reifen Früchten genommen, zusammen mit etwas Wasser in ein offenes Glas oder Schälchen gegeben und 2 bis 3 Tage bei Zimmertemperatur stehen gelassen. Es entsteht ein Gärungsprozess, der die keimhemmende Schicht um die Samen abbaut. Die Samen fühlen sich dann rauh an. Hohe Temperaturen beschleunigen den Gärungsprozess, daher vor allem im Hochsommer gut kontrollieren, damit die Samen nicht ankeimen. Zur Reinigung werden die Samen in ein Teesieb gegeben und unter fließend Wasser abgewaschen. Danach sofort auf Papier ausbreiten (Backpapier ist bestens geeignet) und gut trocknen lassen.

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Samenernte “Reisevariante”

Samenernte – die “Reisevariante”
Einzelne Tomatensamen können auch ohne Nassreinigung z. B. auf eine Küchenrolle gegeben und getrocknet werden. Zur Aussaat werden die einzelnen Samen mit der Küchenrolle abgetrennt und gesät. In den Seminaren ist dies die “Reisevariante” für Tomatensamen aus der Verkostung.

Selbstverständlich sind nur samenfeste Tomatensorten für die Vermehrung über eigene Samen geeignet.

Welche alten Tomatensorten sind geschmacklich die besten?
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und bei Tomaten gehen die Geschmäcker tatsächlich oft weit auseinander. Manch einer mag es mild, andere bevorzugen säurehaltigere Sorten.

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Aunt Ruby’s German Green

Die geschmackliche Überraschung gab es in diesem Jahr in Form einer grünen Fleischtomate, die wir zum ersten Mal im Testanbau hatten. “Aunt Ruby’s German Green” überzeugte bereits uns mit ihrem feinen Geschmack und auch die Seminarteilnehmer waren einheitlich begeistert.

Die grüne, plattrunde Tomate mit bei Reife gelb- bis lachsfarbenem Einschlag vereint das mild schmelzende Aroma vieler Fleischtomaten mit einer leichten fruchtigen Säure.

“Aunt Ruby’s German Green” wird nächtes Jahr sicherlich wieder Ihren Platz bei uns im Tomatenbeet bekommen.


Tomaten gehören zu unserem beliebtesten Sommergemüse. Im eigenen Garten angebaut betören sie uns mit Vielfalt und Geschmack. Doch in einem Regenjahr wie diesem (2016) wird die Braun- und Krautfäule schnell zum Spielverderber und die Tomatenliebe wird auf eine harte Probe gestellt.

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Galinas Sibirian Cherry

Vielfalt bedeutet Ertragssicherheit
Wir testen seit Jahren verschiedenste alte und samenfeste Tomatensorten auf ihre Freilandeignung und jedes Jahr bringt neue Erkenntnisse.

Zwar dürfte die Wildtomate Humboldtii weiterhin die größte Widerstandsfähigkeit gegen den Braunfäulepilz aufweisen, doch einige großfrüchtigere Sorten brachten in diesem Jahr erstaunliche Ergebnisse.

Neben den Wildtomten, und den Cocktailtomaten Cuban Pink und Galinas Sibirian Cherry, die sich auch dieses Jahr wieder gut bewähren, haben wir ca. 10 weitere Tomatensorten im Freilandanbau. Zugegeben stehen nicht alle ganz freiwillig im Regen – wir haben es durch unseren Umzug einfach nicht geschafft, rechtzeitig eine entsprechende Überdachung zu bauen. Durch den Regensommer wurden diese Tomaten nun zwangsläufig dem “Braunfäuletest” unterzogen.

Was sich außerdem sehr schön zeigt: durch die Vielfalt im Anbau bleibt – auch wenn es die eine oder andere Sorte nicht geschafft hat – immer noch eine gute Ernte.
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Sieger

Alte Tomatensorten können punkten: Sieger ist Sieger
Durch eine gute Widerstandsfähigkeit bei gleichzeitiger Frühzeitigkeit hat die Tomate Sieger einen hervoragenden Ertrag gebracht und steht noch immer recht gut da. Geschmacklich braucht sie sich dabei nicht zu verstecken

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Tarasenko

Nicht ganz so früh aber mit ebenfalls einem sehr hohem Ertrag hat sich Tarasenko, eine russische Züchtung gezeigt. Wie bei Sieger sind zwar Blätter und einige wenige Früchte befallen, dennoch hält sich der Schaden in Grenzen.

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Blue Orange Purple Strip

Überraschungssieger ist Blue Orange Purple Strip, zwar keine richtig alte Sorte, jedoch samenfest. Die wohlschmeckende gelb-lila Tomate leidet kaum unter Braunfäulebefall. Etwas später reifend stellt sich nun ein guter und gesunder Ertrag ein. Etwas empfindlicher zeigt sich unsere andere violette Sorte, Blue P 20. Aber auch bei ihr ist bislang nur ein mäßiger Befall zu beobachten.

Ebenfalls im Mittelfeld mit mäßigem Befall stehen Honduras und De Berao. Bei beiden macht der reiche Behang die teilweise befallenen Früchte wett.

Das Regenwetter am schlechtesten vertragen hat Musk Zebra, eine grün gestreifte Sorte, die eigentlich gut freilandtauglich sein sollte. Leider konnten wir von ihr so gut wie keine Frucht ernten und die Pflanzen sind bereits komplett abgestorben.

Wer sich mal wieder um den Regentest gedrückt hat, ist die Kartoffelblättrige Tiefgefurchte. Sie soll laut Gerhard Bohl eine der wenigen widerstandsfähigen Fleischtomaten sein. In jedem Anbaujahr hatten wir bislang wenig Regen und viel Sonne – und schöne Tomaten im Freiland. Sollten wir sie nächstes Jahr wieder in Anbau nehmen, gibt es bestimmt einen Bombensommer :-) !

Saatgut der genannten alten und samenfesten Tomatensorten kann bei uns gegen eine Aufwandsentschädigung via E-Mail bestellt werden.

Zur aktuellen Saatgutliste >
Alte Tomatensorten selbst vermehren >

 


Ur-Obst ist ursprüngliches Obst, das in der Regel nicht veredelt wird. Es wächst wurzelecht, was  Robustheit, Krankheits- und Schädlingsresistenz stark verbessert. Gleichzeitig sind die geringen Ansprüche an Pflege und Schnitt von Vorteil und sein besonderer Geschmack beeindruckt gegenüber den herkömmlichen Obstsorten.

Es gibt Ur-Obst von Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Pfirsichen und ebenso von Nüssen, Weintrauben und Beeren. Auch Wildobst wie Sanddorn, Eberesche, Schlehe, u.v.a. zählen dazu. Für den naturnahen Obstgarten und Permakulturgarten sind solche Sorten beinahe ein “Muss”. Viele der beschriebenen Sorten können auch als Obsthecken gepflanzt werden.

Blättert man durch das neu erschienene Buch “Ur-Obst, wurzelecht und pflegeleicht, 200 Sorten”, wird die Neugierde geweckt auf Obstsorten wie das “Apfelberger Zuckeräpfelchen”,  einem Strauchartigem Wildfund mit aromatisch süßen Früchten, der virusfreien Strauchkirsche “Rotes Wunder” oder der kernfesten Aprikose “Ungarische Beste”.

buchtipp_ur-obstNorbert Kleinz
UR-OBST
Wurzelecht und pflegeleicht
200 Sorten

180 Seiten, Hardcover
Preis: € 29,90

LEOPOLD STOCKER VERLAG
ISBN 978-3-7020-1591-6

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Der Autor Dr. Norbert Kleinz ist seit den 1980er-Jahren in der Naturgartenbewegung tätig. 1993 gründete er mit einigen Mitstreitern die Baumschule Ahornblatt in Mainz, die sich der Vermehrung und dem Verkauf der vielfältigen heimischen Gehölze, der Naturgartenberatung und -Planung sowie der Sichtung und Selektion von urtümlichen heimischen Obstarten widmet, für die er die Bezeichnung Ur-Obst® prägte.